Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 46 (10.11.1885)
- Date
- 1885-11-10
- Page
- Seite 742 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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742 Die diesjährige erste Generalversammlung, zu welcher außer dem Ehrenmitgliede, Herrn Landrabbiner vr. Buchholz- Emden, dem Schulvorstandsmitgliede, Herrn Walk Emden und Herrn Nordheimer-Fürth (als Gast) 18 Mitglieder erschienen waren, sand am 2. September zu Emden statt und wurde morgens 9^ Uhr durch den Vorsitzenden Herrn Levy- Norden mit herzlichen Begrüßungsworten eröffnet, in welchen derselbe, anknüpfend an das Wort: „Schließ an ein Ganzes Dich an!" zu innigem Zusammenhalten ermahnte und als Bürgschaft für den Bestand des jungen Vereins den Spruch Aboth 4, 14 anführte und deutete. Hierauf hielt Herr vr. Buchholz eine längere, ebenso herzliche wie gehaltvolle Ansprache, in welcher er der noch nicht nach allen Seiten hin gewürdigten Stellung des israelitischen Lehrers Ausdruck gab und, auf die Gelehrtenschulen im alten Israel hinweisend, zeigte, wie die Lehrer geistig und materiell sich aneinander schließen und selbst heben müßten. Tie Versammlung gab diesen kernigen Worten durch Erheben von den Sitzen ihren Beifall zu erkennen. Es folgte die Erstattung des Jahresberichtes und die Rechnungsablage. Es folgte nunmehr der 2. Punkt der Tagesordnung: Bortrag des Herrn Levy-Norden über das Thema: „Der Unterricht in der biblischen und nachbiblischen Geschichte in den verschiedencnAbtheilungen der „ein- und zweiklassigen Schule". Derselbe währte 11/4 Stunde und war aus der Einleitung, gestützt auf die Schriftworte: -m ~r> ‘.rz -Wj nm1 schon zu ersehen, mit welcher Liebe und Begeisterung der Vortragende sich seiner Aufgabe hingegeben. Unter sich steigernder, gespanntester Aufmerksamkeit wurde der ganzen Ausführung gelauscht, und schloß Redner mit anerkennendem Beifalle der Gesellschaft. Ich darf von einer kurzen Darstellung des Vortrages hier absehcn, weil derselbe auf speciellen Wunsch des Herrn De. Buchholz und der Berfannnlung demnächst weiteren Kreisen durch den Druck zugänglich gemacht wird. Unter Vorsitz des Herrn de Vries-Weener ging man nun an die Berathung der vom Referenten ausgestellten Thesen, welche nach lebhafter Debatte, an der sich besonders die Herren Landrabbiner vr. Buchholz. Blumenthal und Roseuthal-Emden, de Bries. Israel Norden und der Unterzeichnete betheiligten, ebenso wie der auf acht Schuljahre berechnete „Lehrplan" nach geringen Aenderungen angenommen wurden.! Die Thesen lauten: 1) Der Untericht in der biblischen und nachbiblischen1 Geschichte nimmt im Religionsunterrichte der israelitischen Schule aus pädagogischen und religiösen Gründen die hervorragendste Stellung ein. 2) Der Unterricht in der biblischen und nachbiblischen Geschichte soll: a) Mittel sein zur Bildung des religiösen Sinnes und zur Veredlung des kindlichen Herzens. b) das Kind mit der Geschichte Israels bekannt machen und dadurch Liebe zu Gott, zum Juden» thum, zum Baterlande, zum Herrscherhause und zur gesummten Menschheit erwecken und fördern. 3) Der Unterricht in der biblischen und nachbiblischen Geschichte in der ein- und zweiklassigen Schule erstreckt sich auf alle Schuljahre und umfaßt in beiden Schulsystemen für die Unterstufe einen zweijährigen concentrischen Cur« sus (von der Schöpfung bis Moses Tod) und in der einklassigen Schule für die combinirte Mittel- und Oberstufe (in denen die Geschichte bis zur Gegenwart behandelt werden muß) dreijährige Curse. — Dagegen bilden in der zweiklassigen Schule die Mittelstufe (3. und 4 Schuljahr) eine besondere Abthcilung mit zweijährigem Cursus, reichend bis zum Untergang des ersten Tempels, während für die erste Classe (5. 6. 7. und 8. Schuljahr) die biblische Geschichte in .zweijährigen Cursen, die nachbiblische Geschichte aber in : einer besonderen Stunde und auch in je zwei Jahrgängen; durchzunchmen ist. 4) Was die Methodik betrifft, so hat der Lehrer die biblische Geschichte auf allen Stufen und zwar in der 1 Unterstufe in einer dem Faffungsvermögen der Kinder angepaßten und auf der Mittel und Oberstufe in einer dem : Bibelworte sich anschließenden Ausdrucksweise vorzuerzählen. , Nach dem Vererzählen folgt auf der Unterstufe die nochma- | tige Vorführung der einzelnen Abschnitte und auf allen; Stufen durch Abfragen Wiederholen des Inhaltes und Ent-! Wickelung der ethischen Lehren und religiösen Wahrheiten, j welche möglichst in einen Bibel- oder Talmudspruch zu kleiden! sind und hierauf Wiedererzählen seitens der Kinder. Die Behandlung der nachbiblischen Geschichte erfolgt nach den beim allgemeinen Geschichtsunterricht geltenden pädagogischen Regeln in abgerundeten Einzelbildern, in welchen die Handlung, die; kulturhistorischen Zustände und die ethisch-religiösen Züge vertreten sein müssen. 1 5) Für den biblischen und nachbiblischen Geschichtsunterricht ist den Kindern der Mittel- und Oberstufe ein Leitfaden in die Hand zu geben. i 6) Tie Herausgabe eine» Lehrbuches zur biblischen Ge- ' schichte, für den Handgebrauch des Lehrers bestimmt, ist ein dringendes Bedürsniß Die Thesenberathung wurde durch eine anderthalbstündige Pause unterbrochen. Nach dieser wurden die Thesen weiter berathen und es kam nun der dritte Punkt der Tagesordnung an die Reihe: Anträge. Unter diesen ist nur der Antrag des Herrn Meyer Leer zu erwähnen, bei der königl. Regierung nachzusuchen, die israelitischen Lehrer der Provinz; Hannover betreffs der Dicnstalterszulage den christlichen i Lehrern gleichzustellen, welcher, nachdem Herr vr. Buchholz sich noch über die einschlägigen Bestimmungen und diesbe-