Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 51 (15.12.1885)
- Date
- 1885-12-15
- Page
- Seite 821 (sequence 13)
- Language
- German
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8-1 zeit erforderlichen Ziele und praktischen Maßregeln zu vereinigen. In der Hoffnung, daß dieser einfach von mir ausgehende Aufruf günstig ausgenommen werde und selbst mit! einigen Opfern herzlichen Anklang bei allen Freunden und. Fördern der Sache der Reform und Bereinigung im amerikanischen Judenthum finde, re." (Einen allgemeinen Anklang hat das Unternehmen und dieser Brief des Dr. Köhler nicht gefunden, wie wir aus! einem Artikel des „Occident" vom 13. Nov. entnehmen. (£§| wird darin den früheren amerikanischen Rabbinerversammlungen der Borwurf gemacht, daß sie nur dogmatische Streitigkeiten veranlaßt und gar keine praktischen Erfolge gehabt hätten. Uebrigens spricht Di-. Köhler nur von einem „amerikanischen Judenthum." Bemerkenswerth ist übrigens noch, daß kurz vorher eine andere Rabbinerversammlung in Baltimore unter dem Borsitze des Dr. Gottheil stattgefunden, die sich vorzugsweise mit den „Sabbathschulen" d. h. Religionsschulen und Religionsunterricht, das häusliche religiöse Leben u. s. w. beschäftigte, eine Commission zur Abfaffung eines Gebetbuches für die Familien ernannt und als Ort der Conferenz New- Dork bestimmte. Hieraus geht hervor, daß die von Dr. Köhler beabsichtigte Versammlung nur einen Theil der amerikanischen Rabbiner in Anspruch nahm. Wir hoffen, durch die nächste amerikanische Post Ausführliches zu erhalten.) (Soeben kommt uns der Tenor der Resolution aus Amerika zu, s. nächste Nummer.) Bonn, 6. December. (Notizen.) Aus Berlin schreibt man: Sonntag den 6. d. feiert der Rentner Abraham Wittkowsky seinen hundertsten Geburtstag. — Aus Göppingen schreibt man: Am 24. November feierte Herr Rabbiner Herz hier seinen 70. Geburtstag. Am Borabend wurde er durch ein Ständchen des Liederkranzes erfreut und dankte er den Mitgliedern dieses Vereins für die ihm erwiesene Ehrenbezeugung in sehr warmen Worten. Gestern Vormittag wurde dem Jubilar von den Vertretern der israelitischen Gemeinden Göppingen und Jebenhausen eine kalligraphisch ausgeführte Adresse überreicht, in welcher die großen Verdienste um seine Gemeinden hervorgehoben wurden. Zugleich wurde eine Ehrengabe übergeben, welche von Seiten des Herrn Rabbiner zur Gründung einer „Rabbiner Herz-Stiftung" bestimmt worden ist. Herr Oberamtmann Mosthaf überbrachte ihm ein Gratulations- und Anerkennungs-Schreiben der israelitischen Oberkirchenbehörde. Abends fand im Gasthaus Dettelbacher ein Bankett statt, an welchem sich beinahe sämmtliche Gemeindemitglicder betheiligten. — Aus Witten schreibt man vom 27. November: Heute wurde hier die schöne neue Synagoge feierlich eingeweiht. Die Festrede hielt Herr Rabbiner Dr. Jaulus aus Aachen. — Aus Pest wird uns geschrieben: Am 26. November feierte der hiesige geachtete Bürger Herr S. Adler mit seiner Gattin Judith, geb. Gerstel, in voller Rüstigkeit das Fest der goldenen Hochzeit. Ieuitleton. Äus -er Driefmappe eines Rabbiners. Vor einigen Jahren verstarb ein hochbetagter Rabbiner, der in einer mäßigen Provinzialstadt, in welcher sich auch eine kleine Universität befand, lange Zeit fungirt hatte. Hatte er sich auch in weiteren Kreisen nicht bekannt gemacht, wie er sich auch literarisch niemals versuchte, so wurde er doch von seiner Gemeinde und in einem großen Umkreise lebende Persönlichkeit unangenehm berührt werden. Es ver steht sich, daß die Papiere, nur aus dem praktischen Leben entstammend, keine theoretischen oder allgemeinen Erörterungen enthalten, fast nur persönliche Beziehungen betreffen, die jedoch eben Verhältnisse berühren, welche auch gewisse allgemeine Momente befassen. Eine Verpflichtung zur Veröffentlichung wurde mir selbstverständlich nicht auferlegt, vielmehr Alles meiner Auswahl überlassen. Ich mache den Anfang tief betrauert. Denn er erwarb sich nicht bloß durch seine > mit einem Briefwechsel, der mehrfach in das wirkliche Leben Gelehrsamkeit, seinen würdigen Charakter und sittenreinen! hineivführt und uns ein Bild aus gewissen realen Lagen Lebenswandel, sondern auch durch die Herzensgüte und un-! entwirft. Der erste Brief datirt vom 15. November 1861. ermüdliche Wohlthätigkeit die Achtung und innigste Theilnahme! Ich lasse die Titulatur hinweg. in allen Kreisen der Bevölkerung. In seiner Hinterlassenschaft fand sich eine Mappe, in welcher der Verewigte eine Reihe von Papieren geordnet und zusammengestellt hatte, die ihm irgendwie interessant erschienen waren, namentlich Briefe, die er mit Randglossen und Notizen versehen hatte. Der älteste Sohn, ein Rechtsanwalt, schickte diese Mappe mir zu, um daraus zu veröffentlichen, was mir der Mittheilung an das Publikum werth erschiene; natürlich dürfe dadurch keine „Wenn ich mir erlaube. Sie in persönlicher Angelegenheit bittend anzugehen, so ermuthigt mich hierzu nicht blos Ihr weitverbreiteter Ruf als ein Mann, der sich jedes Hilfsbedürftigen nach Kräften annimmt, sondern auch die Er innerung an unsere Jugendzeit. Wir sind Landsleute, saßen mehrere Jahre auf derselben Schulbank und nahmen Antheil an denselben Spielen und Ausflügen. Ich glaube. Sie werden sich dessen erinnern. Was mich betrifft, so bin ich seit