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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-12-01 · Heft 49 (1.12.1885) · p. Seite 789

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 49 (1.12.1885)
Date
1885-12-01
Page
Seite 789 (sequence 13)
Language
German
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stets in der Synagoge beeidigt. Redakt.). — Wie weit der antisemitische Wahnsinn gehen kann, hat jüngst der jetzt ausgelooste und wahrscheinlich nicht wieder gewählte Berliner Stadtverordnete Pickenbach gezeigt. Die „Freis. Ztg." berichtet das Curiosium in folgender Weise: Die Juden zu plündern zum Besten einer Alterspension für christliche Bürger | ist der neueste geistreiche Gedanke des berühmten antisemij tischen Stadtverordneten Pickenbach. Nach einem Bericht der j antisemitischen „Staatsbürgerzeitu ng" hat er denselben in! einer behufs seiner Wiederwahl als Stadtverordneter vom! deutschen Antisemitenbund für den 34. Kommunalwahlbezirk j nach Grätzs Salon einberufenen Versammlung entwickelt. Nachdem er die Ausweisungen der russischen Juden als einen Schritt zur Lösung der Judenfrage begrüßt hatte, erklärte er „eine Enquete darüber, wie die in Deuschland eingewanderten Juden ihr Vermögen erworben haben, und eine Kassation des Vermögens, welches nicht versteuert worden sei", für wünschenswerth. Daß es sich dabei um die Kaffation des Vermögens nur der eingewanderten Juden handle, ist nicht ersichtlich. Oder meint Herr Pickenbach, daß Einwanderer in Preußen eine besondere Steuer von dem eingebrachten Vermögen zahlen müssen? Ein weiterer Vorschlag ist, daß die Regierung eine Kommission zur Untersuchung der Lehren des Talmud niedersetzen solle. Es scheint darnach, als wenn die Herren Antisemiten an der Zuverlässigkeit des Sröcker'schen Talmudisten Dr. philadelphiae May in der Redaktion des christlich-sozialen Reichsboten zweifeln. Jedenfalls sind die gesetzgeberischen Vorschläge so interessant, daß wir bedauern,; Herrn Pickenbach nicht in den Gesetzgebungskörpern zu sehen. — Die französische ^.(.-adernie des inseriptious et belleslettres hatte als Prcisausgabe aufgestellt: die vollständige Aufzählung der hebräischen Uebersetzungen, die während des Mittelalters von griechischen, arabischen oder lateinischen Werken der Philosophie oder Wissenschaft gemacht worden find." Der Preis ist in der letzten Sitzung dem Herrn vr. Moritz Steinscheider für seine Abhandlungen über diesen Gegenstand ertheilt worden. — Zu Paris verstarb der zu Besanyon geborene bekannte Publizist Henry Arons im 43. Lebensjahre. Er war eine Zeit lang einer der Redakteure des Journal des Debats, dann Chefredakteur des Journal officiel. Ohne großes Interesse für seinen väterlichen Glauben, trat er doch energisch in der Revue politique et littdraire den Antisemiten entgegen. — — Baron Rothschild zu Paris wird die Gutachten, die in dem Proccsse Rohling contra Bloch, hinsichtlich der Erklärungen Rohling's über den Talmud (über lüO Bogen) eingefordert worden sind, in deutscher, französischer und englischer Sprache drucken und überallhin verbreiten lassen. Der Oesterrcichische Unterrichtsminister hat dem Prof. Rohling einen Urlaub auf unbestimmte Zeit ertheilt. Die Proceßkosten in Sachen Rohling rc. beliefen sich etwa auf 10,00 > Gulden. Bonn, 23. Nov. (Borträge.) Aus Essen wird uns geschrieben: Da Herr Pros. vr. Lazarus in einiger: Städten der Rheinprovin; und Westfalens aus Einladung wissenschaftlicher Vereine Vorträge halten wird, richtete Lehrer Graf von hier das Ersuchen an ihn, zu Gunsten der Unterstützungskasse für die jüdischen Lehrer-Witt wen und -Waisen einen Bortrag zu Essen zu halten. Er erfüllte dies am 17. November vor einem größeren Publikum über das Thema: „Die Sonntagsfcier. Eine Vision.". Der gcist- und gcmüthvolle Redner fesselte seine Zuhörer in außergewöhnlicher Weise. Tie Kasse bedarf der Unterstützung, weil sie sonst bei den wachsenden Ansprüchen ihre Unterstütz«ngsquoten herabsetzen muß. — Aus Prag wird uns geschrieben: „Der Verein zur Verbreitung der jüdischen Wissenschaft" (Afike Jehuda) hat den Cyklus der Borträge wieder eröffnet. Herr vr. Jacob Tauber, Bezirksrabbiner in Brüx, sprach über die „Entstehungsgeschichte der Sprüche der Väter" und wies in schlagender 'Weise nach, daß die von den Synhedralpräsidenten im ersten und zweiten Kapitel angeführten Sentenzen ihre Spitze zur 1 Befestigung der Traditionslehre gegen die an dem Buchstaben des Gesetzes hängenden antinationalen Sadduzäer und Bo8thusier richteten, deren gemeinschädliche Macht durch Hillel i und seine Schule gebrochen wurde. Der Redner wurde auf- | gefordert, diesen Bor trag zu veröffentlichen. Feuilleton. Corrrspon-enz.; muß gestehen, daß ich aufs Angenehmste von dem herrlichen Berlin 15 Nov 1335! Bau überrascht war. Auch der Gottesdienst, die ganze Hal; tung der Gemeinde während desselben, gesielen mir so gut, Gottesdienstliches.! patz ich die nächsten Sabbathe den gleichen Tempel aussuchte. 8. 8. Als ich vor Wochen zu längerem Aufenthalte Aber auch hier traf ich bei meinen wiederholten Besuchen hier eintraf, machte ich es mir am ersten Sabbathe meines die Fehler an, die leider in den meisten jüdischen Gottes- Hierseins zur Ausgabe, die neue Synagoge aufzusuchen. Ich Häusern anzutreffen sind. Bei einem so herrlichen Tempel,

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