Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 46 (10.11.1885)
- Date
- 1885-11-10
- Page
- Seite 741 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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741 fmiden haben. Ferner der dem deutschen Lesepublikum als! Novellist bekannte Redacteur des „ Bukarester Tageblatt", vr. Brociner, der Berichterstatter der „N. Fr. Pr.", zugleich! Redacteur der „Buk. Fr. Pr.", Jul. Schein, ein ruhiger,! jedweder Agitation abgeneigter Mann. Wie „Nomanul" bej hauptet, soll auch der Herausgeber der „Buk. F. Presse", Dr.; Hans Kraus, sammt den Eigenthüinern dieses Blattes dem-; nächst ausgewiesen werden. Würde sich diese Annahme bestätigen, so wäre es eben völlig klar, daß man in Rumänien die Berichterstatter sür fremde Zeitungen los zu werden tvünscht. Doch ist mir bis zur Stunde noch keine Kenntniß geworden, daß man bei den Ausweisungen über den Kreis der Journalisten mosaischer Religion hinausgehen will — eine Thatsache, die gerade durch ihre Beschränkung so recht von der Beschränktheit Zeugniß geben würde, unter welchen die vorerwähnten, großentheils gauz harmlose Leute betreffenden Ausweisungsmaßregeln angcordnet wurden. (Nach einer späteren Depesche des Wolff'schen Tel.-B. vom 30. Oct. ist gegen Herrn vr. Kraus ein Ausweisungsbefehl nicht ergangen. Red.) Italien. Rom, 25. Oktober. (Privatmitth.^ Es ist eigenthümlich, wie gleiches Streben und gleiche Zwecke auch gleiche Manöver, und Kunstgriffe zu Wege bringen. Sie haben in ihrem Blatte nachdrücklich und erfolgreich die Art und Weise bekämpft, mit welcher russische Beamte und Zeitungen dem Bolke weißzumachen suchten, die Ausweisungen aus Preußen hätten sich nur gegen die Juden gerichtet und diese machten die große Mehrzahl der Ausgewiesenen aus. Die Aeußerungen des preußischen Ministers des Innern im Parlament und die Thatsachen widerlegten diese Behauptungen, welche nur den Zweck hatten, das russische Volk sich gegen die Deutschen nicht aufregen zu lasten, und das Einverständnis der russischen und preußischen Regierung in dieser Maßregel zu decken. Später mußten ja doch auch die russischen Blätter eingestehen, daß es sich anders verhielt. Trotzdem wandeln die hiesigen Römlinge dieselben Wege. Der „Diritto" machte dem päpstlichen Blatte den Borwurf, bei den, die Polen und Katholiken so hart betreffenden Ausweisungen völliges Stillschweigen zu beobachten Was, antwortet der „Osservutove ronuino?“ die Ausweisungen beträfen — nur die Juden! Denn seit dem Papste die Entscheidung in der Karolinensrage von Deutschland übertragen hat, ist Preußen bei der Curie wohl gelitten, und man will kein Wort des Tadels aussprcchcu. Nun, solche Entschuldigungen und Ausreden helfen wenig. Die Polen haben cs schon öfter erfahren, daß sie bei der Curie auf Unterstützung nur rechnen können, wenn es derselben paßt und nützt. Großbritannien. Cambridge, im Oktober, vr. Schiller-Szinessy hielt hier Vorlesungen über den Sohar; am Schlüsse derselben, anknüpfend an eine Stelle über 1. Mos. 18, 23, sprach er in beredter Weise über Sir Moses Montefiore und Lord Shaftcsbury als „zwei Kinder Abrahams", ter eine auch der Abstammung, der andere dem Geiste nach, und huldigte dem Gedächtniß dieser beiden großen Philanthropen, die nach dem Wohlgefallen Gottes durch ihr ganzes Leben gestrebt und das „Ebenbild Gottes" in möglichst vollkommener Weise dargestellt haben. Bonn, 1. November. (Notizen.) Aus Zürich wird uns gemeldet, daß die israelitischen Gemeinden des Aargau N.-Endingen, Legnau, Baden, Bremgarten und Luzern in der Person des vr. Ehrmann einen Rabbiner gewählt haben. Derselbe war bisher Rabbiner der orthodoxen Fraktion in Trier. Er wird seinen Sitz in Baden haben. — Eine Versammlung in Burgdorf (Kanton Bern) hat den Beschluß gefaßt, sich wegen Verbots des Schächtens mit einer Petition an den Großen Rath in Bern zu wenden. —. Aus Wien schreibt man: Die „kais. Wiener Zeitung" vom 25. September meldet, daß Se. Excellenz, der Herr Minister für Cnltus und Unterricht dem Gymnasial-Professor zu Nikolsburg, vr. Wilhelm Jerusalem eine Lehrersielle am akademischen Gymnasium in Wien verliehen und den Gymnasialsupplenten in Hernals, Alois Kornitzer zum Lehrer am Staatsgymnasium zu Nikolsburg ernannt hat. Tie beiden genannten Herren sind Israeliten. — Feuilleton. Eorrespondeuz. Die erste Jahresversammlung des Vereins israelitischer Lehrer und Lultusbeanrten des Landrabbinats Linden. Leer, im October. Am 2. September waren die Lehrer und Cultusbeamten des Landrabbinats Emden zur Gründung eines Zweigvereins des Vereins der israelitischen Lehrer in der Provinz Hannover zufammengetreten. Hierzu veranlagte die Thatsache, daß die im nördlichen Thcile unserer Provinz wohnenden Kollegen die Consercnzen in Hannover spärlich oder gar nicht besuchten, wofür nun der neue Verein Ersatz bieten soll, genau die Tendenzen des Hauptvereins verfolgend und mit diesem Hand in Hand arbeitend.