Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 47 (17.11.1885)
- Date
- 1885-11-17
- Page
- Seite 756 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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756 Brandkatastrophe verunglückten Brüder in Grodno bethätigt und zur Milderung des unbegrenzten gräßlichen Elends nach Kräften beigetragen. So hat, wie mir von da aus geschrieben wird, der Rabbiner vr. I. Hildesheimer in Berlin durch von ihm selbst und anderen ehrwürdigen jüdischen Personen veranstalteten Sammlungen unter den Glaubensgenossen in Deutschland ca. 6000 Mark nach Rußland übermittelt. Den edelgesinnten Sammlern und Spendern im Namen der Nvthleidenden den wärmsten und innigsten Dank! — Die bittere Roth „zwanzig Tausend jüdischer Seelen" ist bei der herrannahenden kälteren Jahreszeit doppelt groß und ist da' rum die Veranstaltung neuer reichlicher Sammlungen, um die Nvthleidenden vom „Hungerlode" zu erretten, dringend geboten. Moses Feinkind. Ödest», 28. Oft- Die Auswanderung der Juden nach Palästina dauert noch immer fort und fast mit jedem Dampfer nach Alexandrien reisen Colonisten nach Palästina. Das größte Cvntingent bilden, dem „ Odesski Listok" zufolge, junge Leute, die häufig einen höheren Bildungsgrad besitzen. Dieser Tage find wieder einige junge Leute, von denen zwei das Gymnasium absolvirt haben, nach Jaffa ausgewandert und wollen sich dort in den zwei Stunden von Jaffa entfernten jüdischen Colonien Rischan l'Zion und Katra niederlaste». Griechenland. Athen, 26. Oktober. Seit dem 18. September giebt es in Griechenland keine Parteien mehr, es giebt nur Griechen, die sich für die Ansprüche Griechenlands begeistern und bereit sind für ihre Begeisterung auch die größten Opfer zu bringen. Was uns besonders interesfirt, ist der Enthusiasmus, mit dem sich die Juden des Landes, die zu den ältesten Bewohnern desselben gehören und deren Colonien schon zu Perikles Zeiten bestanden haben, der nationalen Bewegung angeschlossen haben. In Larissa kam cs, wie dem „P. Bl." geschrieben wird, dieser Tage zu großartigen Ovationen für ein Bataillon jüdischer Reservisten, die mit Fahne und Musik auf ihren Ehrenposten marschirten. Unter ftenetischen Jubelrufen „Es lebe der König!" und „Es lebe das Vaterland!" zog das Bataillon durch die Stadt und die begeisterte Menge gab ihm bis zu seinem Bestimmungsorte das Geleit. Bonn, 8. Nov. (Notizen.) Im Tempel zu Hamburg fand am Bortage zum 101. Geburtstage des sel. Gotthold Salomon, geb. zu Sandersleben am 1. Nov. 1784, eine Gedächtnißfeier statt, vr. Leimdörfer hielt die Predigt über die Frage: „Wodurch hat Salomon so bedeutende Erfolge auf dem Gebiete der Kanzelberedtsamkeit errungen?" und legte dabei denselben Text zu Grunde, welchen Salomon gewählt, als er vor 67 Jahren die erste Predigt in Hamburg gehalten hatte, nämlich Richter 5, 9. Jene Frage beantwortete der Redner dahin, daß alle seine Reden das Gepräge des fühlenden Herzens, des originell schaffenden Geistes, der edelfinnigen Freimüthigkeit und der durchsichtigen Bolksthümlichkeit mit dem Endzwecke der Verherrlichung Gottes getragen habe. Die Gedenkrede, welche auf die zahlreichen Zuhörer einen tiefen Eindruck gemacht, wird im Druck erscheinen. — In Panama sind bereits über 12 jüdische Familien ansässig; sie denken daran, eine Synagoge zu errichten. — In einem Theile Südamerikas werden die Deutschen für Juden gehalten und so genannt. Aeuilteton Lorrespou-euz. Hannover, im November. Die am 28. September 1885 zu Hannover stattgefundene Versammlung des Vereins jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover. Anwesend: Landrabbiner vr. Gronemann-Hannover, Ehrenmitglied, und 32 Mitglieder des Vereins. Erste Sitzung, Montag, den 28. September. Der Vorsitzende Herr Fauerbach-Hildesheim eröffnete die Sitzung mit herzlichen Begrüßungsworten und drückte seine Freude über die zahlreiche Betheiligung aus. Rach den üblichen Formalien ertheilte er dem Herrn vr. David-Hannover das Wort zur Verlesung der von ihm entworfenen Geschäftsordnung, die nach kurzer Debatte angenommen wird. Herr Katz-Münden, dem nun das Wort zu seinem auf der Tagesordnung stehenden Vorträge ertheilt wurde, legte seinem Vortrage statt des Themas: „Ueber Mittel und Wege zur Erreichung einer Gehaltsskala", das allgemeinere zu Grunde: „Welche Mittel und Wege sind einzuschlagen, um eine materielle Besserstellung der Lehrer herbeizuführen?" Nachdem er in der Einleitung auf die Bedeutung und den idealen Charakter des Lehrerberufs hingewiesen, kommt er auf die Schwierigkeiten seiner materiellen Lage zu sprechen. Der jüdische Lehrer vollziehe meistens vier Funktionen; er ist Lehrer, Borbeter, Schochet und Prediger und dafür beziehe er durchschnittlich ein jährl. Gehalt von 900—1000 M., eine Summe, die der christliche Lehrer allein für die Lehrerfunktion erhalte. Die Verpflichtung und Befugniß der Lehrer zu predigen, sei darin begründet, daß auch das Mitglied