Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 49 (1.12.1885)
- Date
- 1885-12-01
- Page
- Seite 787 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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787 wundern, wenn hier und da in den nach Stoff begierigen' nachbarten Dorfe 350 (von 850 Einwohnern) und aus Ka- Zeitungen eine Discussion darüber Platz greift. So hat lovice 200. Mehr als 10i. 0 Polen hatten Breslau verlassen jüngst „Fansulla" in vier Nummern eine solche gebracht, und , müssen. Diese Ziffern sind jedenfalls übertrieben. Die zum Schlüsse hat in sehr bemerkenswerther Weise der fran- „Times" widmet den Ausweisungen einen Leitartikel, in zösische Depntirte Bidal Naquet in einem Briese das Wort | welchem sic namentlich den Fürsten Bismarck heftig angreist. genommen. Er. der sich stets einen „Freidenker" nannte, Als der Mob in Rußland, sagt das Londoner Blatt, die spricht doch seinen Stolz auf sein Judenthum aus und ver-; Juden mißhandelte, habe die Welt einmüthig dies Verfahren theidigt cs mit großer Wärme. Ich werde Ihnen in den verurtheilt, jetzt aber gebe die „Civilisation" kein Zeichen des nächsten Tagen einen ausführlichen Bericht darüber senden. > Protestes, obgleich die Maßregeln von einer Regierung ausj gehen, welche sich ihrer Erleuchtung rühme. Oesterreich wage Eulzarien. nicht, mit dem „Schiedsrichter von Mitteleuropa" Streit an- Sophia, im November. In dem Kampfe, der zwischen »ufangen, Herr v. Giers wolle nicht einen Alliirten tadeln, Bulgarien und Serbien zum Ausbruch gekommen' ist, zeigt weil er Maßregeln durchführe, wie sie Rußland früher ersich der Patriotismus und die Opserwilligkeit der Juden griffen habe, und die öffentliche Meinung Europas halte cs in beiden Krieg führenden Lagern. Tie israelitische Gemeinde in Rustschuk rüstet 600 Husaren sammt den nöthigen Pferden aus. Die israelitische Gemeinde in Sophia bot dem Fürsten nicht der Mühe werth, den „vermuthlichen Verfolger" zu schelten. Es sei unmöglich, einen triftigen Grund für die Ausweisungen zu stnden, da nichts Authentisches veröffent- Alexander ihre Dienste an. Der Fürst nahm das Anerbieten! licht worden sei. Fürst Bismarck könne die Polen, wenn sie dankend an und versicherte, daß er stolz darauf sei, daß die Juden unter seiner Herrschaft volle Freiheit und Gleichstellung erlangt haben. Mazedonien. Komanova, 8. Nov. Zwischen Uesküb und Kapolan fand. Katholiken sind, nicht leiden und er sei ihnen noch mehr abgeneigt, wenn sie Juden sind. Die „Times" hofft, daß der Fürst, welcher wie kein Anderer seine Fehler zu entdecken verstehe, nachgeben werde, ehe es für die armen Opfer der Ausweisungen zu spät ist. London, im November. (Privatmitth.) Eine sehr bewie den „P. Bl." geschrieben wird, vorige Woche auf freiem! deutsame Richtung, die sich seit längerer Zeit in Frankreich, Felde eine Notabeln Versammlung statt, deren Theilnehmer jetzt aber auch in England entfaltet, verdient wohl unsere allen Nationalitäten des Landes angehörten und welche u. A. Aufmerksamkeit. Wir meinen das Streben nach Trennung auch folgende Beschlüsse faßten: 2. Wir wollen ein einheitliches, untheilbares Mazedonien der Kirche vom Staat. In Frankreich steht noch das von Napoleon I. mit Pius VI. abgeschlossene Concordat in Gelso weit als thunlich unter der Oberhoheit des Sultans schaffen,| tung, und auf Grund desselben besteht ein ansehnliches Culin welchem Staate jedem Bürger ohne Unterschied der Natusbudget, das natürlich feit der Gleichstellung der Cnlte tionalität und Religion gleiche politische Rechte und freie auch für die protestantische Kirche und die Synagoge bedeu- Religionsübung gewährleistet wird. tende Beiträge zu den Kosten der gottesdienstlichen Jnsti- 4. Wir perhorresziren die Auswanderung oder Vertutivnen und die Gehälter der Cultusbeamten befaßt. Aber drängung der Mohamedaner aus unserem Lande, denn sowohl auch für die jüdische Glaubensgenoffenschaft hat Napoleon I. Christen als Türken wollen hier mit einander in friedlicher eine Organisation, nämlich eine Consistorialversassung, ge- Gemeinschaft leben und wünschen nur die volle Gleichberechschaffen, die später noch eine weitere Ausbildung erfuhr. In tigung unter Christen, Mohamedaner und den übrigen Religionsgenossenschaften herzuftellen. Großbritannien. England liegen die Dinge anders. Hier haben wir noch eine Staatskirche, die anglikanische. Während sich nun der Staat um sämmtliche Dissenters gar nicht bekümmert, ist die anglikanische Kirche mit der Verfassung eng verwachsen; die London, 18. November. Der Wiener Correspondent höchsten Würdenträger dieser Kirche sind geborene Peers und der „Times" behauptet, von den Hilfscomiles in Posen, nehmen eine Bischofsbank im Oberhause ein; Cioiltrauung Thorn und Lemberg Mitthcilungen erhalten zu haben, aus besteht in England noch nicht, und in vielen einzelnen Zwcidenen hervorgehen soll, daß bereits 34,70.) Personen, meist gen des Lebens findet eine lebhafte Mitwirkung der Geistrussische Unterthanen, aus Preußen ausgewiesen worden sind, lichkeit statt In Frankreich ist es nun seit geraumer Zeit 300 Polen seien der Ausweisung zuvorgekommen und nach ein wichtiger Artikel des Programms der Radikalen, das Amerika ausgewandert. Aus dem District Jnowrazlaw seien Concordat aufzuheben, das Cultusbudget zu streichen und so 6000 Personen oder ein Zehntel der Bevölkerung ausgewiesen, die Trennung von Staat und Kirche zu vollenden. Genau aus der kleinen Stadt Veropno 62 Familien, aus einem begenommen sinv alle entschiedenen Republikaner derselben Mei - 49