Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-11-24 · Heft 48 (24.11.1885) · p. Seite 763

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 48 (24.11.1885)
Date
1885-11-24
Page
Seite 763 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227555-3227604--43091-3311710
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

763 des Hauses auf Zweifel gestoßen ist? Wir haben cs hier! regeln, aber sobald der Staat auf den Rcchtsboden sich stellt, offenbar mit einem sehr frechen Versuche zu thun, eine ihrem i läßt sich nichts dagegen einweuden. Er habe von der preu- Grunde, ihrem Zwecke und ihrem Umfange nach von Anfang ßischen Regierung die Zusage erhalten, daß österreichische an ganz klare Maßregel zu verdunkeln. Die öffentliche Meinung soll verwirrt werden, damit sie nicht klare Stellung IV. Staatsbürger mildere und rücksichtsvollere Behandlung genießen. Bismarck versichert in einer Note, daß in allen An gegen die Ausweisungen nimmt, die ihren Urhebern doch gelegenheiten. welche nicht gegen das Wohl des Staates ver bedenklich zu werden scheinen. Man schlägt auf die Juden, stoßen, er den österreichischen Staatsbürgern die Behandlung um den Ausgewiesenen die Sympathien zu entziehen. Tie angedeihen lassen werde, welche den freundschaftlichen Beliberale Opposition soll eingeschüchtert werden, sich für eine Ziehungen beider Staaten entspricht. — Wir brauchen wohl Sache der Humanität zu engagiren, indem man versucht, ihr kaum bervorzuheben, daß dieses Vorgehen der Polen und unterzuschieben, daß sie für das Interesse der „polnischen ihre Aufregung, sowie die Antwort des Ministers hinlänglich Juden" kämpfen würde. Es ist ein ganz erbärmliches ofsi- * bezeugen, daß es sich bei den Ausweisungen nicht um Juden, ciöses Manöver, das sich — so muß man annehmen —! sondern um die Polen überhaupt handelt, die sich denn selbst gegen Herrn v. Puttkamer richtet. Oder sollte dieser! auch ihrer ausgewiesenen Volksgenossen durch Unterstützungen etwa seine offen abgegebenen Erklärungen bereuen?"! thatkräftig annehmen. Das Merkwürdige bleibt hierbei, daß keine Volkszählung - den übermäßigen Anwachs der jüdischen Bevölkerung in den! östlichen Provinzen erwiesen hatte, wie vr. S. Neumann den Wohsthälltzk Behauptungen Treitschke's und den Antisemiten gegenüber , ziffermäßig gezeigt hat. Was die Qualität jener russischen i Juden betrifft, so bat soeben ein unparteiischer Beobachter, Gut Ding will Weile haben, und ein Gedanke, der Prof. Möller, ein Zeugniß darüber abgelegt. Ohne jedoch ein wirkliches Bedürfniß befaßt, reift sicher zur Ausführung, uns heute auf diese Frage weiter einzulassen, wollen wir nur auch wenn er hierzu einer langen Zeit bedarf. Als wir den noch einmal hervorheben, daß die Zahl der ausgewiesenen 24. August 1837 den bekannten Aufruf zur Gründung einer Juden nur ein Viertel der Exmittirten erreicht, also drei! jüdisch theologischen Fakultät und jüdischer Lehrer-Seminarien Viertel der Masse katholische Polen sind, daß also mit Fug erließen, bestand in Preußen nur ein solches Seminar und und Recht Niemand behaupten kann, die Maßregel sei nur noch in geringem Umfange, das Institut des Prof. Hainsgegen die Juden gerichtet. Wir überlassen es der „Köln. j darf in Münster. Wir konnten damals unseren Glaubens- Ztg." und nach ihr der „Nordd. Allg. Ztg." sich wegen dieser genossen mahnend ans Herz legen: „eine Religion, die nicht tendenziösen Verleugnung der Wahrheit zu rechtfertigen. gelehrt wird, hat keine Zukunft und Unterricht ohne Lehrer Einen Beweis mehr liefern die Verhandlungen in der ist unmöglich." So einfach dies ist, so hat es doch lange österreichisch-ungarischen Delegation. Die polnischen Tele- Zeit gewährt, um die Mittel zur Verwirklichung zu findengirten nehmen es dem Minister des Aeußeren, Kalnvky, sehr Allmälig entstanden die Seminare in Berlin, Cassel, Hanübel, daß er gegen die Ausweisungen der österreichischen Polen uover und Köln (orthodox», mii> diese Anstalten sind im Wachsaus Preußen nicht mindestens einen diplomatischen Feldzug; thum begriffen, wie denn vor wenigen Wochen das Münster schc eingeleitet hat. Der Pole vr. Eusebius Czerkawski erhob Seminar endlich in ein eigenes schönes Gebäude ciugezogen den Vorwurf, die Haltung ihrer Monarchie in dieser Frage! ist. Doch haben wir auch das Eingehen eines Nassau'schen sei ein Eiugeständniß ihrer Wehr- und Rathlosigkeit und : und des Anfangs mit der Fränkel'fcheu Stiftung zu Breslau er erklärte, daß sich die Polen in Oesterreich in dieser Anverbundenen Seminars zu bemerken. Ganz erstaunlich ist gelegenheit nur auf den nationalen Standpunkt stellen können. ‘ es, daß während also die Provinzen Westphalen und Rhein- Aus der Sitzung vom 10. November wird nun berichtet: land, Hannover und Hessen je ein Seminar besitzen, sämmt- Jm Budgetausschuß der österreichischen Delegation beantliche östliche Provinzen Preußens sich mit der einen Lehrerwortcte Kalnoky die Interpellation in Betreff der Aus-> bildungs Anstalt zu Berlin begnügten, und daß so oft in Weisungen aus Preußen und betonte, daß die Ausweisungen denselben die Errichtung eines Seminars angeregt wurde, mehr russische Staatsbürger betreffen. Im Ganzen wurden dies erfolglos blieb. Erklärlich ist dies nur durch den Um- 29 Personen und 30 Familien österreichischer Staatsbürgerstand, daß sehr viele Gemeinden eingewanderte Polen, von schaft ausgewiesen. Jedem Staate steht es frei, fremden denen die allerwenigsten irgend einen Grad von Schulkennt- Unterthanen den Aufenthalt .zu gestatten oder nicht. Preußen nissen besaßen, onstelltcn, weil sie diese zu einem geringen habe aus Staatsrückfichten der inneren Politik die russischen Gehalt haben konnten, und der £ 62 des Gesetzes vom Polen und Galizier ausgewiesen; er bedauere diese Maß- 23. Juli 1847 wenig Beachtung fand. Mit der Zeit er- 48*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.