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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-12-01 · Heft 49 (1.12.1885) · p. Seite 790

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 49 (1.12.1885)
Date
1885-12-01
Page
Seite 790 (sequence 14)
Language
German
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790 wo alles so schön harmonisch ist, wirken sie um so störender und betrübender. Es ist zwar manches hier verbessert worden, der ganze Gottesdienst hat an Ruhe und Feierlichkeit, deren er dringend bedurfte, gewonnen, der Vorstand hat verschiedene sehr anerkennenswerthe Maßregeln durchgesetzt, so die, daß die ganze Gemeinde sich zu gleicher Zeit erhebt und niedersetzt; aber die Gemeinde darf nicht hierbei stehen bleiben, sie hat noch sehr vielen Mängeln abzuhelfen. So z. B hat die Gemeinde mehrere Beamte angestellt, deren Aufgabe es sein soll, über die Ruhe und Ordnung im Gottes« Hause zu wachen. Was soll man nun aber sagen, wenn diese Männer selbst den größten Anstoß in dieser Beziehung geben, wenn sie während des ganzen Gottesdienstes eine lachende, geradezu lärmende Unterhaltung führen?'. Ich stand immer in den Hinteren Reihen der großen Synagoge, aber ich konnte uninöglich in eine heilige, andächtige Stimmung kommen bei diesem fortwährenden Schwatzen. Beschämt blickte ich mich um, ob kein Christ da sei, der seine Ansicht von einer „Judenschule" bestätigt gefunden hätte. Zur Erhöhung der Andacht dient es ferner nicht, wenn man von Zeit zu Zeit den Chor in seiner exponirten Stellung im Gänsemärsche hinausziehen und nach einer Weile wieder Hereinschreiten sieht. Kann er die Zeit des Gottesdienstes über nicht auf seinem Standort verharrenl Ich weiß nicht, ob Christen den Chor bilden oder Angehörige der Gemeinde. Wenn das erstere der Fall ist, nun, so kann man von den Leuten verlangen, daß sie. wie in einer Kirche, auf ihren Plätzen verbleiben. Sind cs aber Juden, nun dann sollte schon ihr religiöses Gefühl sie bleiben heißen. In der „neuen Synagoge" sind die Gesänge von Lewandowski eingeführt. Ich muß sagen, daß sie mir, dem sie übrigens nicht neu waren, auch wieder recht eindrucksvoll erschienen. Aber es drängte sich mir während derselben doch eine Beobachtung auf, die ich bei wiederholten Versuchen nur bestätigt fand. Ich bin ein entschiedener Freund und Befürworter der Synagogenmusik, ich billige ihren Zweck, das Gemüth durch die edlen Töne, die in ihrer Schönheit überall wirken, zu erheben und die Andacht zu fördern. Aber mir scheint, auch hier müsse der richtige Mittelweg eingehalten werden. Die Musik soll hier Mittel zum Zweck, nicht aber Zweck selbst sein. Das wird sie aber bei zu vielen Produktionen. Tie Folgen zeigen sich als recht bedenkliche. Ich sah zu meinem Erstaunen, daß wenig oder gar nicht gebetet wurde. Man lauschte den Gesangesvorträgen, und wenn einer derselben vorüber war, nun — dann wartete man ruhig ab, bis bald ein neuer kam. Das kann und darf nicht in der Absicht unserer Reformen liegen, das Gebet zu verdrängen. Mit unseren Reformen wollen wir ja dasselbe heben und beleben und das richtige Berständniß und die wahre Andacht für dasselbe erwecken. Also nicht zuviel Musik:*) Möge man das Vorstehende nicht auffassen als Anklage, denn anzuklagen lag nicht in der Absicht des Schreibers, er wollte nur Hinweisen auf einige Mängel, wie sich deren im heutigen Gottesdienste immer noch genug finden. Vermischtes. Das Salamander-Reiben. In jüngster Zeit hat man über die studentische Sitte, ihren Ursprung, und den ihres Namens, womit natürlich die eigentliche Bedeutung derselben erklärt würde, geschrieben und gestritten, und neulich ist sogar ein gelehrtes Buch von Prof. Uhrig darüber erschienen. Er kommt jedoch zu einer höchst künstlichen Ableitung ans dem Persisch-Arabischen und begeht hierbei einen Jrrthu-u, weil er die Verschiedenheit dieser Idiome hinsichtlich der S-Laute nicht berücksichtigte. Ein Correspondent der „Frankfurter Zeitung" fügt nun im Feuilleton zur Beilage vom 14. Nov. Folgendes hinzu: „Es liegt gar kein Grund vor, dem Worte Salamander seinen griechischen Ursprung abzusprechen, denn das Salamandra, womit die Griechen die giftige Eidechse bezeichnen, trägt namentlich in seinem zweiten Theile das griechische Gepräge; sollte es vielleicht „Hüpf männchcn" ursprünglich bedeuten? Die Griechen bildeten ja gern die Thiernamen nach äußerlich wahrnehmbaren Eigenschaften oder Besonderheiten der Thiere, wie sie z. B. den Hasen Rauchfuß oder Haarfuß nannten. Was nun aber das „ Salamander reiben" betrisst, so ergiebt sich möglicher Weise eine einfachere als die von Herrn Prof. Uhrig ausgestellte Hypothese, wenn wir die Salamanderfabel näher betrachten, über die uns gerade Talmud und Midraschim, die sie aus der griechischen Welt übernommen haben, willkommenen Aufschluß geben. Die verschiedenen Stellen, an denen sie erwähnt wird, ergeben Folgendes. Der Salamander entsteht aus einem sieben Jahre unterhaltenen Myrthenholzbrande, und derjenige, der seinen Körper mit dem Blute dieses so; gewonnenen Wesens einreibt. über den hat das Feuer keine Gewalt. Sich mit dem Salamander einreiben, heißt also sich feuerfest machen, sich vor Ungemach schützen. Wenn die > lustigen Studenten nun Einem recht wohl wollten, Gesundheit und recht langes Leben wünschten, so brachten sie ihm einen Saft, den sie für wirkender als das Salamanderblut hielten,; den edlen Gerstensaft dar und brachten ihm dabei die Gesundheit aus, indem sie ihm einen symbolischen Salamander rieben. Wenn wir wohl noch annehmcn dürfen, daß der Hexenmeister, wenn er seinen Gläubigen mit angeblichem i *) Auch wir haben bn§ schon oft beont: Die Tynigoge darf! kein Concerrsaal erden." Die Aeracliov.

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