Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 48 (24.11.1885)
- Date
- 1885-11-24
- Page
- Seite 770 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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770 zu ersuchen, auf eine der rechtlichen Stellung der verschiedenen Kirchen gegenüber den anderen Religionsgemeinden Rechnung tragende Ordnung der Kirchennachrichten hinwirken zu wollen. (Welche Eifersüchtelei!) Aus Schlesien, im November. Was die Ausweisungen betrifft, so meldet man: Der Rabbiner der Gleiwitzer jüdischen Gemeinde, Dr. Münz, sollte, weil er Ausländer ist, im April d. I. aufhören, als Cultusbeamter zu fungiren. Er hatte wiederholt dagegen petitionirt und auch ein NaturalisationSgesuch vergeblich eingereicht. Endlich ist ihm nach dem „Neuen Görlitzer Anzeiger" der Bescheid zugegangen, daß die verlangte Naturalisation nicht erfolgen könne, daß ihm aber der dauernde Aufenthalt in Gleiwitz gestattet sei, und er auch daselbst weiter als Cultusbeamter fungiren dürfe. — In Beuthen steigt die Zahl der Ausgewiesenen von Tag zu Tag und hat laut „Oberschles. Grenzztg." die Höhe von über 70 erreicht. — In Insterburg sängt es mit den Ausweisungen an; vier Personen, darunter ein seit Jahren ansässiger Kaufmann, russischer Unterthan, sind der „Jnsterburger Zeitung" zufolge betroffen. Gnesen, 12. Nov. (Eingesandt). Die „Allg. Ztg. des Judenthums" enthält in Nr. 46 vom 10. ds. M. eine Correspondenz, datirt „Gnesen im October", in welcher über scandalöse Vorgänge und Ruhestörungen in unserem GotteShause während der Vorlesungen der Thora und Haphtora, die angeblich weit über das Weichbild unserer Stadt Aussehen erregt und zu einer Anklage gegen die Ruhestörer geführt hätten, berichtet wird. Diese Mittheilung beruht ledig, lich auf Erfindung und scheint der Arttkel auswärts fabricirt, das Schreiben hier importirt und zur Post gegeben worden zu sein, um dem auf Täuschung abgesehenen Referat den Stempel der Wahrscheinlichkeit aufzudrücken. Soviel wir wiffen, soll vor Jahr und Tag in einer benachbarten kleinen GemeindeAehnliches, wie oben berichtet, vorgefallen sein; in unserer friedlichen und gesitteten Gemeinde wäre dergleichen gar nicht denkbar und ist es offenbar, daß der Einsender von ferne etwas hat läuten hören und ohne weiter zu prüfen, jene in einer fremden Gemeinde vorgekommenen Vorgänge in blindem Eifer dazu benutzt, auf unsere Gemeinde einen Makel zu werfen. — Wir bitten ganz ergebenst um gefällige Aufnahme dieser Berichtigung in die nächste Nummer der „Allgem. Ztg. d. Judenthums". Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. Oesterreich-Ungarn. Wien, 11. November. (Privatmitth.) Viele Blätter haben berichtet, daß unser Minister des Auswärtigen Kalnoky aus die Interpellation im Delegationsausschuffe über die Ausungen österreichischer Unterthanen aus Preußen geäußert habe, diese Ausweisungen hätten nur galizische Israeliten betroffen. Dies ist durchaus falsch. Vielmehr bemühte sich der Minister ziffermäßig nachzuweisen, daß die österreichischen Polen nicht in dem Maße van den Ausweisungen betroffen werden, wie die russischen Polen. Alsdann sprach er von den dreißig polnischen Arbeiterfamilien, die ausgewiesen worden und bereits Arbeit in den Bergwerken in Jaworzno erhalten hätten. Unter den Gewerbetreibenden und Besitzenden, auf welche die Ausweisungsmaßregeln angewendet worden, seien der größere Theil nicht katholische Polen, sondern galizische Israeliten mit deutschen Namen, und gerade diesen Gewerbetreibenden gegenüber sei beinahe ohne Ausnahme entweder eine bedeutende Verlängerung oder Milderung der Ausweisungsordres erwirkt worden. Man kann denjenigen nicht genug auf die Finger sehen, welche sich bestreben, die Juden als den alleinigen oder doch größeren Bestandtheil der Ausgewiesenen hinzustellen. Dian braucht diese Zeitungsschreiber nicht geradezu als Anttsemiten anzusehen, sondern daß sie nur die Absicht haben, die Beziehungen zwischen Oesterreich, Rußland und Preußen nicht verbittern zu laffen, sondern diese Staaten in gutem Vernehmen zu erhalten. Wir Wünschen Letzteres auch, nicht aber auf Kosten der Juden und der Wahrheit. Wien, 13. Nov. (Privatmitth.) Nach und nach dringen die Einzelheiten aus den Sitzungen der Delegation in die Oeffentlichkeit, und man muß die einzelnen Züge sammeln, um ein richtiges Bild zu erhalten. Als der Minister des Auswättigen über die Ausweisungen aus Preußen bemerkt hatte, daß außer 30 Arbeiterfamilien die ausgewiesenen Gewerbtreibenden meist galizische Israeliten mit deutschen Namen seien, erwiderte Dir. Czerkawski: „Wenn Se. Excellenz bemerkt hat, daß eine große Anzahl der Ausgewiesenen Israeliten mit deutschen Namen sind, so erlaube ich mir zu erwähnen, daß wir auch in diesen österreichischen Staatsbürgern und insofern sie aus Galizien stammen, unsere Landesgenoffen sehen und in dieser Beziehung keinen Unterschied machen." Die Worte des österreichischen Ministers bedürfen keines weiteren Commentars. — Die aus Bukarest ausgewiesenen vr. Gaster, vr. Schwarzfeld und deren Leidensgefährten begeben sich nach Paris. Herr Armand Levy wurde nicht ausgewiesen und befindet sich noch gegenwärttg in Bukarest. Rumänien. Wien, 12. Nov. Endlich wird Europa doch über den Hohn aufgeklärt werden, den ihm Rumänien betreffs der Berliner Congreßakte zufügt, seit so langer Zeit und immerfort. Einer der 10 jüdischen Literaten, welche die rumänische Regierung, die fich „liberal" schimpft, soeben ausgewiesen