Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 50 (8.12.1885)
- Date
- 1885-12-08
- Page
- Seite 797 (sequence 5)
- Language
- German
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797 Mose aufstehen (Petermann a. a. O. S. 283 f.). In dieser Zeit der göttlichen Huld werden alle Leiden und Drangsale schwinden, welche mit dem Weichen der Gottesgnade über sie gekommen (Bilmar a. a. O. S. XLYL). Aehnlich wie im Talmud (Rosch ha-schanah 11 a), wird auch in den von Kohn veröffentlichten Fragmenten der samaritanischen Peffach-Haggada (S. 9 ff.) der Erlösungsmonat Nissan als „Eröffnung der Gnade und Schluß des Weichens (derselben)", als »Ende der Bedrängniß und Beginn der Erholung", als „Eingang des Guten und Ausgang des Schlechten", als »Pforte des Segens und Schluß des Fluches" bezeichnen. Verschieden von dieser Periode des Messias ist die des Endgerichtes. Dasselbe wird erst nach Ablauf des 7. Jahrtausends eintreten. Bis dahin werden die Leiber der Ver. storbenen im Scheol, d. i. in den Gräbern, liegen, während die Seelen in der Luft der Auferstehung des Leibes harren. Das Schicksal der im Endgericht Beurtheilten wird dann ein endgiltiges, ewiges sein, der Guten im Paradies, der Bösen in der Hölle; doch werden Diejenigen, welche Gutes und Böses gethan haben, ihre Sünden erst längere oder kürzere Zeit in der Hölle zu büßen haben, ehe sie in das Paradies eingehen (Kautzsch in Herzoz's Real Encyklopädie XIH. 348). Die Frage, ob die älteren Samaritaner an einen Messias glaubten, läßt sich auf Grund der uns zu Gebote stehenden Quellen nicht entscheiden. Kirchheim (a. a. O. S. 18) hält den Messiasglauben der Samaritaner für späteren Ursprunges und betont den Umstand, daß messianische Verheißungen sich überhaupt nur in den prophetischen Schriften finden, deren Heiligkeit von den Samaritanern nicht anerkannt wurde. Wir glauben auf diesen Umstand nicht besonderes Gewicht legen zu dürfen. Der Glaube an einen Erlöser entsteht in der Regel in einer schweren Zeit der Bedrängniß, in der die Hoffnung auf eine bessere Zukunft der einzige Trost für die trüben Tage der Gegenwart ist. Dieselben Verhältnisse, die in Israel dem Entstehen des Messiasglaubens als Ursache und historischer Hintergrund dienten, dürften also auch bei den Samaritanern messianische Erwartungen hervorgerufen haben. Daß die älteren Samaritaner die Auferstehung leugneten, ist erwiesene Thatsache, aber durchaus nicht geeignet zu Folgerungen auf das Fehlen oder Vorhandensein des Messiasglaubens zu berechtigen. vr. E. Neumann. Literarischer Wochenbericht. Potsdam, im November. »Das Jahrhundert nach dem Babylonischen Exile von vr. Adolf Rosenzweig, Rabbiner der Cultusgemeinde Teplitz." (Berlin, Dümmler 1885.) Eine der auserlesensten Perioden der jüdischen Geschichte, die über dem ausgebrannten Krater alles Staats- und Geisteslebens auf dem Boden des heiligen Landes eine neue Flamme zu wecken vermochte, deren Lichtstrom im Glaubensleben der Gegenwart fortwirkt, hat nach den voraufgegangenen illustren Bearbeitungen hervorragender Forscher auch an Herrn vr. Rosenzweig in dem obenbezeichneten Buche ihren competenten Darsteller gefunden, der mit Vorarbeiten hierzu uns bereits wiederholt begegnet ist. Der Verfasser bedient sich einer Ausgiebigkeit der Sprache und Lebhaftigkeit der Darstellung, die uns in Geschichtswerken ungewöhnlich erscheint; an keiner Stelle jedoch geschieht dies auf Kosten wissenschaftlicher Gründlichkeit und Forschung, für welche ebensowohl der bedächtige Schritt auf dem Arbeitsfelde selbst, wie der mühsame Fleiß zeugt, der oft in gelehrten Noten unter dem Striche das Resultat ernster Studien niederlegt. Und fast will uns scheinen, als ob das vielbewegte Leben in dem Jahrhundert nach dem Exil — der Zug der Exulanten nach Jerusalem, deren Begeisterung beim Wiederaufbau des Tempels und munteres Treiben bei Wiederherstellung und Einweihung, das energische Walten des Esra und Nehemia und deren tief gestaltendes Wirken auf das politische und religiöse Leben des Volkes, endlich das Geisteswesen in der damaligen Zeit, das sich in bedeutsamen literarischen Erscheinungen kund gab — als ob alles das vorzugsweise ein so lebhaftes Colorit der Darstellung erforderte, wie es Herr Rosenzweig beliebte, der (Vorwort S. VIII) sich dessen „mit Vorbedacht" bediente. Man glaubt in den Schilderungen dieser Vorgänge das Hämmern der Werkleute, den Jubel der Begeisterten, das Werden der Bauten, äußere Hindernisse und innere Seelenkämpfe, die sich mit den neuen Einrichtungen verbinden, zu hören und vor sich zu sehen und fühlt sich ebenso sehr von der farbenprächtigen Zeichnung des Zeitengrundes, auf welchem das geschieht, wie von der Charakteristik angezogen, welche der Verfasser von den Hauptgestalten in seinem Buche, von Josua und Serubabel. Esra und Nehemia entwirft. Ihm „sollte es sehr lieb sein, wenn sich auch Laienkreise fänden, die meine Schrift läsen"; gern möchten wir daher durch unsere Zeilen dazu beitragen, jene Kreise auf diese Schrift aufmerksam zu machen, die etwas von dem verführerischen Reize französischer Literaturerzeugnisse an sich hat, welche durch Diction und Kühnheit der Auffassung bei aller Gelehrsamkeit doch auch dem größeren Pablikum lesenswerth und interessant erscheinen. Nur liegt es solchem mit gehobener, schwungvoller Aussprache gepaarten Empfinden nahe, mitunter über das Ziel hinauszuschießen, oder doch zu schnell an den Leistungen derer vorüberzugehen, die, wenn auch in abweichender Richtung, ihm vorgearbeitet haben und förderlich gewesen sind. Auch an dem Verfasser hat sich dieser Umstand gerächt, indem er an dem »Quell, aus dem wir entsprungen sind," vorüberging, ohne wahrzunehmen, wie »die Hirten sich sammeln, den Stein abzuwälzen von der Oeffnung des Brunnen