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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-11-10 · Heft 46 (10.11.1885) · p. Seite 733

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 46 (10.11.1885)
Date
1885-11-10
Page
Seite 733 (sequence 5)
Language
German
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733 heute seine fürchterliche Geltung nicht verloren. Alle Mittel,! Staatsmännern und Würdenträgern allein die Politik zuwelchc jenen antisemitischen Endzweck realisiren helfen, sind; schreiben, welche gegenwärtig bei uns gegen die Juden geheilig. Als die wirksamsten Mittel dieser Art haben sich die! übt wird. Beschränkung der Wohn- Betriebs- und besonders der Bil-! Wir begreifen auch, daß einige wenige sich jetzt am Rndungsrcchte erwiesen, daher werden diese Beschränkungen der befindende machtsüchtige und regierungslustige Aristokraten immer mehr und mehr forcirt, bis sie die Juden zwingen, die „liberalen Berufszweige" als ihr Monopol beanspruchen sich nach der „westlichen Grenze" umzusehen, welche „ihnen und alle anderen Staatsangehörigen und besonders die Juden nicht verschloficn wäre", wie Jgnatieff sich ausdrückte. zur Unwifienheit verdammt wißen möchten und, um diese Nichts von dem will wieder eine andere Meinung gelten' ihre Gelüste zu rechtfertigen, sie gern als Staatsweisheit, als lassen. Auch sie behauptet, daß man mit jenen Beschränkungen , Rettungsmittel gegen die Gefahren demokratischer Strömungen nicht den Inden meint, sondern jenen unbemittelten Vertreter der Zeit anpreisen und sich selber als die einzigen Stützen und des dritten Standes, aus welchem das intelligente Proletariat Säulen des Staates anempsehlcn; aber wer giebt hcutzusich rekrutirt, das, wie die politischen Unruhen der letzten Jahre tage etwas auf solche schon längst sich überlebt habenden belehren, dem Siaat und der Gesellschaft sehr gefährlich sei. Träumereien, und es hieße der rusiischen Regierung wenig In Rußland wolle sich Niemand mit mittlerer Bildung bezumuthen, falls man dächte, sie werde auch nur einen Augenguügen; jeder, der nur in eine Schule eintritt, mag er auch blick daran glauben, sie könnte von solchen thörichten Käuzen noch so unbemittelt sein, möchte um jeden Preis eine Hoch-j sich leiten lassen oder gar darnach streben, deren närrischen schule absolviren. Da nun der Staat nicht für sie alle An-! Träumereien zur Wahrheit zu machen, stellungcn hat, so muffen viele von ihnen leer ausgehen und! Es ist auch durchaus nicht unmöglich, daß machthabende so die Zahl der „Unzufriedenen" vermehren, die in dcmai Antisemiten, die in der Wahl ihrer Waffen nicht gar zu gogischen Umtrieben ihr Heil suchen. Diese eben hätten all'! scrupulös sind, die unglücklichen Verirrungen einiger jüdischer das Unglück heraufbeschworen, an welchem Rußland in den! Jünglinge, die in das Netz russischer Nihilisten gerathen sind, letzten Jahren so reich war. Die Zahl dieser „Unzufriedenen" I zu ihren verwerflichen Zwecken gebrauchen und, wie gewöhnmüffe nun um jeden Preis reducirt, wenn nicht ganz aus j lich, alle Schuld auf die Juden schieben. Allein werden sie Rußland geschafft werden. Ter einzige Weg dazu fei, den j auch im Stande sein, unsere Regierung irrczuleiten, die doch unbemittelten Klaffen die Aneignung höherer, wie auch die! wohl am besten weis;, wie sehr die Theilnahme der jüdischen zu dieser führenden mittleren Bildung möglichst zu erschweren. > Jugend an den nihilistischen Umtrieben tendenziös übertrieben Die Summe der Schulgelder wächst mit jedem Jahre, die! ist, und wie wenig das Judenthum an diesen Verirrungen kostspielige Unisorm wird obligatorisch, so daß der Besuch! einiger Inden schuld ist? Es scheint uns auch kaum glaubder mittleren und höheren Lehranstalten nur den begüterten! lich, daß unsere Regierung die Bildungsrechte der Juden, Klaffen zugänglich bleibt. Aus diese Weise werden die Re-> welche doch die meistbestenerten im Lande abgeben, als ein flectanten auf Anstellungen bedeutend zusammenfchmelzcn und; bloßes Gnadengeschenk betrachte, das sie nach Belieben jeder wird der Staat eher im Stande sein, sie zufriedenzustellen! Zeit zurücknehmen dürfte. und im schlimmsten Falle sind sie ja begütert und können : Daher können wir unmöglich annehmen, daß diese Antsich auch ohne alle Anstellungen behelfen. Ta nun für den Worten das Richtige treffen; darauf kann höchstens die oben Bildungsdrang der Juden — die den größten Procenlsatz angeführte vierte Anspruch erheben. Tenn daß cs bei uns der unbemittelten Schüler und Studenten abgeben — jene ollwirklich Noth thut, den Bildungsgang des Volkes zu regugemcinen Maßregeln nicht wirksam genug wären, so muß für liren und ihm eine den politisch - öeonomischen und Eultursie noch eine Extramaßregcl aussiudig gemacht werden. Ties Interessen Rußlands mehr entsprechende Richtung zu soll eben der Sinn der verschiedenen Rechtsbeschränkungen geben, unterliegt kaum einem Zweifel. Ter Drang nach fein, die gegen die Bildung der Juden gerichtet sind. höherer Bildung steht bei uns in keinem Berhältniffe zur Welche von diesen Antworten die richtige fei, ist nicht durchschnittlichen Bildungsstufe des gesammten Volkes, und leicht zu entscheiden. Etwas Wahres mag wohl jede von die Größe des hiesigen intelligenten Proletariats steht nicht ihnen enthalten. Daß bei uns der Antisemitismus noch in im geringsten Verhältniß zur Größe unserer so jungen und Mode ist, steht ebenso fest, wie die Thatsache, daß unter im Grunde so dürftigen Intelligenz. Tie Bewohner derjenigen den gegenwärtigen Machthabern so manche Antisemiten der Städte, wo nur mittlere Lehranstalten vorhanden sind, halten schlimmsten Art fignriren; allein diese machen noch lange cs für selbstverständlich, daß ihre Kinder jene Lehranstalten nicht die ganze Regierung aus und spielen durchaus nicht besuchen und absolviren müffen, ohne danach zu fragen, ob die Rolle des Schicksals. Es wäre daher weit gefehlt, wollte i sie selbst die nöthigen Mittel, ihre Kinder die nöthige Beman diesen, wenn auch noch so einflußreichen antiseniitischen j fähigung dazu haben. Von den mittleren Lehranstalten wie-

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