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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-12-01 · Heft 49 (1.12.1885) · p. Seite 786

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 49 (1.12.1885)
Date
1885-12-01
Page
Seite 786 (sequence 10)
Language
German
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786 auf den ersten Eindruck und daß die Berichtigungen lange nicht eine so laute Stimme haben, wie die vorangegangenen Anschuldigungen. O esterreich-Nngarn. Pest, 15. November. (Privatmitth.) Das hiesige königl. Polytechnikum wurde im 1. Semester des Schuljahres 1884/85 von 620 und im 2. Semester von 541 Hörern besucht. Dastütze, in jüdischen theologischen Kreisen das größte Aufsehen erregt habe und daß es ganz außer Frage stehe, daß die Thoravorlesung einen der ältesten Bestandtheile des jüdischen Gottesdienstes bilde, daß sie beim Aus- und Einhebcn mit ganz besonderer Feierlichkeit begleitet werde, und dabei — das charakteristische Kennzeichen für einen öffentlichen Gottesdienst mindestens zehn erwachsene Personen anwesend sein müßten, sie also als eine der erhebendsten und heiligsten Handlungen gelte. Um die Heiligkeit derselben zu begreifen und zu verstehen, von waren der Confession nach 253, bezw. 209 Katholiken sei es nicht einmal erforderlich, Theologe zu sein, jedes jü! und 242, bezw. 221 Juden, dische Gemeindemitglied müsie das ganz von selbst wissen. j Im übrigen könne die Entscheidung darüber, was Gottesdienst 1 3tcittCH. sei oder nicht, nicht erst von dem Ergebniß irgend welcher Rom, 18. November. (Privatmitth.) Die römisch-kathogelehrter, theologischer Untersuchung abhängig gemacht werden, lische Kirche rühmt sich stets der Unwandelbarkeit ihrer Dogsondern darüber habe das religiöse Bewußtsein der Gemeinde men und Grundsätze. Ob diese bei all' ihrer Zähigkeit wirklich zu entscheiden. Ein dem jüdisch religiösen Leben nicht entstattsindet, ob auch diese Kirche nicht den veränderlichen Berfremdetes Gemeindewitglied würde aber in diesem Falle kaum hältnissen der Zeiten nachgeben muffe, erscheint dennoch fraglich, begreifen können, wie eine solche Frage überhaupt aufgeworfen Abgesehen davon, daß der vorige Papst Pius IX. zwei neue werden konnte. Ein Analogon zur Thoraverlesung bilde beim Dogmen, das der reinen Empsängniß der Maria und der ckiristlichen Gottesdienst die Vorlesung des Evangeliums, die Unfehlbarkeit des Papstes, dem römisch-katholischen Dogmenaber noch Niemand als aus dem Rahmen des Gottesdienstes bau eingesügt hat, so weiß Jedermann, der die Geschichte sollend — angesehen habe. Religiöse Belehrung schließe aber des Papstthums studirt, daß in verschiedenen Jahrhunderten Andacht und Erbauung keineswegs aus. \ ein sehr verschiedener Geist in der gedachten Kirche herrschte. Wir müffen es uns hier versagen, auf die mit wiffen- Dieses Schauspiel erneuert sich jetzt vor unsren Augen. Man schaftlicher Schärfe und Prägnanz noch weiter ausgeführten erinnere sich der erschreckenden Schroffheit, welche in der be- Deductionen des vr. Guttmann näher cinzugehcn: der Gekannten Eneyclika und dem Syllabus Pius IX. zum ossiciellen richtshof zog sich nach Vernehmung mehrerer noch geladener Ausdruck kam. In diesen Tagen hat nun der gegenwärtige Zeugen, die den oben angegebenen Thatbestand lediglich be-; Papst Leo XIII eine Encyclika veröffentlicht, in welcher zwar stätigten, zurück und verurtheilte die beiden jungen Heißsporne j direct kein Widerspruch gegen die Glaubenssätze Pius IX. nach kurzer Berathung, wegen vorsätzlicher Störung des öffent-! ausgesprochen wird, dennoch aber für die Praxis ganz andere lichen Gottesdienstes einer vom Staate anerkannten Religion»- Seiten angeschlagen werden. Es versteht sich, daß Leo XIII. gescllschaft — jedoch unter Berücksichtigung gewisser mildernder den Grundsatz der Gleichberechtigung der Culte nicht aner- Umstände —, zu drei Tagen Gefängniß. , kennt, aber er empfiehlt mit eindringlichen Worten den Ber- Schleswig Holstein, 15. Nov. (Privatmitth.) Wie hin-' hältniffen der Zeit und des Ortes gemäß ein friedliches sichtlich der jetzt stattfindenden Ausweisungen tendenziös gc- Verhalten zu den übrigen Glaubensgenoffenschaften. Außerlogen wird, hat man auch hier erfahren. Vor Kurzem wurden dem verurthcilt er, gestützt auf den bekannten Ausspruch des von hier zwölf junge Leute ausgewiesen, welche, bevor sie Kirchenvaters Augustin, jede durch Zwang herbeigeführte ihrer Wehrpflicht genügt, nach Amerika ausgewandert und Taufe, jeden durch Zwang vermittelten Uebcrtritt zur rö dort amerikanische Bürger geworden waren und sich als solche misch-katholiscken Kirche. Dies ist allerdings den Anschruunseit längerer Zeit hier aufgehalten haben. Kaum war in! gen Pius IX. und der von ihm inspirirten Geistlichkeit zu- Berlin die Nachricht dieser Ausweisungen angekommen, so wider. Man denkt sofort an den berüchtigten Mortarafall, hieß es in gewiffen Blättern: es wären dies Irrten, die,, wo ein fünfjähriges Kind durch die geistlichen Sbirren den auf ihre Eigenschaft als amerikanische Bürger vertrauend, Armen seiner jüdischen Eltern entriffen ward, weil ein Dienstsich durch ihr Benehmen lästig gemacht hätten. Nun gieb^ i mädchen behauptete, den Säugling heimlich getauft zu haben, es aber in Nordschleswig so gut wie keine Juden, und die Dies war nur ein Beispiel für eine ganze Reihe von Bor- Ausgewiesenen sind Deutsche oder Halbdänen und sämmtlich ' gängen unter dem vorigen Pontificat. Wie sehr es zu wünchristlichen Glaubens. An diesem Beispiele steht man so recht j schen wäre, daß diese Auslastung des Papstes von der nieklar, welcher Lügen man sich bedient, um überall die Juden i deren Geistlichkeit beachtet und befolgt werde, braucht nicht als Prügelknaben vorzuschieben. Nun weiß man allerdings, j bemerkt zu werden. — Wenn sich bis jetzt Italien vom daß die Wahrheit doch hinterdrein hinkt; man rechnet aber Antisemitismus frei gehalten, so ist es doch kaum zu ver-

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