Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 47 (17.11.1885)
- Date
- 1885-11-17
- Page
- Seite 752 (sequence 8)
- Language
- German
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752 da dieselben nach dem Ohre wiedergegeben sind. Die Trans-, neuerten Verbote des Khalifen Omar, zufolge dessen sich die scriptton der dem hebräischen Alphabete fehlenden arabischen Juden und Christen der arabischen Schrift nicht bedienen Zeichen ist noch'sehr primitiv und von der später auf ge. durften. Dieses Verbot war noch im 17. Jahrhundert in lehrtem Wege eingeführten Umschreibung vielfach abweichend. Kraft, wie sich aus dem Briefe Jacob Roman's aus Kon- Dcr Gebrauch hebräischer Lettern steht aber in diesem Falle stantinopel an Johgnn Buxtorf in Basel (s. Revue des wohl in historischem Zusammenhänge mit dem zeitweise eretuäes juives Nr. 15. S. 93) ergiebt. vr. Kayserling. ^QAXxAAXCpXXGsC Deutschland. 1 Berlin, 2. Nov. (Privatmitth.) Wenn der Anttsemi-! tismus irgend eine Menschenklaffe hart und für sie selbst! überraschend getroffen hat, so find dies die gelausten Juden.! Hat dies doch selbst der strenggläubige Pastor Paulus Casiel schwer zu empfinden gehabt. Die Antisemiten hassen sie fast mehr, als die Juden selbst von ihnen gehaßt werden. Was nur einen Tropfen jüdischen Blutes und sei es in der dritten Generation, in sich fließen hat, wird von ihnen verfolgt. Eine psychologische Erklärung hierfür zu finden, überlasse ich Anderen. Pflegen sich doch getaufte Juden aufs Aengstlichfie von den wirklichen Juden abzusondern, was ihnen jedoch jetzt wenig hilft. Vor einigen Tagen fand zum zweihundertjährigen Jubiläum der französischen Colonie eine Festversammlung für diese statt mit Concert, historischen Bildern und Festspiel. Die sämmtlichen Mitglieder der Colonie waren zugegen, ungefähr 2000 Seelen. Da hebt der Berichterstatter einer deutsch-freisinnigen Zeitung, nämlich der Vosfischen, stark betonend hervor: »Es waren nur christliche Arier anwesend" — d/ h. keine getauften Juden! Allerdings hat die französische Colonie keine Propaganda gemacht und ihrer Natur nach machen können. Sie konnte sich nur aus französischen Einwanderern reformirten Bekenntnisses und aus sich selbst vermehren. Dies fand aber nicht statt, denn die ursprüngliche Zahl von 5—6000 Seelen ist auf circa 2000 geschmolzen. In anderen Städten, z. B. Magdeburg, wo sie eine ansehnliche Kirche und Geistlichkeit besaß, hat sie sich bereits vor ungefähr einem halben Jahrhundert, wegen steter Abnahme der Mitglieder, aufgelöst. Wozu nun jener Berichterstatter die Abwesenheit getaufter Juden mit einer so gespreitzten Bezeichnung hervorgehoben hat, ist nicht wohl ersichtlich, wenn man nicht an die Gesinnung denkt, die der edle Ritter von der Feder mit so vielen seiner Genossen theilt. Uebrigens konnte die Versammlung der Juden doch nicht ganz entbehren: man mußte zu den hugenottischen Bildern die Musik aus Meyerbeer's Hugenotten entlehnen. — Berlin, 6. Nov. (Privatmitth.) Ludwig Löwe ist mit großer Majorität wieder gewählt worden. So weit es sich übersehen läßt, wird er im preußischen Landtage der einzige Jude sein, da Sttaßmann und Warburg ein Mandat nicht wieder annehmen wollten. Nachdem nun die Wahlen zu Ende find, wird der Anttsemittsmus wieder in die Rumpelkammer gelegt werden. Ob er, der sich als Wahlhebel so wenig bewährt hat, bei der nächsten Wahl wieder hervorgeholt werden wird, kann Niemand sagen. Antisemittsch Gesinnte werden genug in dem Hause fitzen: Stöcker, Cremer, v. Hammerstein, v. Rauchhaupt ff. Sind doch 140 Conservattve gewählt! Doch wird es wohl kaum zu mehrfachen anttsemittschen Kundgebungen kommen: die Sache hat ihren Geschmack verloren, und erreichen läßt sich dadurch nichts mehr. — Die Wahl in Bielefeld hat sich folgendermaßen gestallet: Im ersten Wahlgange erhielt Windthorst (deutschfreifinnig) 322 Sttmmen, Hofprediger Stöcker (conservativ) 320 Sttmmen; zersplittert 10 Sttmmen; also engere Wahl. In dieser erhielt Stöcker 324, Windthorst 323 Stimmen, Elmendorff 1 Stimme. Neue Sttchwahl war erforderlich. Hier verschwand der Wahlmann, der für den Nationalliberalen Elmendorff gestimmt hatte, und Stöcker war mit einer Stimme Mehrheit gewählt. — Stöcker, als Leiter der „christlich-sozialen Corr." ist, allerdings in der Person des Sitzredacteurs, des ehemaligen Portters Aschenbrenner wegen Beleidigung des Landrichters Dr. Kronecker in echt antisemitischer Weise — zu 200 Mark Geldstrafe verurtheilt worden. — — Bei den Landräthen in Westpreußen ist eine Verfügung des Ministers des Innern eingegangen, nach welcher derselbe gestattet, daß diejenigen Ausgewiesenen, für welche bisher von den russischen Behörden noch nicht der sogenannte Annahmeschein eingetroffen ist, auf ein Jahr >Contracte schließen können, resp. daß ihnen gestattet sein soll, fernerhin in Westpreußen zu verbleiben. In diesen Tagen wird diese Verfügung in den amtlichen Kreisblättern veröffentlicht werden. Hoffentlich wird eine gleiche Verfügung auch für die Provinzen Ostpreußen, Posen und Schlesien erlaffen werden. — In der Strafsache gegen den Redacteur Emil Böm-