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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-11-10 · Heft 46 (10.11.1885) · p. Seite 740

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 46 (10.11.1885)
Date
1885-11-10
Page
Seite 740 (sequence 12)
Language
German
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74! > wegen mangelhafter Prozeßführung aufgehoben, angezeigt hat. ( Bukarest, 29. Oktober. Die „Franks. Ztg." enthält über Der Lemberger „Israelit" bemerkt hierzu:? die Ausweisungen folgenden ausklärenden Bericht: „Die Re- „Hervorhebcn wollen wir nur, daß bei dieser Schluß-1 gtcrung Bratianus scheint nach berühmten Mustern Vorgehen Verhandlung jedes religiöse Motiv des an Franciska Mnich zu wollen, indem sie heute nicht weniger als zwölf Israeliten verübten Mordes ausdrücklich ausgeschlossen wurde und daß das Ausweisungsdecret zustellen ließ. Obgleich die betreffensogar die Staatsanwaltschaft, welche in der Anklage nach den Actenstücke sich einfach auf die Mittheilung beschränken, einem halbwegs vernünftigen Motiv des Mordes gesucht hat, daß der Adressat laut Beschluß des Ministerrathes und auf es unterließ, von religiösen Motiven zu sprechen, weil sie Grund des Fremdengesetzcs angewiesen sei, innerhalb 2l zur Ueberzeugung gelangte, daß solche nicht existiren. Wenn ' Stunden das Land zu verlassen, so zeigt doch schon ein trotzdem noch manche judenfeindliche Winkelblätter auf den j Blick auf die Liste der Ausgewiescnen, daß die Regierung „religiösen Mord" in Lutcza Hinweisen, so kennzeichnet dies mit dieser Maßregel eine freilich mißglückte Antwort auf die die Verlogenheit, die jenen Schmutzblättern eigen ist". bekannte Petition der Londoner Jndenschast bei Lord Salis- Ferner: „Angesichts der strengen und gewiß ganz ob-; bury zu Gunsten der rumänischen Israeliten zu geben beabjektiven Kritik, die der Kassationshof, an dem auch in der sichtigt. — Es befinden sich nämlich unter den Ausgewiesenen dritten Gerichtsverhandlung ganz unerheblich vermehrten Besämmtliche Journalisten israelitischer Confession, von welchen weismateriale geübt hat, erscheint die Einstimmigkeit dieses man voraussetzen durfte, daß sie allenfalls irgend welchen Verdiktes geradezu überraschend. Sollte vielleicht der Orts- ( Antheil an den Berichten der Auslandspresie über Judenvergeistliche von Lutcza mit seinem polnischen Talmud, der befolgungen in Rumänien haben könnten. Ich habe zwar die kanntlich nicht existirt, und der von ihm unter Eid aus diesem' Klagen, als ob die Regierung Bratianus eine neue Aera der nicht existirenden Talmud zitirten, von ihm selbst gelesenen, Judenverfolgungen zu eröffnen beabsichtige, darauf zurückgc- (sie'.) Stelle zu diesem überraschenden Resultate beigetragen führt, daß einzelne Protektionskiuder der Regierungspartei, haben?"! wie z. B. der ob seines Jndenhaffes berüchtigte Direktor der Ist es nicht auffällig, daß in der jüngsten Zeit wieder-; Papierfabrik zu Bacau, ihre hohen Verbindungen zur bruholt — man denke auch an Prag — Geistliche Falscheide talsten Bethätigung des Raffenhaffes verwerthen; ebenso habe begangen und darüber nicht zur Untersuchung gezogen ich erklärt, daß die Petition der Londoner Judenschaft bei worden? d Salisbury nur darnach angethan sei, die rumänischen Jsrae- Rumänierr. Uten der Urheberschaft an diesem Schritte und des Strebens Bukarest, 29. Oktober. (Privatmitth.) Von hier sind zu zeihen, eine Intervention des Auslandes zur Verbefferung durch ministerielles Dekret zwölf Journalisten (Israeliten), ihrer Lage herbeiführen zu wollen, doch können wich diese im darunter auch der Pariser Armand Levy, ausgewiesen worden, Jntereffe einer Klarstellung der vorhandenen Situation abweil sie der Regierung „lästig seien". Man sieht, daß das gegebenen Erklärungen nicht hindern, die heute verfügten Princip des Ausweisungsrechtes in den mittel- und osteuro- Ausweisungen als einen großen Mißgriff zu bezeichnen. Herr päischen Staaten immer mehr und immer ungescheuter seine Armand Levy. der vor drei Monaten angeblich in der Ad- Anwendung findet, und in Folge deffen wird die gegenseitige sicht hierher kam, die rumänische Judenfrage zu studiren, Verbindung und der gegenseitige Verkehr der Völker immer verfolgte in Wirklichkeit den Zweck, eine Verbindung zwischen erschwerter werden. Bis vor Kurzem sah man es als einen den Pariser Communards und der Bukarester Socialdemokratie Grundsatz des Völkerrechtes an, daß ein Staat seine Angein Glacvehandschuhen herznstellen. Dieser Mann, welcher hörigen auch in fremden Ländern zu schützen habe. Jetzt vor einigen Jahren Bukarest unter sehr unangenehmen Bcrjedoch wird die Behandlung der Ausländer für eine innere hältniffen verlassen mußte und deffen Beziehungen zur „Alliance Angelegenheit jedes Staates erklärt und kein Anderer habe Jsraelite" erst vor wenigen Tagen förmlich dementirt wurden, sich darum zu kümmern. Die sog. Freundschafts-und Handelshat das traurige Verdienst, durch sein unerwünschtes Apostoverträge verlieren hiermit jeden Werth. Nun, Rumänien hat lat für die Sache des Judenthums in Rumänien eine Aufauf diesem Wege angefangen, die Großmächte folgten. Wer regung unter den hiesigen Israeliten hervorgerufen zu haben, wundert sich überhaupt noch über Brutalitäten, die in Ruwelche der Regierung in Anbetracht der allgemeinen Situamänien geschehen, da diese so oft von Beamten ausgehen > tion Veranlassung zu den jüngsteil Ausweisungen gegeben zu und stets unbestraft bleiben. Die Regierung hat sich durch! haben scheint. Unter den hiervon Betroffenen befindet sich obige Ausweisung unbequemer Publizisten entledigt und ein Mitglied der AthenäumsGesellschaft, Dr. Gaster, ein um einigen Oppositionsblättern den Lebensnerv durchschnitten.; die Literatur und Alterthumskunde Rumäniens vielfach ver- Das ist für sie Gewinn genug, um ein Dutzend Männer i dienter junger Gelehrter, dessen Leistungen auch in den über die Grenze zu spediren. wiffenschaftlicheu Kreisen Deutschlands volle Anerkennung ge-

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