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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-12-08 · Heft 50 (8.12.1885) · p. Seite 806

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 50 (8.12.1885)
Date
1885-12-08
Page
Seite 806 (sequence 14)
Language
German
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80« bewohnen." Weiterhin: „Hier zeichnet sich keiner von deiner Nation aus, man kann sie nicht von Christen unterscheiden, sie haben auch die nehmliche Rechte, können hanthieren, was sie wollen, kurz, sie sind, wie wir; ich habe noch keinen einzigen gesehen, den ich vor einen Juden angesehen hatte; in diesem Betracht wäre es herrlich hier für dich, man darf hier nur etliche 100 livres zahlen, so darf man hier treiben, was man nur will und kann, alle Gewerbe zusammen auf einmal." Daß ihm kein Jude in Paris auffiel, ist sehr erklärlich. Damals hatten die Juden erst 6 Jahre das gesetzliche Recht der Freizügigkeit, so daß die Anzahl derselben in Baris noch nicht groß sein konnte. Andererseits zeichnet sich die Physiognomie der Juden namentlich von den Südfranzosen nicht sehr ab. — Ter dritte Brief rührt aus dem Anfänge des Jahres 1799 her. Schick entschuldigt sein Stillschweigen mit der Kälte in seinem Zimmer, da er den ganzen Winter nickt eingehcizt. Jetzt wohnt er bei einem deutschen Kaufmann, wo er es vorn hat. Er fahrt fort: „biß daher könnt' ich nur an ihn denken, und das that ich aber auch treulich, absonderlich in Herzensangelegenheiten da wünscht' ich mir osit, das Benedictle als Schiedsrichter über mir zu haben; auch dacht' ich an ihn, wenn ich im 2»lussnm die göttlichen Gemälde sah, ich hörte ihn, in Gedanken über die Gemälde und besonders über die Verklärung Christi von Raphael sagen, daß er in sein liben nix schöners gesehen hätte. Auch dacht' ich und denke noch allemal an mein liebes Benedictle, wenn ich ein schönes Buch lese, wo es mir allemal wehe thut. wenn niemand das schöne darinnen so mit mir fühlen will, als es mein mit mir gleichfühlendes Benedictle that, und so ist es durch alles, ich vermisie in allem mein redlich meinendes Benedictle. Wie geht es denn dir wirklich, mein lieber Freund? bist du gesund, arbeitest du fleißig, und (noch eine wichtige Frage) bist du zufriedener, wirst du noch ein Weilchen in Stuttgardt bleiben, oder hast du Lpecnlationen vor? Wie stehst du wirklich mit deinen Aeltern und überhaupt mit deiner Famillie? Dieß sind meine Fragen, die ich an dich mache." — Am 25. Juni desselben Jahres schreibt er an Benedict aus Paris: „Wärst du hier, O so hätt' ich viel, sehr viel mit dir zu reden, aber wie viel läßt sich auf ein Blatt hinschreiben, nicht mehr als man! in ein paar Minuten nur mit einander mündlich reden kann. Ich liebe dich so sehr, und denke so offt an dich, und doch komme ich so ungern dazu, dir zu schreiben. Ich würde es auch vielleicht nicht thun, wen es mir nicht so sehr am Herzen läge, einen Brief von dir zu bekommen. Ich bin sehr begierig, wie du lebst, ob du wirklich zufriedener bist, ob du noch mahlst, oder ob du dich wieder bei Lieferanten hast engagiren lasten, und (eine Haupt-Sache für mich) ob du auch noch an unsere zusammenverlebte Zeiten denkst, an die ich offt nicht ohne Wehmuth denke. Wenn ich mir nur aus eine Art vorstellen könnte, wie es möglich zu machen wäre, daß wir uns wieder sähen." Benedict muß wirklich eine nicht geringe Fertigkeit im Miniaturmalen erlangt haben. Denn Schick fordert ihn auf, nach Paris zu kommen und die Miniaturmalerei zu treiben, da die Miniaturmaler in Paris mit Ausnahme von zweien schlecht arbeiteten, so daß Benedict gute Erfolge haben würde. Er fragt ihn sogar um die Art und Weise dieser Malerei, weil er sich selbst darin versuchen wolle und nicht wiste, wie die Farbe am Elfenbein hafte. Im 5. Briefe vom 2. Juli 1799 schreibt er ihm: „Sei versichert, daß nicht ein halber Tag vergeht, ohne daß ich an dich denke; ich hänge mehr an dir, als ich wirklich selbst geglaubt hätte und ich wäre glücklich, wenn ich dich nur in jedem Monat nur eine Viertelstunde bei mir haben könnte. Meine Liebe wird gewiß nie durch die Entfernung geschwächt werden, war doch das Leben mit dir zu schön." — Wie wir schon bemerkt, verließ Schick Paris im April 1802, hielt sich 6 Monate in Stuttgart auf und ging dann nach Rom. Daß er auch hier die innigste Freundschaft für Benedict bewahrte, bekundet der sechste Brief, der letzte, der erhalten geblieben, datirt aus Rom vom 22. Okt. 1802. Neben abermaligen Freundschaftsversicherungen giebt der bereits gereifte Maler eine recht interessante Schilderung von Rom und den Römern. So begeistert er von den Kunstschätzen, den architektonischen und landschaftlichen Schönheiten Roms ist, so schmerzlich fühlt er sich von der grenzenlosen Armuth, Trägheit und Sittenlosigkeit des römischen Volkes berührt, welches von seiner Regierung in seiner geistigen Verkommenheit erhalten wird. Einen Fasttag zu verletzen, wird für eine größere Schande gehalten, als das schamloseste Verbrechen. Hier brechen die Briefe ab; doch glauben wir, daß sie genügen, um uns ein recht erfreuliches Bild von der Freundschaft dieser beiden Männer zu geben, die doch nach kurzem gemeinsamen Streben fo verschiedene Lebenswege verfolgten, und somit bekunden, daß Benedict auch als Geschäftsmann seiner Liebe für die Kunst und seinem hochachtbaren Charakter treu geblieben. vermischtes. Eugene Manuel. Herr Lector Feller in Berlin hält öffentliche Borträge über Gegenstände der französischen Literatur. Sein jüngster Vortrag war über Eugene Manuel, den lebenden französischen Dichter, Israelit. Die „Vost. Ztg." berichtet darüber: Am 13. Juli 1823 als Sohn eines israelitischen Arztes geboren, durchlief Manuel eine glänzende Laufbahn. Er lehrte nach einander in Dijon, in Grenoble, in Tours und dann in Paris; seit 1878 ist er General-Jnspector des

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