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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-11-24 · Heft 48 (24.11.1885) · p. Seite 769

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 48 (24.11.1885)
Date
1885-11-24
Page
Seite 769 (sequence 9)
Language
German
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-69 zu können, richterlicher Prüfung zu unterbreiten. Dies wird aber Stöcker wohl unterlassen. (Stöcker hat dies auch in der „Kreuzztg." erklärt!) Berlin, 10. Nov. Die hier erscheinende „Allgemeine Fleischer-Zeitung" hat sich in kurzer Zeit auf ihrem Gebiete allgemeines Ansehen erworben. Auch wir hatten schon mehrere Male Gelegenheit ihr Artikel zu entnehmen. Ueber die Frage: „Ist das jüdische Schächten eine Thierquälerei?" die jetzt so häufig ventilirt wird, schreibt sie: „Neuerdings machen sich müßige Köpfe, die vielleicht nie einen Ochsen schlachten gesehen haben, allerhand Schmerzen über die jüdische Schlachtmethode. Uns sind die sentimentalen Phrasen, die dabei verschwendet werden, in tiefster Seele zuwider, ungefähr ebenso ist beim Kampfe gegen die Vivisektion der Aerger der Frommen über die freisinnigen Professoren die Haupttriebfeder gewesen. Man sollte doch bei solchen Dingen auch einmal fragen, wie die Schlächtermeister darüber denken. Da wird es denn gewiß weitere Kreise interessiren, daß der Engros-Schlächtermeister Karl Hoffmann in Berlin, welcher wöchentlich durchschnittlich ca. vierzig starke Rinder schlachten läßt, für Juden wie für Nichtjuden gleichmäßig die jüdische Methode des „Schächtens" zur Anwendung bringt. Herr Hossmann ist der Ansicht, daß beim Schlagen des Viehes das Blut sich mit dem Fleische vermischt, dagegen kann das geschächtete Thier sich vollständig ausbluten. Daß die Entfernung des Blutes vom sanitärischen Gesichtspunkte aus die größte Wichtigkeit hat, bedarf keiner weiteren Auseinandersetzung." — Zur Charakteristik Stöcker's gehört auch Folgendes. Der Professor und Doctor der Theologie Baumgarten verössentlicht folgende Aussorderung: „Da der Herr Hosprediger Stöcker nicht abläßt, sich seiner Wahrhaftigkeit zu rühmen, so will ich nicht anstehen, ihm eine Gelegenheit zu bieten, in welcher er die Tugend der Wahrhaftigkeit durch eine glänzende Probe bewähren kann. Herr Stöcker hat in der christlich-socialen Versammlung am 27. Mai 1881 gesagt und in seinem Buche „Christlich-Social", 1885, S. 195 wiederholt: „als Baumgarten in Rostock war, mußte er seine Professur niederlegen". Pastor Ziegler hat in der „Protest. Kirchen-Zeitung", 1885, Nr. 32, nachgewiesen, daß diese Behauptung des Herrn Stöcker eine mich schwer beleidigende Unwahrheit ist, und hat mit Berufung auf Christi Gebot den Hofprediger aufgefordert, sich über dieses mir angethane Unrecht zu verantworten. Da nun aber Herr Stöcker dieser christlichen Aussorderung keine Folge geleistet hat, so ist es an mir, ein langes Schweigen zu brechen und hiermit zu erklären: „Jener von Stöcker wiederholt veröffentlichte Satz ist eine öffentliche Fälschung einer öffentlichen, seit 27 Jahren allgemein bekannten Thatsache. Nunmehr verlange ich im Interesse der öffentlichen Moral von Stöcker: ungesäumten. öffentlichen Widerruf seiner Worte: als Baumgarten in Rostock war, mußte er seine Professur uiederlegen. Rostock, 11. Nov. 1885. M. Baumgarten, Professor und Doctor der Theologie." Frankfurt a. M, 11. Nov. (Privatmitth.) Auch vr. Stern, der bisherige Vertreter Frankfurts, im Abgeordnetenhause, hat sich nicht wieder als Candidat aufstellen lassen und so ist Ludwig Löwe in Berlin der einzige Jude, der diesmal diesem Hause angehören wird. Der heiße Wunsch der Antisemiten, daß in den deutschen Parlamenten nicht mehr Juden sitzen mögen, als nach dem numerischen Berhältniß auf sie käme, ist nunmehr als erfüllt anzusehen! Denn nach diesem kämen 4—-5 Sitze auf die Juden. Sie können also nicht mehr stöhnen und jammern, daß die Gesetzgebung „verjudet" werde! — In einer Versammlung des hiesigen demokratischen Vereins ergriff Herr Kannegießer das Wort, um über die gegenwärtige politische Lage zu sprechen. Er beleuchtet: den Antisemitismus, die Massenausweisungen, sowie die Aus lieferungsverträge, durch welche die Leitung des Reiches selbst den Reichsgedanken schwäche, und fuhr dann fort: Wir leben im Augenblick in dem Zeichen des Krebses. Es geht rückwärts in freiheitlicher wie in wirthschaftlicher Hinsicht. — Wenn in dem neuen Abgeordnetenhause die conservativen Elemente die Oberhand haben, so ist doch für die Gleich stellung nichts zu fürchten, denn diese ist Reichsgesetz. Frankfurt a. M., 11. Nov. In der neuen Schlachthof-Anlage soll das Schlachten des Viehes nach bestimmten Vorschriften geschehen, welche zwischen den staatlichen und städtischen Behörden vereinbart worden. Das jüdisch-rituelle Schlachten findet in der althergebrachten Weise statt; nur müssen Vorkehrungen getroffen werden, daß beim Ilmwerfen des Groß-Viehes keine Körperverletzungen Vorkommen, und soll das Vieh deshalb auf eine weiche Unterlage niedergelegt werden. — Die Erinnerungen an das alte Judenviertel verlieren sich aus unserer Stadt gänzlich. Abgesehen von den baulichen Veränderungen, hat die „Judenbrücke" den Namen „Einhornstraße", die „Judengasse" den Namen „Börnestraße" und der „Judenmarkt" den Namen „Börneplatz" erhalten. Bielefeld, 10. Nov. Die Wahl Stöckers in das Abgeordnetenhaus, die bekanntlich mit einer Stimme Mehrheit durchging, wird angefochten werden, da mehrere Wipper, also Auswärtige, mitgestimmt haben sollen. Wird dies erwiesen, so muß bei jener geringen Majorität das Abgeordnetenhaus die Wahl kassiren. Aus Sachsen, 10. November. In Dresden fand kürzlich eine Diöcesanversammlung der Ephorie Dresden I. stett Die Versammlung faßte in Anbetracht des Umstandes, das; in den osficiellen Kirchennachrichten im Dresdner Amtsblatt die Synagoge an der Spitze stehe, den Beschluß, den Ephorus 48

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