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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-11-17 · Heft 47 (17.11.1885) · p. Seite 746

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 47 (17.11.1885)
Date
1885-11-17
Page
Seite 746 (sequence 2)
Language
German
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746 anderen Gesellschaft einen weit geringeren Anstoß erregen j 3 bis 5 Hectaren Grund, Haus sammt Stallung und Scheune, würde, als die Gruppirung der Juden, unter welcher Be-lein Paar Pferde sammt Wagen, eine Kuh, Ackerbaugeräthe schästigung immer, in den Städten.! mit 1500 Gulden; außerdem wären noch die geringen Kosten Wenn in dem Lande von 900 □ Meilen mit einer j für die Erhaltung bis zur nächsten Ernte zu berücksichtigen. relativ nicht hohen Zahl von ca. 3 Millionen Bauern nur 5 Procent Juden zerstreut untcrgebracht werden würden, so kann die große Zahl von 150,000 Juden einem Berufe zugeführt werden, der sie allmälig, gewiß nicht zum Nachtheile ihrer Standesgenossen, unter die Letzteren unmerklich verschwinden läßt. Um diesen Zweck zu erreichen, müßten vorerst landwirthschaftliche — und beim richtigen Namen genannt — Bauern» schulen errichtet werden, welche den Zweck hätten, jüdische Familien für den Bauernstand zu erziehen und dieselben ganz nach Art der Bauern arbeiten und leben zu lassen. Wir denken uns practisch durchgeführt die Sache wie nachstehend. Es wird ein Grundcomplex, der außerhalb eines Dorfes liegt und einen Theil des Großgrundbesitzes bildet, erworben, und ganz nach Art der Bauernbesitzungen eingetheilt und Es müßte somit solch eine Schule, wenn nur für 25 Bauernwirthschaften eingerichtet inclusive der Unterbringung der Oeconomen, Erbauung eines Bethauses und sonstiger Einrichtungen den Betrag von 45,000 Gulden kosten und die Erhaltung der Oeconomen rc. ca. 600 bis 800 Gulden jährlich erfordern. Eine solche Anlage wäre vorerst mit großem Erfolg thunlichst in der Nähe einer von Juden dichtbevölkerten Stadt zu empfehlen, nicht so, um aus derselben das nächstgelegene Physisch geeignete Material zu gewinnen, als der Bevölkerung ein Beispiel vorzuführen und sie dadurch für die Arbeit und die Durchführung dieser Idee empfänglich zu machen. Auf diese Weise vorgegangen, wird nicht nur durch die Schule selbst — allerdings nur allmählich — ein Erwerbstand geschaffen, sondern im Allgemeinen den Juden Galiziens der Impuls gegeben, und der Weg vorgezeichnet, damit sic sich aus der bisherigen Versunkenheit aufraffen, und dürften vollständig nach ihrer Weise eingerichtet, so daß ein jedes! viele, deren materielle Verhältniffe es gestatten, willig ihren Stück mit seinem Hause einen complett eingerichteten Bauern» besitz darstellt. Je nach den Mitteln kann eine solche Bauernschule nicht unter 20 und nicht über 50 solcher Bauernbesitzungen enthalten. Als Lehrer wird ein jüdischer Oeconom angestellt, ohnehin wenig lohnenden Schacher aufgeben, und es vor ziehen, diese neue Bahn zu betreten, die für sie eine gesicherte Zukunft eröffnet. Uekerdies werden jüdische Grundbesitzer und Pächter, sowie die sonst bessere Gesellschaft auch ihrerseits — wenn dessen Aufgabe es wäre, einen Jeden zu unterweisen, wie auch noch so spärlich — es nicht unterlassen, dieser Idee zu er seinen Acker zu bestellen, seine Wirthschaft zu führen, und! Hülfe zu kommen. seine sonstige Zeit durch Hausindustrie oder Lohnarbeit aus-; Wenn in dieser Weise der Saame für diesen edlen Zweck zufüllen hätte. gestreut wird, können die Früchte nicht ausbleiben und Jahr- Die Lehrzeit eines solchen Colonisationszöglinges müßte! zehnte werden Resultate aufweisen, die ein jedes Menschen mindestens 3 Jahre dauern und alles, was derselbe während! Herz mit wahrer Genugthuung erfüllen werden, dieser Zeit, sei es aus Grund und Boden, oder durck sonstige ' Es wurde von einem hochgestellten Mitgliedc der israe- Arbeit erwirbt, so wie der Zuwachs an Viehstücken, die er litischen Allianz angezweifelt, ob für einen solchen Zweck sich gezogen, verbleibt sein Eigenthum. überhaupt Candidaten melden werden, weil diese Idee in der Verläßt derselbe die Schule, und hat er die genügende Theorie wohl richtig, allein in der Praxis sich als unaus Befähigung, um weiter als Bauer arbeiten zu können, so ist führbar erweisen werde. dafür zu sorgen, daß ihm eine solche Bauernwirthschaft mit Wir haben mehrseits Umschau gehalten und können nur Zuhülfenahme feiner Ersparnisse eingerichtet werde, deren! die Versicherung geben, daß bei noch so großem Geldopfer Kosten er in kleinen, ihm möglichen Raten, zinsenfrei zu für diesen Zweck, dieses lauge nicht den Andrang wird bebezahlen haben wird, um so das Eigenthum erwerben zu! friedigen können. können. Die so einzurichtendc Colonie muß eine Gruppe; Als Grundsatz wird aufgestellt, daß sowohl für Anlage von mindestens 10 Wirthschasten bilden. j toer Schule, als auch für die Colonisirungen cs strenge ver- Am richtigsten wäre es, die Schule so einzurichten, da-!mieden werde, irgend einen Bauerngrund zu verwenden. mit die Anlage für dieselbe erweitert werden könnte, um so die Zöglinge, der ersten und eventuell auch der zweiten Serie, auf derselben Scholle, auf der sie ihre Arbeit begonnen, und die ihnen heimisch und lieb geworden, belassen zu können. Wir präliminiren eine solche Bauernwirthschaft für eine Bauernfamilie — je nach Qualität des Bodens — von Der christliche Bauernstand darf keinesfalls von seiner Scholle verdrängt werden, im Gcgentheile wollen wir nur unter Ausschcidung einzelner Parzellen aus dem Großgrundbesitze dazu gelangen, den Bauernstand zu vermehren, wo durch nicht nur für einen Theil unserer Glaubensgenossen ein anständiger Erwerb, sondern für unseren heimischen

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