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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-11-10 · Heft 46 (10.11.1885) · p. Seite 735

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 46 (10.11.1885)
Date
1885-11-10
Page
Seite 735 (sequence 7)
Language
German
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735 besagten Etablissements angestellten Rassen ein verschwindend; ist, daß sie nach alter Gewohnheit den Staat für sich sorgen geringer ist. Bleibt dem Russen noch der Ausweg, at§ ■ Alles von der Regierung erwartet, und daher blutarm Lehrer oder kleiner Beamter ein Unterkommen zu finden, so , ist an persönlicher Initiative. Es wäre für sie selbst ein ist dem Juden auch dieses versagt. In Behörden und all-^ Glück, wenn die Regierung sich diese Sorge um sie vom gemeinen Lehranstalten darf kein Jude angestellt werden; in Halse schaffen und sie sich selbst überlassen würde. Sie den wenigen jüdischen Schulen werden nur Zöglinge der würden dann den Weg zur Carriere selbst treffen, wie Tausende Wilna'schen und Sitomischen jüdischen Lehrerseminarien als hier ihr Glück machenden Ausländer. Wenn das der Fall sein Lehrer berufen. Wo soll sich nun der jüdische Realschüler: wird, dann würde die Regierung nicht mehr deren Zuwachs lassen, wenn nicht in einer Hochschule Aufnahme suchen, und fürchten und der Frequenz in den Hochschulen keinen Eindaher ist auch die Frequenz in den letzteren eine so außerj halt thun. ordentliche. Schließlich ist cs ja die Aufgabe derHochschulen nicht blos. Nach dem Allem fragt es sich, was sollen und können! den Staat mit Beamten und Streber mit guten Stellen zu die verschiedenen Maßregeln zur Beschränkung besagter Frcversorgen, sondern vor Allem, Männer der Wissenschaft und quenz ausrichten? Und sind sie überhaupt nothwendig? Wir Fachgelehrte heranzubilden, was kaum möglich ist, wenn sie glauben nicht, selbst nicht um die Zahl der dem Staat genur so viel Studenten anfnehmen, als der Staat gerade fährlichen „Unzufriedenen" zu vermindern. Im Gegentheil/ Anstellungen zur Verfügung hat. wollte man letzteres erlangen, so mußte man nicht blos alle1 Es scheint, daß die Regierung selbst zu dieser Ueberzeujene beschränkenden Maßregeln beseitigen, sondern alle Drittel gung kommt. Die ersten beiden Curse der militärischen mediausfindig machen, um die Aufnahme in sämmtlichc Hochcinisch chirurgischen Akademie, welche vor einigen Jahren aus erschulen und die Absolvirung derselben möglichst zu erleichtern, wähnten Rücksichten geschlossen wurden, sind nun wieder eröffnet. Denn unter den «Unzufriedenen" findet man zu allermeist und die Zahl der Plätze in denselben ist desgleichen wesent- Leute von «verpfuschter Carriere", solche, die entweder aus lich vermehrt, so daß auch Juden in größerer Zahl als im den mittleren Lehranstalten ausgeschlossen oder in die höheren vorigen Jahre ausgenommen wurden. Dasselbe wird, wie nicht ausgenommen worden sind, die mit sich nichts anzuman allgemein erwartet, im nächsten Jahre im Ingenieurfangen wissen, und daher leicht für jedes auch noch so ver- Institut geschehen, wo es, dank der strengen Maßregeln, so zweifelte Unternehmen zu gewinnen sind. Dagegen wird derweit gekommen ist, daß in diesem Jahre, trotzdem cs mehr jenige, welcher mit einem Diplom ausgerüstet ins Leben tritt, als 40 Bacanzen gab, von den vielen jungen Leuten, die sich über kurz oder lang im weiten, reichen Rußland seine Carriere; zu den bis aufs äußerste gesteigerten Concurrenzprüfungen angemachen; dann gehört er auch zu den „Privilegirten" und als meldet, blos 27 Aufnahme fanden, was in Regierungskreisen solcher ist er meist höchstens dem Scheine nach radical. Und j ictjr mißfiel, so daß man sichere Aussicht hat, daß mit dem wäre die Regierung wirklich um deren Carriere besorgt, so . nächsten Jahre in dieser Anstalt die Concurrenzexamina aufbraucht sie nur, dem Beispiele Deutschlands folgend, die Tauhören, und die ersten beiden Curse auch hier wieder eröffnet sende von Ausländern auszuweisen, oder blos alle Direkwerden. toren von sämmtlichen Etablissements Rußlands zu verpflichten, Wie dem auch sei, Maßregeln, wie die begrenzte Anzahl blos russische Unterthanen anzustellen, und cs würde dann von Bacanzen in den meisten Hochschulen, mit Ausnahme sicherlich für eine vielfach größere Anzahl von Zöglingen der; der Universitäten, die Concurrcnzexamina, die Steigerung der russischen Hochschulen Platz genug. Daß der russische Unter-i Schulgelder und die wesentliche Beschränkung der Zahl der than, selbst der Jude, berechtigteren Anspruch hat, in seinem Freischüler und ähnliche beweisen, daß auch die gegen die Baterlande ein Unterkommen zu finden, als jeder Ausländer, Bildung der Juden speciell ergriffene Maßregel dasselbe Ziel wird wohl jeder einsehen. und zwar das vorzüglich politisch-polizeiliche Ziel — nämlich Nun aber hält es noch nicht einmal so weit. Noch die Zahl der dem Staate gefährlichen „Unzufriedenen" im giebt es bei uns fast keine diplomirten Leute, welche ent- Lande möglichst zu vermindern — verfolgt, und daher sind schlossen sind zu arbeiten und auch in entlegenen Provinzen wir zur Hoffnung berechtigt, daß jene wie diese Maßregel sich niederzulassen, die nicht ihre Carriere machen sollten, von kurzer Dauer sein werden und von einer gesunderen vielmehr mangelt es hier noch, besonders in den entfernten Ucberzcugung verdrängt werden müssen, besonders, wenn der Gegenden gar zu sehr an solchen Kräften, welcher Mangel Kampf der Regierung mit den revolutionären Elementen, der, nur durch eine starke Concurrenz, durch einen großen Zu-, Gottlob schon zu Ende geht, sein Werk zum Heil des Baterwachs der russischen diplomirten Intelligenz, um welche aber i landes vollendet haben wird. Bei all den gegen die Bildung der Staat sich weniger bekümmern sollte, abgeholsen werden! der Juden gerichteten Maßregeln finden wir doch einen großen könnte. Was hauptsächlich der russischen Intelligenz schadet, Trost in der unleugbaren und höchsterfreulichen Thatsache,

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