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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-11-17 · Heft 47 (17.11.1885) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 47 (17.11.1885)
Date
1885-11-17
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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'Allgemeine Zeitung -es Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. si5 metteljc Nr. lll> rmd Oesterreich bei allen : Postämtern, au^rdemdnrch denBuch- Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Wlippson in Bonn. GXpeörtion: Leipzig, Woßpccrh 18. In redaktionellen Angelegenheiten I wende man sich an vr. Bhilrppfon in! Bonn direct, in alle» übrigen an die Berlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.> sind gleichfalls an letztere einzusenden. 49. Jahrgang. Leipzig, den 17. November 1885. Xo. 47. Inhalt. Leitende Artikel: Das galizische Werk. H. — Die Propheten und das mosaische Gesetz. II. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Breslau, Königsberg, Posen, Bielefeld, Ulm. Trier. — Oesterreich-Ungarn: Prag, Pest. — Frankreich: Paris. — Rumänien: Bukarest. — Bulgarien: Rustschuck. — Italien: Rom. — Rußland: Turek. — Griechenland: Athen. — Bonn: Notizen. — Feuilletou: Correspondenz. a'citc^c Sir fitrat'. Handwerk sei unter den galizischen Juden schon so sehr ver- Bonn, 11. November. Das galizische Werk, n. Wir haben S. 569 des lauf. Jahrg. aus dem treff-! lichen Berichte des Secretärs der Wiener Allianz die Schil-i derung der traurigen Zustände, in welchen sich die Masse unserer Glaubensgenoffen in Galizien befindet, und die auch von dem Borstande der Allianz gebilligten Vorschläge zur Hebung dieser Bevölkerung entnommen. Die letzteren bestanden in der Herstellung guter Elementarschulen, Semina« rien und Handwerkerschulen, sowie in der Verbreitung des Ackerbaues, wozu auch bereits durch praktische jüdische Landwirthe ein erheblicher Anfang gemacht werden sollte. Es stellte sich dabei heraus, daß cs dringend nothwendig sei, ohne Verzug Hand anzulegen, daß aber hierzu sehr bedeutende Mittel erforderlich sind, welche die Wiener Allianz allein zu beschaffen nicht im Stande ist. Es müssen Geldmittel auch von den anderen Vereinen und von großmüthigen Privaten geboten werden. Unterdeß wird der Gegenstand in Galizien selbst vielfach besprochen und es liegt uns eine Broschüre vor: „Juden als Ackerbauern. Ein Beitrag zur Lösung der sozialen Frage der Juden in Galizien von Moritz Lazarus. Lemberg, Selbstverlag, 1885." Der Verfasser wohnt in Lemberg und ist deshalb mit den Verhältnissen vertraut. Wie der Titel schon zeigt, findet er das Ziel in der Förderung des Ackerbaues. Wenn er meint, das breitet, daß eine weitere Concurrenz nur schädlich sein könne, daß sie kaum die Concurrenz der christlichen Handwerker zu ertragen vermöchten, so hat er dabei übersehen, daß der Vorschlag des Herrn Friedländer nicht dahin ging, die jüdischen Handwerker der Zahl nach zu vermehren, sondern sie in ihrem Handwerk beffer auszubilden, da sie, in der Regel ohne alle Schulkeuntniffe, ihr Metier im altgewohnten Schlendrian treiben und deshalb den christlichen Handwerkern nachstehen. Ueber den Ackerbau sagt er nun: „Man erhebt gegen die Juden den ungerechten Vorwurf, daß sie nur auf leichte Weise ihr Brod zu verdienen suchen, und daß sie in Folge dessen der Ackerbaubeschäftigung aus dem Wege gehen. Und nun sehen wir, daß in der Spanne Zeit, in der es den Juden in Galizien überhaupt erlaubt wurde, sich mit der Landwirthschaft zu beschäftigen, größere Complexe Grund und Boden von ihnen bewirthschaftet werden, denn wir zählen bereits ungefähr 300 Großgrundbesitzer und über 509 Pächter. Wenn also schon der Capitalist sein sonst lucratives Feld verlassen und zur Arbeit mit Erfolg gegriffen hat, so ist es gewiß eine ganz ungerechte, von vielen Seiten ausgestellte Behauptung, daß die Juden kein Material für die Landwirthschaft, respective für den Bauernstand abgeben können, denn wir sehen bei all diesen jüdischen Wirthen fast eine Mehrzahl von jüdischen Oeconomen, Scheuerwächtcrn, ja sogar Knechten, und es bedarf bloß des Impulses und des thätigen Eingreifens, um die bestehende sociale Lücke in einer Weise auszufüllen, welche weit minder gefährlich ist und bei der 47

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