Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 47 (17.11.1885)
- Date
- 1885-11-17
- Page
- Seite 749 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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749 den wahren Sinn einer Stelle kaum ein Zweifel bestehen, in der Facultät beauftragt, hielt deren derzeitiger Decan, Prowelche man eine dem mosaischen Gesetze feindliche Bedeutung fessor vr. Martin Philippson, in der großen Univerhineingelegt hat. Es heißt nämlich 7, 21, daß Gott die sitäts-Aula einen öffentlichen Bortrag, dem —.wir berichten Opfer der Israeliten verwerfe, und fährt er dann fort: „Denn nach der InckepenäLues bs1§s vom 24. d. — eine zahlreiche nicht redete ich zu euren Vätern und nicht gebot ich ihnen, Zuhörerschaft anwohnte. Auch hier bewährte es sich, daß in am Tage, da ich sie aus dem Lande Mizraim führte, betreffs des Ganzopfers und des Schlachtopfers, sondern dies Wort befahl ich ihnen, sprechend: auf meine Stimme höret, und ich werde euch zum Gotte sein und ihr werdet mir zum Volke sein, und wandelt in allem Wege, den ich euch gebiete, damit es euch wohlergehe." Dieser V. 23 enthält nur pentateucknsche Ausdrücke. Um so weniger dürfte man annehmen, daß der Prophet habe sagen wollen, nach dem Auszuge aus Egypten wäre gar kein Opfergesetz gegeben worden. Vielmehr meint der Prophet, daß Gott die Opfer der Israeliten verwerfe, weil sie zwar die Opfervorschristen hielten, damit aber nicht bloß Götzendienst, sondern auch die gröbsten Schandthaten verbänden. Aber nicht die Opfer habe er ihnen zur Pflicht gemacht, sondern die wahrhafte Anerkennung Gottes und den Gehorsam gegen seine Gebote; nicht die Opfer seien das Hauptgebot Gottes an Israel gewesen, sondern die Anbetung Gottes und der Wandel in dem Wege, den er ihnen geboten. Es ist dies also nichts anderes, als was schon Samuel zu Saul gesprochen. — Gehen wir nun noch auf die früheren Propheten zurück. (Schluß folgt.) Literarischer Wochenbericht. Bonn, 26. October. Es ist auch für die Juden wichtig, wenn Akte grausamer Intoleranz, die in der Vergangenheit vollzogen worden, bei paffender Gelegenheit in der Erinnerung der Gegenwart erneuert werden, auch wenn jene auf unsre Glaubensgenoffenschaft keine Beziehung hatten. Der finstere Geist jener Zeiten tritt wieder vor uns und erklärt zugleich die Behandlung, die damals unsren Vätern zu Theil ward; nicht minder wird diese Erinnerung zu einem Maßstabe für die richttge Würdigung der Gegenwart: wir sehen, wie weit diese vorgeschritten, so daß Geschehnisse wie die, deren Gedächtniß begangen wird, jetzt unmöglich wären. So zerstreuen fich die Zweifel, welche durch betrübende Erscheinungen der Gegenwart hervorgerufen werden, und die Zuversicht befestigt fich in uns, daß durch den Fortschritt der Menschheit auch fernerhin die sie drückenden Nebel beseitigt werden. Solch' ein Att gewaltthätiger Unduldsamkeit war der Widerruf des Edicts von Nantes, welcher am 18. October 1685 von Ludwig XIV. proclamirt wurde, über den also in diesen Tagen zwei Jahrhunderte vorübergegangen. Die Universität zu Brüssel wollte diesen Tag nicht vorübergehen lassen, ohne an jenes traurige Ereigniß zu erinnern. Bon allen, die verschiedenen christlichen Religionsparteien betreffenden historischen Vorgängen gerade ein Geschichtsforscher jüdischer Religion, wenn er von echtem wissenschaftlich kritischem Geiste beseelt ist, zur Darstellung und unparteiischen Beurtheilung befähigt ist. Der Redner skizzirte die Geschichte des Protestantismus inFrankreich. Er zeigte, wie sich die Lehre Calvin's von der Luther's unterschied, indem dieser die Unterwürfigkeit unter die staatlichen Autoritäten predigte, während Calvin den Widerstand gegen sie verlangte, sobald sie von den „Gesetzen Gottes" abwichen. Sobald dieser Geist der Widerspenstigkeit in den französischen Hugenotten Wurzel gefaßt, entfremdete sich ihnen das ihnen Anfangs zugeneigte, aber dem katholischen Glauben und dem Königthum ergebene Volk. Hieraus entsprangen Feindseligkeiten; die Hugenotten organisirten fich zu einer starken militärischen Macht und dieser gegenüber vereinigten sich die Katholiken zu der „katholischen Liga". Nun ergoß sich der blutige Bürgerkrieg verheerend über Frankreich, bis Heinrich IV., der zum Katholicismus übergetretene Hugenott, durch das Edict von Nantes, welches den Hugenotten die freie Religionsübung verbürgte, den Frieden herstellte. .Was^nochvon militärischem Zusammenhalt den Hugenotten^verblieben, wand ihnen Ludwig XIII. und Richelieu aus den Händen, und so waren 1660 die Hugenotten^ friedliche, , arbeitsame und^geschickte Bürger. Bei seinem Regierungsantritt bestatigte^Ludwig XIV. bedingungslos jenes Edict. j Später jedoch bemächtigte sich der, von Klerikalen und der Maintenon genährtes Geist der Unduldsamkeit seiner,' und sein autokrattscher Stolz fühlte sich verletzt, daß in seinem Reiche Jemand einem anderen Glauben anzugehören wage. Ganz wie einst Constantin gegen die Juden einschritt, that es auch der „König Sonne" gegen seine hugenottischen^ Unterthanen. ,Er erließ '^beschränkende Gesetze, schloß sie von füllen Staatsämtern aus, , machte sogar jede Profession vom katholischen Bekenntniß abhängig und hob endlich das Edict von Nantes auf. .Bald erfolgten nun die blutigsten Religionsverfolgungen; Tausende fielen z als Opfer, ein Theil der Reformirten gab nach und der Rest suchte sein Heil, in der Flucht. Sie zogen nach Holland, Brandenburg und anderen protestantischen Ländern. Wohin sie kamen, brachten sie dem Lande^große Bortheile, ^während Frankreich durch, ihren Verlust tiefgehenden Schaden erlitt. Den Frevel, schloß der Redner, unter dem Beifall seiner Zuhörer, welchen der.französische König^beging, sühnte die französische Nation 1789 durch die Verkündigung der Religionsfreiheit und der Gleichberechtigung aller Confessionen. Wir