Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 50 (8.12.1885)
- Date
- 1885-12-08
- Page
- Seite 801 (sequence 9)
- Language
- German
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Man erinnere sich, wie Stöcker in London ausgenommen nt Nichts hinter der großen Mehrheit der Elsaß-Lothringer worden, ganz anders in Leipzig. Er hielt am 18. d. einen' zurückstehen, wenn es die Erfüllung ihrer Bürgerpflichten und Vortrag in einem der größten Säle unserer Stadt und zwar! die Verehrung für den Kaiser gilt. Das Wohlwollen Ew. über die innere Mission. Der Saal war bis auf den letzten Hoheit läßt uns hoffen auf die Fortsetzung der guten Be- Platz gefüllt, namentlich von Studenten. Stöcker wurde bei Ziehungen, welche zwischen Ihrem erlauchten Vorgänger und seinem Eintritt mit Jubel und während und nach seiner Rede > uns stattgefunden. Der Fürst nahm das Consistorium in mit Beifall überschüttet. Es scheint uns dies doch für den; sehr freundlicher Weise auf und versicherte, daß die Rechtssittlichen Charakter unserer Zeit bezeichnend, nach dem was! gleichheit aufs Strengste beobachtet und die bisherigen Vervorangegangen.! hältniffe nicht die geringste Veränderung erleiden würden. — Frankfurt a. M., 27. November. Die „Franks. Ztg." j Im December soll das neue Asyl eingeweiht werden, welches schreibt: Gestern erfolgte hier die Ausweisung eines jungen : die Israeliten mit wahrhaft menschenfreundlicher Freigebigkeit russischen Israeliten. Derselbe hielt sich seit längerer Zeit erbaut haben. Durch eine Lotterie wurden für diesen Zweck hier auf, um ein Handwerk zu erlernen. Noch am Abend wurde der allgemein beliebte 16 jährige Jüngling durch den Verein zur Beschränkung des Wanderbettels und wohlthätige Privatleute in den Stand gesetzt, Frankfurt zu verlaffen und M. 100,000 eingebracht. Coslin, 22. November. (N. Stett. Ztg.) Hofprcdigcr Stöcker bereist zur Zeit die Städte Hinterpommerns „zum Zwecke der Stadtmission in Berlin." In Belgrad und Colnach England zu reisen, von wo er eventuell weiter befördert! berg hat derselbe bereits von der Kanzel herab feine Vorträge werden wird. j gehalten. In Lauenburg wurde ihm (wie schon kurz von Bielefeld, 25. November. Einen förmlichen Wideruns gemeldet) zu diesem Zwecke die Kirche verweigert und ruf seiner antisemitischen Aeußerung, über die wir! ein öffentliches Lokal war gleichfalls nicht zu gewinnen. Dain vor. Nummer berichteten, veröffentlicht Pastor v. Bodelher sah sich der Herr Hofprediger genöthigt, seinen Vortrag schwingh in der „Neuen Wests. Bolkszeitung". Der Pastor iu einem der Stadt Lauenburg benachbarten Dorfe zu halten, v. Bodelschwingh führt aus, daß er seine Unterschrift zu dem! Seit einigen Tagen trat hier nun in ziemlich bestimmter bekannten Circular nur in großem Gedränge gegeben habe. > Form das Gerücht auf, daß Herr Stöcker auch unsere Stadt Als schon 40 Exemplare des Cireulars versandt worden mit seinem Besuche beehren werde. Anfänglich schenkte man waren, habe er seinen Fehler entdeckt und die betreffende! diesem Gerüchte wenig Glauben. Wie sich jetzt herausstelir, Stelle, worin den Juden der Vorwurf gemacht wird, Arbeiterwohnungen durch Speculation auszubeuten, unterdrückt. Dieselbe paßte, so erklärt Pastor v. Bodelschwingh, ..um so weniger, da, so viel mir bekannt, auch eine Anzahl Juden sich mit freigebiger Hand an diesem wohlthätigen Unternehmen betheiligt haben und dies gewiß auch ferner noch thun werden. Bon meinem Standpunkte aus kanu ich es nicht für billig achten, wenn eine solche Anklage in ihrer Allgemeinheit öffentlich ausgesprochen wird. Es muß ja bekannt werden, daß es leider auch Christen genug giebt, die sich gleicher Ausnutzung der Armuth zu schulden kommen lassen." Bielefeld, 27. November. Am 9. December kommt der kürzlich bereits erwähnte Proceß Stöcker gegen den verantwortlichen Redacteur der „Mindener Ztg.", worin behauptet! Trsfort über die Matrikelführung der israelitischen Gemeinden worden war, Stöckels Mutter fei in ihrer Noth durch die auf allzu viele Protestationeu traf und ihre Ausführung gar Wohlthätigkeit eines Israeliten erhalten, vor der hiesigen! nicht versucht worden, hat derselbe unter dem 13. November sind Herrn Stöcker die hiesigen Kirchen verweigert worden, trotzdem von einer hochgestellten Persönlichkeit die Erlaubnis;, in der Schloßkirche predigen zu dürfen, zu erwirken versucht worden ist. Wie man heute durch eine Annonce, erlassen von dem hiesigen Verein für innere Mission, im amtlichen Krcisblatte des Fürstcnthumer Kreises erfährt, wird Herr Stöcker den beabsichtigten Vortrag am nächsten Donnerstag im Saale des Herrn Lüdtke, hier, halten. (Doch muß man hierzu bemerken, daß Stöcker jetzt nicht in Sachen des Antisemitismus, sondern der „innern Mission" reist.) O esterreich-Ungar n. Nachdem die frühere Verordnung des Cultusminisiers Strafkammer zur Verhandlung. Vertheidiger des Angeklagten ist der Justizrath Windthorst aus Hamm. Straßburg, 27. November. Das hiesige israelitische Consistorium wurde am 12. d. von dem neuen Statthalter, dem Fürsten Hohenlohe, empfangen. Der Großrabbiner sagte: „Ich habe die Ehre, Ew. Hoheit die Mitglieder des israelitischen Consistoriums von Unterelsaff vorzustellen uud erlaube mir, die Versicherung zu geben, daß meine Glaubensgenoffen mit königlicher Ermächtigung über denselben Gegenstand ein Statut veröffentlicht, das rechtsgültig sei. Das Statut ist sehr ausführlich und wir können hier nur die bedeutsamsten Bestimmungen anführen. § 1. Behufs Ermöglichung einer richtigen Führung und Controlirung der israelitischen Matrikeln werden israelitische Matrikelbezirke errichtet, deren Sprengel dem beigelegten Ausweise gemäß festgestelli werden.