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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-12-08 · Heft 50 (8.12.1885) · p. Seite 798

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 50 (8.12.1885)
Date
1885-12-08
Page
Seite 798 (sequence 6)
Language
German
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798 und die Heerden tränken." Die „biblische Wissenschaft" siebt! gesetzten „Giboniten" gleichbedeutend hält — find die Essener „in unseren Theologenkreisen" nicht so tief, wie der Verfasser! hcrvorgegangen und haben ihre Glaubens- und Lebensan- (Borwort) annimmt, dessen Zurückweisung der leitende Artikel > schauungen an dem Gedankenkreis der Frommen entwickelt. dieser Zeitung (Nr. 48) mit ebenso viel Recht wie Nachdruck übernommen hat. Allein sehen wir davon ab, so haftet an dem in Rede stehenden Buche so viel Verdienstliches und neben dem bereits Bezeichneten so Vieles, was in der Reihe streng wissenschaftlicher Arbeiten seinen Platz findet, daß auch Fachkreise mit großem Interesse dabei verweilen und Anregung daraus schöpfen werden. Im Vordergründe stehen für uns die Untersuchungen über die „Männer der großen Synagoge" (Kneßeth Hagdolah) und über die „Essener". In ersterer Hinsicht erklärt der Verfasser: „Die mit denen sie bereits im 10 Jahrhundert in Verbindung getreten waren. — Interessant und anregend, wie dies Buch des Herrn vr. R. ist, wird es dem Gelehrten oft kühne, aber immer werthvolle Hypothesen entgegcntragcn; das große Publikum wird daran eine gefällige, spannende Lectüre finden und sich dadurch über das bewundernswerthe Gedanken- und Geistesleben einer der merkwürdigsten Perioden der jüdischen Geschichte belehren. Vr. Tobias Cohn, Rabbiner.! Nachschrift der Redaktion. Wir schließen uns allem dem an, was unser geschätzter Mitarbeiter über die Schrift svnagoga magna hat überhaupt nie existirt; sie ist eine bloße Fiction, des Herrn vr. Roscnzweig Lobendes ausspricht und erkennen entstanden in einer unkritischen Zeit." Das will scheinen,i dies auch unsrerseits als richtig an. Dennoch fühlen wir uns als ob in den zahlreichen Untersuchungen, welche über diese Materie seit fast einem halben Jahrhundert angestellt worden sind. Zweifel an der Existenz der „großen Synagoge" sich bemerkbar machen, und daß Herr vr. R. dieselben nur mit großem Aufwand von Gelehrsamkeit und ohne Scheu weiter zu Tage gefördert habe. Daß jedoch mit dem von ihm gefällten Urtheile über die „Kncßath, Hagdolah" so sicher und imponirend auch seine Beweisführung erscheint, in der gelehrten Welt das letzte Wort gesprochen sei, erwarten wir der objektiven Beurtheilung wegen zu folgender Bemerkung bewogen. So anziehend und geistvoll auch die Schilderungen sind, welche der Verfasser aus dem babylonischen Exil und dem Jahrhundert nach demselben entwirft, und wie viel Sachkenntniß und Scharfsinn er in den Anmerkungen bekundet, so können wir doch seine Arbeit nicht als ein wirkliches Geschichtswcrk ansehen. Hierzu veranlaßt uns besonders der Umstand, daß Herr Rosenzweig die Abfassung nicht weniger Theile der hl. Schrift nach noch recht hypothetischen Ansichten kaum. Es ist nach unserm Gefühl ein zu kräftiger Markstein in die gedachte Zeit versetzt, dies als historisch begründet für diese Institution, sei sie eine ständige oder eventuelle, in betrachtet und nun den Inhalt und die Geistesrichtung dieser dem Berichte Aboth I, 1 aufgerichtet, als daß dieser umge- Schriften in die Schilderung jener Zeiten einfügt, und die stürzt werden könnte. Allerdings werden, wie Herr vr. R. letzteren aus und nach jenen charakterifirt. Hierdurch kann bemerkt, auch im Talmud (Nasir 56b) die „Männer der das geschichtliche Bild nur subjektiv gestaltet und zum Thcil Kneßeth Hagdolah" nicht errwähnt und kein Anstoß daran verdunkelt werden. Die jetzige Geschichtsforschungsmethode genommen, während nach Josua und Kaleb, die gleichfalls verlangt vor Allem urkundlichen Beweis für die Thatsachen unerwähnt bleiben, gefragt wird. Allein Raschis Bemerkung' und für das Verständniß der Zeit und der Gegenstände, die sie behandelt. Aber diese Urkunden müssen als zweifellos richtig und außerhalb jeder subjectiven Kritik gestellt sein, bevor sie der geschichtlichen Darstellung zu Grunde gelegt werden dürfen. Dies ist es, was der Verfasser unbeachtet gelassen. Führen wir nur ein Beispiel an. Er verlegt die Abfassung des Buches Hiob in das babylonische Exil. Die Gründe, die er dafür anführt, sind theils längst widerlegt, theils nicht schwer zu widerlegen. Demungeachtet nimmt er eine ausführliche Darlegung des Inhalts und der Gedankenrichtung des Buches Hiob in seine Schilderung des jüdischen Geisteslebens während des Exils aus, und läßt dies hiervon bestimmt werden. Noch mehr, er findet im Hiob „das leidende Israel" personificirt, um eben dem Buche eine unmittelbare Beziehung zum Exil zu geben. Hierfür ist aber durchaus zur Stelle: “ir . . . rrr~ zwi:- pmacht den Eindruck, daß schon ihm das Uebergehcn der „Kneßeth Hagdolah" aufgefallen und er es sich damit erklärte, daß die Körperschaft, wie lange auch die Dauer ihrer Existenz ausgedehnt wird, als ein „Mittelglied" zwischen den Propheten und den „Suggoth" (Gelehrtcn-Paare) anzusehen und deshalb nach dem Grundsatz: „des Mittelgliedes wird nicht Erwähnung gethan," mit demselben Recht, wie Josua und Kaleb übergangen wird. — Der Untersuchung über die „Parteien" und die „Essener" im Besonderen ist der letzte Theil des interessanten Buches gewidmet. Auch an dieser Stelle hat der Verfasser es verstanden, uns den weiten Weg seiner Forschung durch Frische der Darstellung anziehend zu machen und durch Sorgfalt der Arbeit uns mit dem Resultat der Untersuchung zu befreunden. Nach ihm sind die Essener keine irgend bestimmte Andeutung im Buche selbst zu finden, mit den „Nathinim" identisch. Aus diesem in dem Buche Ja, das in demselben behandelte Thema widerspricht den da- Esra und Nehcmia oft genannten Dienern des Heiligthums — die Herr vr. Rosenzweig nicht -mit den von Josua zurückmaligen Anschauungen gänzlich. Hiob ist der unschuldig Leidende, der härtesten Prüfung unterworfen, ohne daß in

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