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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-12-15 · Heft 51 (15.12.1885) · p. Seite 820

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 51 (15.12.1885)
Date
1885-12-15
Page
Seite 820 (sequence 12)
Language
German
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820 Reform-Rabbiner tagte Mitte vorigen Monats in Pittsburg. Dieselbe erließ eine Principien-Erklärung, welche im Wesentlichen besagt, daß jede Religion ein Versuch sei, das Unbegrenzte zu erfaßen; daß jedes Offenbarungsbuch für das Bewußtsein spricht, daß Gott im Menschen wohnt; daß das Judenthum die höchste Auffaffung der Gottesidee repräsentire. Amerika. New-d»rk, 10. Nov. (Privatmitth.) Je mehr in der Jetztzeit die Juden der „Alten Welt" nach den Nationen, in deren Mitte ffe leben, sich von einander scheiden, weil das Streben, sich diesen Nationen zu amalgamiren, immer lebwie sie sich im Laufe der Zeit entwickelt und vergeistigt habe; Hafter wird, und nicht weniger weil sie die Sprachen dieser Nationen immer mehr cultiviren und die Kenntniß der hebräischen Sprache sich in der Maffe immer mehr verliert — desto einsichtlicher wird es und darf für die Zukunft des jüdischen Stammes nicht übersehen werden, daß auf dem Boden Amerikas eine Wiedervereinigung dieser verschiedenen Bruchstücke des jüdischen Stammes als möglich, ja als wahrdaß die Bibel Zeugniß für die Mission des jüdischen Volkes als Verkündiger der Gotteseinheit, die seine Hauptlehre ist, ablege; daß die neueren Entdeckungen nicht mit den Doctrinen des (reformirten) Judenthnms im Widerspruche stehen; daß die Bibel die primitiven Ideen ihres eigenen Zeitalters abspiegele, indem sie zu der Menschheit in Bildern rede; daß die mosaische Gesetzgebung ein Erziehungssystem schcinlich erscheint. Wir meinen natürlich nicht eine natio- > für das jüdische Volk darstelle und heute nur in ihren Moralnale Absonderung, wohl aber eine Ausgleichung jener Diffe-! gesetzen und nicht in ihrem ganzen Ceremoniell bindend sei; renzen. Aus allen Ländern der Welt strömen Volkselemente daß die auf Diät, Kleidung u. s. w. bezüglichen mosaischen hierher, und so auch jüdische. Irgend ein Zwang in Bezug | und rabbinischen Gesetze dem Geiste der Gegenwart fremd auf Sprache und Sitte findet nicht statt. Aber unvermeidlich; seien; daß die Verstandes- und Herzensbildung der Gegencignet sich der Ankömmling die englische Sprache in ihrem j wart eine Bürgschaft für das Herannahen des messianischen amerikanischen Dialekt als Volkssprache an, und die nächste j oder nachnächste Generation wächst in dieser Sprache auf, die ihre Muttersprache wird. Nicht minder ist es gewiß, daß die amerikanische Staatsidee sich alsbald der Ankömmlinge, die hier zu Lande dauernden Aufenthalt nehmen, bemächtigt, wenn damit auch nicht ein völliges Aufgeben und Vergessen des Vaterlandes, das sie verlassen haben, verbunden ist. Zu diesen Mitteln gesellt sich die Noth des Lebens und damit das Bedürsniß, nach Befriedigung wohlthätiger Zwecke mit vereinten Kräften zu streben. Dies sind die Mittel, um jene Ausgleichung zwischen den verschiedenen Ländern entsprossenen jüdischen Ankömmlingen zu bewirken. Wenn diese bis jetzt nicht so wirksam war, die offizielle Vereinigung der verschiedenen jüdischen Riten herbeizuführen, wenn die ursprünglich englische, die portugiesische, die aschkenasische, die polnische und jetzt auch die russische Synagoge fortbestehen, so vermischen sich doch bereits häufig die Angehörigen dieser Riten in den reformistischen Synagogen und an den Orten, wo sich eben nur aus numerischem Mangel eine Synagoge erhalten Reiches der Wahrheit, der Gerechtigkeit und des Friedens unter den Menschen sei; daß die Juden sich nicht mehr eine Nation, sondern nur als eine religiöse Genossenschaft betrachten u. s. w. Ob die Beschneidung zur Aufnahme in das Judenthum erforderlich sei, wurde einer späteren Entscheidung unterstellt und die Frage, ob der Sabbath oder der Sonntag gefeiert werden soll, ist dahin entschieden worden, daß an dem einen oder anderen dieser Tage Gottesdienst gehalten werden kann, wie es der Gemeinde beliebt." Wir haben die amerikanischen Blätter noch nicht erhalten, um den Wortlaut dieser Resolution geben und beurtheilen zu können, wissen also auch nicht, wer die dort versammelten Rabbiner gewesen. Sicherlich haben sich diese den Titel „National-Conferenz" nicht gegeben. Ueber die Genesis der Versammlung können wir folgendes mittheilen: Di-. Köhler erließ gegen Ende Oktobers folgendes Schreiben an mehrere seiner Collegen: „Nachdem ich mich mit mehreren Freunden und Collegen, unter denen ich als älteste die Herren Rev. Dr. S. Hirsch kann. Noch mehr aber wird diese Vereinigung in den wohl-! aus Philadelphia und I. M. Wise aus Cincinnati erwähnen thätigen Werken stattsinden. — Ein neuer Verein zum Schutzej will, berathen habe und crmuthigende Antworten von ihnen der jüdischen Einwanderer hat sich gebildet. Der Vorstand erhalten, nehme ich mir hierdurch die Freiheit, alle jene derselben setzt sich aus amerikanischen, französischen, deutschen,j amerikanischen Rabbiner einzuladen, welche Reform und Fortpolnischen, südamerikanischen und ungarischen Israeliten zu- > schritt fördern und vereintes Vorgehen in allen Angelegensammen. Gerade hierdurch giebt der Verein die Bürgschaft, i heitcn betreffs der Wohlfahrt des amerikanischen Judenthums daß er sich von der liberalsten Gesinnung in der Behandlung neuer Ankömmlinge leiten lassen werde, was bis jetzt von den rein englischen Vereinen nicht gesagt werden kann. Bonn, 2. Dezember. Die öffentlichen Blätter bringen begünstigen, am 16. und 17. November im Temple Rodeph Shalom (Rev. Dr. Mayer) in Pittsburg zu einer Conferenz zusammenzukommen, um den gegenwärtigen Stand des amerikanischen Judenthums, seine schwebenden Fragen und seine folgende Nachricht: „Eine National-Conferenz amerikanischer I Bedürfnisse zu besprechen und um sich über die in der Jetzt-

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