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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-11-10 · Heft 46 (10.11.1885) · p. Seite 732

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 46 (10.11.1885)
Date
1885-11-10
Page
Seite 732 (sequence 4)
Language
German
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732 schmähliche Niederlage voraus und zog lieber die Ehrenklage fast gänzlich die Möglichkeit genommen ist, sich auszubil zurück. Hiermit hat er selbst bestätigt, daß er wiederholt > den. Damit noch nicht genug, wird jetzt in allen mittleren, einen Meineid angeboten und zwar wissentlich, da er sich höheren und Fachaustalten, wie in sämmtlichen Gymnasien der von ihm am Talmud und anderem jüdischen Schriftthum und den höheren Frauen - Cursen, den Instituten für verübten Fälschungen und falschen Auslegungen bewußt sein Hebammen, Feldschererinnen, Zahnärzte rc., von den cinmußte. — Wird nunmehr der Feldzug der Antisemiten gegen; tretenden Juden Legitimationen aufs Wohnrecht außerhalb den Talmud sein Ende erreicht haben? Oder werden sie frech des „Ansiedclungsrayons" verlangt, wodurch der Weg genug sein, dieser Wiederlegung aus dem eigenen Lager zu diesen Anstalten wenigstens 05°/o Juden abgeschnitten gegenüber ihr Spiel mit Lüge und Täuschung fortzusetzen? wurde. So sucht man denn auf alle Weise die Juden von Wir müssen dies abwarteu, denn zu dem sittlichen Charakter Bildung zurückzudrängcn. Und doch sind kaum zwei, drei dieser Partei haben wir ein so geringes Vertrauen, daß; Decaden verstrichen, seit der Zeit, wo unsere Regierung sich wir uns von ihr Alles gewärtig sind. Bemerken wollen alle Mühe gab, die Juden zur Bildung anzuhalten und wir hierbei, daß eine Menge norddeutscher Blätter, die sic in öffentliche Schulen hineinzulocken! Unwillkürlich drängt für jede antisemitische Kundgebung noch so geringer Art sich die Frage auf. was mag unsere Negierung zu dieser einen Platz haben, diese gewaltige Niederlage jener mit keinem so schroffen Wendung in ihrem Verhalten zur Bildung der Worte erwähnten: wir meinen, lieberale und deutschfreisinuigc Juden veranlaßt haben? An Antworten aus diese Frage Blätter, denn von den anderen konnte man es nicht erwarten, fehlt es natürlich nicht. Die Einen glauben, die eng-natio- Auch hier hat sich also das Wort des weisen Spruchredners nale. aristokratisch.conservative Richtung, welche in unserer erfüllt: „Wer Anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein; gegenwärtigen Regierung herrschen soll, finde es für geboten, wer Anderen eine Falle stellt, fängt sich darin." die Juden von den „liberalen Berufszweizen" möglichst fern zu halten, um diese den national russischen privilegirten Ständen als ausschließliche Domäne anheimfallen zu lassen, zum Ersatz für die Leibeigenschaft und andere Privilegien, die sie im Verlaufe der letzten Jahre eingebüßt haben, damit sie in den Stand gesetzt werden, als Stütze des Absolutismus, der einzigen in Rußland möglichen und wünschenswerthen Regierungsform, dienen zu können. Hier wäre demnach nicht Antisemitismus Wie Sie wohl erfahren haben werden, geht bei uns 1 im Spiele, sondern einzig und allein Rücksicht auf die Interessen gegenwärtig ein förmlicher Feldzug gegen die Bildung der des absolutistischen Staates, welche es nöthig machen, die Juden vor sich. In den einen Lehranstalten werden Juden Bildung der Inden in gewissen Schranken zu halten. Der überhaupt nicht aufgenoinmeil, in den anderen nur nach einem Jude soll der indigenen Aristokratie und Büraukratie nicht gewissen und zwar sehr geringen Prozentsatz von 5—10"/o Co murren; machen; vielmehr soll er in seiner bisherigen der gesammten Schüleranzahl, wieder in anderen ist z'.uar Thätigkeitssphäre bleiben, welche dielen Ständen und daher kein Prozentsatz normirt, aber desto schlimmer ist es für die auch dein Staate weit nützlicher wäre. Juden, denn dort hat die Willkür und die Mißgunst den wer- Eine andere Antwort auf obige Frage ist folgende: testen Spielraum. Während im Charlow'schen technologischen Die Erweiterung der Bildungsrechte der Juden wäre ein Institut, wo der Procentsatz festgestellt ist, nämlich 10" ... 12 Gnadengeschenk der früheren Negierungen, die Juden aber Juden, in der hiesigen militärischen medizinisch-chirui gischen Akahätten sich dessen unwürdig gezeigt, und daher wurde das dcmie bei normirten 5%, 6 Juden ausgenommen wurden, Geschenk .zurückgenommen. Die russische Regierung habe es sind im hiesigen technologischen Institut, wo früher alljährlich gut gemeiul mit den Juden; diese aber, anstatt ihr treu ergeben ca. 30—40 Juden cinzutreten pflegten, unter 168 neu einzu sein, hätten sich den revolutionären Elementen augeschlossen, getretenen Studenten blos 5 Juden, im hiesigen Ingenieurdaher sollen sie nun büßen, damit sie zur Einsicht kommen Institut, wo früher durchschnittlich mehr als 20 Juden in und erkennen, wer in Rußland ihre Freunde waren, ob die jedem Jahre eintraten, fand in diesem Jahre blos ein Jude Aus- Negierung, oder jene revolutionären Elemente; was ebenfalls nähme. Nicht besser geht es der jüdischen Jugend in den mittnichts mit dem 'Antisemitismus zu schassen hat. lercn Lehranstalten. In vielen Gymnasien wurden Juden gar Antisemitismus und nichts sonst, lautet dagegen eine nicht angenommen, in anreren blos in sehr geringer Anzahl. In dritte A'ntwort. Jgnaliefs ist wohl gefallen, aber sein System allen Anstalten ohne Ausnahme hat man den Juden fämmtblieb in voller Kraft. Seine Gesinnungsgenossen führen das liche Unterstützungen, wie Befreiung von Schulgeld und Sti- Heft nach wie vor. Sein Losungswort: „es muß den Juden yendicn entzogen, wodurch der unbemittelten jüdischen Jugend das Leben in Rußland unmöglich gemacht werden", hat noch Petersburg, 21. October. , Petersburger Lriefe. Unsere Gegenwart und Zukunft. VII.

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