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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-11-03 · Heft 45 (3.11.1885) · p. Seite 726

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 45 (3.11.1885)
Date
1885-11-03
Page
Seite 726 (sequence 14)
Language
German
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726 wohl auch dekorirt und damals zum Offizier befördert worden. Aber sie alle — so viel ich weiß, ohne Ausnahme — sind wieder aus der Armee verschwunden, während manchen andern jungen Mann, der ursprünglich einen bürgerlichen Beruf erwählt hatte, die bcfferen Aussichten in der militärischen Laufbahn festgehalten haben. Dem Juden war der Lsprit äs corps nicht nur unbehaglich, sondern ein unübersteigliches Hinderniß für seine Beförderung. Es ist noch nicht lange her, daß ein jüdischer General, de Meza, der eigentliche Führer der dänischen Armee war und er hat sie damals zum Siege geführt. Hält man in Deutschland etwas ähnliches wohl für denkbar? Ja, könnte es selbst nur einen jüdischen Regimentskommandeur geben? Der Name des dänischen Generals führt mich zum Schluffe noch auf den von manchen Schriftstellern betonten Unterschied zwischen den spanisch-portugiesischen und den deutsch-polnischen Juden. Erstere sollen einen in der Cultur, wie in den moralischen Eigenschaften höher stehenden Stamm ausmachen und die Geschichte, welche ihnen zwar ein einmaliges Märtyrerthum auferlcgte, aber sie nicht zu Jahrhunderte langer Entwürdigung verurtheilte, soll diese Berschiedenheit erklären. Eine Reihe glanzvoller Namen (Spinoza, d Israeli, Moses Montefiore, de Meza) scheint dieser Ansicht einen gewissen Halt zu geben. Allein erstens darf man sich nicht allzu sehr auf die Namen verlassen. Montefiore z. B. stammt weder aus Spanien', noch aus Italien, sondern aus Deutschland*) und hat erst später seinen romanisch klingenden Namen angenommen. Sodann scheint es mir unerwiesen, daß das Schicksal die Juden Spaniens und Portugals nur zu dem einmaligen läuternden und veredelnden Martyrium der Austreibung oder des Verbranntwerdens durch die Inquisition begnadigt habe. Wenn man den Zustand betrachtet, in dem die Juden noch jetzt in Algerien und Marokko leben, nröchte man es für wahrscheinlich halten, daß es ihnen auch in den Jahrhunderten vor ihrer Austreibung nicht besser ergangen sei, als ihren Glaubensgenossen in Deutschland. Ihr Vorzug war nur, daß sie, statt in dem noch ganz barbarischen Osten, in den in der Cultur schon viel weiter vorgeschrittenen westeuropäischen Staaten Aufnahme fanden, wo sie Gesetzlichkeit, sichere Existenz» verhältnißmäßig freie Institutionen und die Möglichkeit fanden, sich an den allgemeinen Culturbestrebungen zu betheiligen. Dies mußte sie natürlich viel rascher ihren neuen Landsleuten asfimiliren, als die Stellung, welche ihren Stammesgenossen im Osten trachtet, dem wird wohl dessen Aehnlichkeit mit dem jüdischen auffallen: Farbe der Haare und Augen, der ganze Schnitt des Gesichts erinnern so sehr an den semitischen Typus, daß man oft über die Abstammung im Zweifel sein könnte. Daraus folgt, daß auch die größere Übereinstimmung der äußeren Erscheinung den Juden das Aufgehen in einer romanischen Bevölkerung mehr erleichtert, als in der germanischen. Die Hauptsache jedoch bleibt natürlich die soziale Lage, die Sitte, die Borurtheilslofigkeit, die den westlichen Juden so ungleich günstiger entgegenkam, als denen im Osten. Sollte es also wirklich wahr sein, daß jene geistig und moralisch höher stehen, als die letzteren, so würde ich darin nur einen weiteren Beweis erblicken für den wesentlichen Einfluß der äußeren Verhältnisse auf die Entwickelung des Volkscharakters. So fasse ich denn schließlich meine Ueberzeugung in den Satz zusammen: was wir unter uns vom Geiste des modernen Judenthums gewahr werden, ist weit mehr das Ergebniß des Uebergangszustandes, in dem wir und unsere jüdischen Mitbürger uns befinden, als die naturnothwendige Frucht ursprünglicher Anlage. Gesetzlich ist die Emanzipation der Juden eine vollendete Thatsache. Aber die Sitte ist allemal stärker, als das Gesetz; sie ist zäher und schwerflüssiger. Das Gesetz kann man ändern mit einem Federzuge, die Sitte bedarf dazu mehr als eines Menschenalters. Wer aber um fünfzig Jahre zurückdenken kann, der wird trotz allen ephemeren Lärms erkennen, daß unser Volk im besten Zuge ist, auch in seinen Gewohnheiten und Anschauungen und Gefühlen bezüglich der Juden die vorausgecilte Gesetzgebung einzuholen. Noch ein Mcnschenalter — und es wird in Deutschland ebensowenig eine Judenfrage geben, wie Frankreich oder England eine solche kennen." Vermischtes. Noch einmal die Judengasse in Frankfurt am Main. Man schreibt aus Frankfurt a. M.: Das von der ehemaligen Judengasse, nunmehr Börnestraße — das ist recht bezeichnend für Börne — außer dem sogenannten steinernen Hause allein übrig gebliebene Rothschild'sche Stammhaus, dessen Fa^ade, um sie dem neuen Alignement anznpassen, ungefähr einen Meter zurückverlegt werden mußte, geht in der neuen Gestalt, in welcher es der Zukunft erhalten bleiben soll, der Vollendung entgegen. Von den vielfachen Spuren des Verfalls, welche dem Hause anhafteten, ist jetzt nichts angewiesen war. Vielleicht ist noch ein anderer Umstand! mehr zu erblicken; übrigens ist die neue Fayade mit aller dabei hülfreich gewesen, wenn auch nur nebensächlich. Wer! Pietät der alten nachgebildet worden. Zu beiden Seiten des den äußeren Habitus der Wallonen, Franzosen, besonders Hauses sind starke Brandmauern aufgeführt, in denen es wie der südlichen, und der Italiener, namentlich der Römer be-1 in einem Gehäuse steht und die ihm die Stütze gewähren, TaW» ein Jrr.hu«, den» -r wurd. iu Li°°ru° g-b-r-u.! ""ichihm f-Lh-r di- -»liegenden. nunmehr abgebrochenen (D. Red.)! Häuser boten. Bei der Errichtung des Hauses in der jetzigen

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