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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-12-08 · Heft 50 (8.12.1885) · p. Seite 796

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 50 (8.12.1885)
Date
1885-12-08
Page
Seite 796 (sequence 4)
Language
German
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796 »Propheten will ich ihnen erwecken ans der Mitte ihrer „Brüder, wie dich." „Und das Wort Taheb (bedeutet den), welcher die Völker „den Weg des Guten lehren und sie auf einen Weg brin- „gen wird, so daß sie sich bekehren in Betreff ihrer Sünden, „die ganze Welt, und werden „Umkehrende", rein von allem „Bösen." „Das Wort tä *ib bedeutet im Hebräischen den Propheten, der uns verheißen ist, über welchen er uns Kunde „gegeben hat in der Thora' im Buche des Auszugs, im 20. Ka- „pitel desselben. Und dieses Wort bedeutet den, welcher die „Welt rechtleitet auf den Weg des Guten, d. h. der Wahrheit, „so daß sie einen Weg gehen werden und sich bekehren und „umkehren von ihrer Sünde und rein werden von allem „Bösen. Und dieses Wort zrn bedeutet „der die Menschen „Bekehrende". Und Gott weiß die Wahrheit. Und was den „Ausspruch Gottes, des Erhabenen, an die Gemeinde im „Buche des Auszugs betrifft: „Fürwahr einen Propheten „will ich euch erwecken aus der Zahl eurer Brüder", so findet „sich derselbe nicht im Codex der Juden, und er wird ein „zweites Mal wiederholt im Buche der Wiederholung der „Gesetzgebung Mose's im 18. Kapitel." Dies die Antwort des Hohenpriesters. Die Verheißung Deut. 18, 15: „Einen Propheten, wie ich bin, wird der Ewige, dein Gott aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern erstehen kaffen", erklären also die Samaritaner, ebenso wie die Apostelgeschichte (3, 22 und 7, 35) und die Kirchenväter vom Messias. Die Verheißung findet fich im samaritanischen Targum außer der angeführten Stelle noch in dem an Zusätzen sehr reichen 20. Kapitel des Exodus (B. 18) mit folgenden Wotten: „Ich werde ihnen einen Propheten erstehen lasten aus seinen Brüdern, wie dich und werde ihm mein Wort in den Mund legen." Dieser Prophet (Messias) ttägt den Namen rrr, rxn, zrt? und ein Participium Irans, oder intrans. von der Wurzel zin (hebr. rr, arab. zxr) in der Bedeutung: zurückkehren, sich bekehren. Der Messias heißt nun nach der Erklärung des Hohenpriesters Taheb entweder als „Bekehrer" oder weil die Menschen durch ihn „Umkehrende" (bekehrt) werden. Nach Petermann (Reisen im Orient I, 263) trägt er diesen Namen, weil er „zu der wahren Gotteserkenntniß zurückkehrt und zurückführt", nach Kohn (Zur Sprache, Literatur und Dogmatik der Samaritaner S. 52), „weil er die Gnade Gottes wieder Israel zuwenden wird", nach Kirchheim (Karme Schomron S. 18) bedeutet Taheb den Messias als den „Wiederkehrenden", nämlich Moses. Außer dem Taheb spielt noch die „fluchbeladene Panutha" eine hervorragende Rolle in dem Messiasglauben der Samaritaner. Diese unterscheiden nämlich, an bedeutende Wendepunkte ihres religiösen und politischen Lebens anknüpfend, drei große Zeiträume. Der erste, von Erschaffung der Welt bis zum Einzug in das gelobte Land, zählt 2794 Jahre. Mit dem Einzug in Palästina, mtt dem zugleich der Garizimcultus seinen Anfang nahm, beginnt das goldene Zeitalter der Samaritaner, das in den von Vilmar herausgegebenen Annalen des Abulfatch (arab. Text S. 30) und im samaritanischen Josua (Kapitel 38) ausführlich als eine Zeit der treuen Beobachtung der religiösen Vorschriften geschildert wird, in der sich Israel des göttlichen Schutzes und Segens erfreute, so daß es von jedem Mißgeschick verschont, seinen Feinden Widerstand leisten und Trotz bieten konnte. Diese Zeit der Gnade nmrr, ti-ti, zx\x aber l.vs-.Kx dauert 260 Jahre (2794—3058), vom Einzuge in Palästina bis zum Abfalle der Israeliten vom Garizimcultus, besten Anstifter Eli war, der in Schilo einen, dem Heiligthume auf Garizim ähnlichen Tempel und Altar errichtete. Mit diesem Abfall beginnt die Periode des göttlichen Strafgerichtcs, des naüonalen Unglücks und des Unglaubens. Diese dritte Periode ttägt den Namen Panutha r.m;s. r^N^N, „Abfall" nun wird als eine Zeit gekennzeichnet, in der vie Gnade Gottes und der Abglanz seiner Majestät von Israel und dem Garizim sich abgewendet hatte, und das Himmelslicht und Himmelsfeuer, das die dargebrachten Opfer zu verzehren pflegte, gewichen war. Als Abschluß dieser „fluchbeladenen Panutha" wird das Heranbrechen der messianischen Zeit bettachtet. Sechstausend Jahre nach der Weltschöpfung, ein Zeitraum, der nach dem Kalender der Samaritaner bereits abgelaufen ist, wird der Messias (Taheb) auftreten. Eine vollständige Umwälzung wird auf der Erde stattfinden, durch welche Könige gestürzt werden und Andere an ihre Stelle tteten sollen. Nach zehn Jahren werden die Könige der Erde aus allen Völkern die Weisesten an einem Orte versammeln, um durch gegenseitige Berathung den wahren Glauben zu ermitteln. Auch von den Samaritanern wird Einer kommen (der Taheb), den sie aber nicht kennen, der selbst nicht wiffeu wird, daß er der Messias ist. Dieser Taheb wird den Sieg davontragen; er wird sie auf den Garizim führen, wo sie das Gesetz Mosis, die Tempelgeräthe und das Manna finden werden. Dann werden Alle an die Thora glauben und den Taheb als ihren König anerkennen. Dieser wird die wahre Gotteserkenntniß auf der ganzen Erde verbreiten und 110 Jahre leben, dann wird er sterben und neben dem Garizim begraben werden; da auf dem reinen heiligen Berge keine Grabstätte sein darf. Dieser Taheb ist aber nicht größer als Moses, den sie Muschi nennen, sondern nur sein Nachfolger, welcher sein Gesetz in aller Welt verbreiten wird. Darum heißt cs auch in ihrem Pentateuch 5. B. Mos. 34, 10 nicht: „Und es stand hinfort kein Prophet in Israel auf, wie Mose", sondern: „Und es wird hinfort kein Prophet wie

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