Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 47 (17.11.1885)
- Date
- 1885-11-17
- Page
- Seite 755 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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755 ganz demaskirt worden, so find fie im Grunde damit doch einverstanden. Es ist einfichtlich, daß durch die Veröffentlichung beider Programme die Gegensätze nur geschärft werden und das dazwischen befindliche Volk von beiden Seiten mürbe gemacht wird. Es weiß nicht, wohin es sich wenden solle, da beide Programme ihm nicht Zusagen. Daß, wenn jene Trennung von Staat und Kirche wirklich eintritt, den jüdischen Gemeinden eine bedeutende Schwierigkeit durch die eigene Beschaffung der Cultuskosten bereitet wird, ist ersichtzunehmen, ist zu erklärlich, als daß es einen langen Suchens nach den Motiven des Osservatoro bedürfte. Verurtheilt wird aufs Schärfste der Versuch des Osservatore, den Antisemitismus nach der Apeninischen Halbinsel zu verpflanzen, die bis jetzt unbefleckt davon geblieben war. Rußland. Turek, 1. Nov. (Privatmitth.) Dem Jüd. Volksbltt." lich, aber das geht doch nicht ans Leben, das ist nur eine von Zederbaum zufolge, hat die Qdeffaer jüdische Gemeinde Geldfrage. Ganz anders läge es, wenn diejenigen Herren beschlosien, die gegenwärtigen jüdischen Studirenden daselbst, würden, welche die Staatskirche und damit die Vernich-j die nach dem neuesten harten Erlaß keine Regierungs-Stipentung der Gleichberechtigung, den Ausschluß Andersgläubiger' dien mehr bekommen, ferner durch Privatwohlthätigkeit zu unteraus dem öffentlichen Leben proklamiren würden. Jndeß dazu ist doch zu wenig Aussicht, als daß man eine Besorgniß zu hegen hätte. Auch in der Menschenwelt hat Alles seine Consequenzen; aber die Rückkehr zu verlebten Zuständen ist eben deshalb nicht möglich. Rumänien. Bukarest, 2. Nov. Mit welcher Rücksichtslosigkeit die rumänische Regierung bei der Ausweisung von 9 Journalisten | aus Rumänien verfahren ist, geht unter Anderem auch daraus j hervor, daß unter den Ausgewiesenen sich z. B. ein Mann! (Herr Julius Schein) befindet, welcher, abgesehen von seiner! Thätigkeit als Mitredacteur der regierungsfreundlichen „ Bukarester freien Presse-, auch als Reporter für mehrere dem! Ministerium Bratiano günstig gesinnte Organe der Auslands-: presse thätig war. Er und sechs seiner Schicksalsgenossen sind! nach Rumänien zuständig und kennen außer Rumänien kein anderes Vaterland. Wohin sollen diese sich nun wenden? Einer von den Ausgewiesenen ist holländischer Unterthan, während ein zweiter das österreichische Staatsbürgerrecht besitzt. Bulgarien. Rustschuck, 2. Nov. Die hiesige bulgarische jüdische Gemeinde rüstet 600 Husaren nebst Pferden aus. Italien. Rom, 31. August. (Privatmitth.) Die erbärmliche Aus flucht, die sich der päpstliche „Osservatore Romano“ gestattet hat. gleich den früheren Auslassungen der russischen Blätter zu behaupten, daß die Ausweisungen aus Preußen nicht gegen Polen und Katholiken, sondern gegen die Juden gerichtet seien, hat einen lebhaften Widerspruch im „Diritto" gefunden. Die Widerlegung war an der Hand der Thatsachen nicht schwer. Daß das Organ der Curie unter den jetzigen Umständen die preußische Regierung möglichst unbehelligt lassen will und es deshalb vorzieht, sich der Katholiken nicht anstützen. Nach einer Mittheilunz des „Hamelitz" geschah auch in Kijew von der jüdischen Gemeinde ein Gleiches. Der „Woschod" brachte unlängst die Nachricht, daß der „christliche Schneidervereinzu Petersburg in einer Versammlung beschlossen hat, mit einer Anklage sich an die Stadtältesten darüber zu wenden, daß in Folge der Concurrenz jüdischer Schneider das Handwerk in Verfall gerathen sei. — Der „Hazefirah" macht die interessante Thatsache bekannt, daß der Redacteur des polnischen antisemitischen Wochenblattes „Rola", Jan Ellinsky in Warschau, ein getaufter Jude ist. — Bei den in Odessa stattgefundenen Stadtverordneten - Wahlen wurden 24 Juden, die gesetzlich zulässige Zahl, als Stadtj verordnete gewählt. — Dem jüngst erschienenen „Fahres-! bericht" der „Noworossiski (neurussischen) Universität" zu Odessa entnehme ich, daß an dieser Universität 1884—1885 I unter 470 Studirenden 176 jüdische und karäische waren. I — In Folge der Ausweisungen russischer Unterthanen aus Preußen, herrscht in Warschau große Aufregung gegen die dort domicilirenden deutschen Unterthanen. Der „Kurjer Warschawski" veröffentlicht einen an alle Kaufleute und Fabrikbesitzer gerichteten Auftuf, worin aufgefordcrt wird, man möge die angestellten Deutschen durch die ausgemiesenen russischen Unterthanen ersetzen. In Warschau wird dies befolgt. — Nach einer Meldung des „Hamelitz" har die Petersburger jüdische Gemeinde einen herben Verlust erlitten: eines ihrer eifrigsten, wackersten Mitglieder, der Vorsteher der Gemeinde und verschiedener Wohlthätigkeitsvcreine, Herr I. Korobko, ist seinen Leiden erlegen. Der Verstorbene hat allen jüdischen humanitären Bestrebungen in dieser Gemeinde seine besten Kräfte gewidmet. In ergreifender Weise widmete der Rab. vr. Drabkin diesem Philanthropen tiefempfundene Worte des Nachrufs. — Als Curiosität theilc ich mit, daß in Turek eine jüdische arme Frau im Alter von 117 Jahren, die älteste unserer Stadt, dieser Tage starb. — Unsere Glaubensgenossen in Deutschland haben auch, wie sie es gewöhnlich thun, ihre warme Theilnahme an der Erleichterung der entsetzlichen Lage unserer durch die stattgehabte 47*