Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 45 (3.11.1885)
- Date
- 1885-11-03
- Page
- Seite 727 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3227555-3227601--43052-3311662- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
727 Gestalt war die alte Fayade vollständig abgebrochen und dann vom Balkenwerk der einzelnen Stockwerke -er über das neue Alignement hinausreichende Theil abgesägt worden. Dann wurde die Fayade wieder erbaut, und jetzt ist sie so weit fertig, daß nur noch ein fehlender Theil der Schieferbedeckung an der Giebelfront ergänzt werden muß. Im Parterre sehen wir die alten steinernen Thürbogen, an denen die Oberfenster statt durch gewöhnliches Gitter durch eiserneRanken und Gewinde geschützt sind. Am ersten Stock sind wie früher Tragsteine mit Thierköpfen angebracht. Das alte Holzfachwerk ist durch gebeiztes Eichenholz ersetzt. Das Ganze macht einen sehr anheimelnden Eindruck, und die Verwaltung der Rothschildschen Stiftung, welche künftig in dem Hause untergebracht werden soll, wird zwar nur schmale, aber einen gewiffen traulichen Charakter besitzende Räume vorfinden. Ganz vereinsamt steht das Haus da, rechts und links davon, sowie auf der anderen Seite der allerdings durch Trambahn, Wagen- und Fußgängerverkehr sehr belebten ehemaligen Judengaffe sieht man nur öde Flächen. Heber die Bebauung derselben hört man nichts. Der Magistrat, dem alle diese schönen Bauplätze gehören, soll, wie verlautet, sehr hohe Preise fordern, was bei der günstigen Lage, fast inmitten der Stadt, sehr begreiflich ist. Eine Trauung mit Hindernissen. Im August dieses Jahres trat in Wien der in Unghvar stationirte junge Offiziers-Stellvertreter Stephan Olsavszky vom katholischen zum jüdischen Glauben über. Bor einem Jahre lernte Olsavszky das Mädchen Lina Burger kennen und faßte den Entschluß, sie zu heirathen. Das Mädchen wollte sich aber nicht taufen lassen, und da entschloß sich der junge Cadet, Jude zu werden. Als der Uebertritt vollzogen und Olsavszky nach Unghvar zurückgekehrt war, um sich mit seiner Braut zu vermählen — die Trauung sollte am 11. d. M. stattfinden — kam das Berhängniß. Schon stand das Brautpaar vor dem Altar und wechselte die Ringe, als ein Polizei-Feldwebel und vier andere Polizisten im Tempel erschienen und die Trauung verhinderten. Kein Mensch weiß, warum, es scheint aber die Jntrigue einer — Frau dahinter zu stecken. Olsavszky ist jedoch nicht darum Jude geworden, daß er sein Vorhaben aufgebe. Er ließ sich aus Unghvar vom 36. Honved-Bataillon zum 41. Bataillon nach Kaschau transferiren, wohin ihm auch seine Braut folgte, und in Kaschau ging endlich die lang ersehnte Trauung anstandslos vor sich. Anzeigen. Tyi werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet and müssen für die nächst- XilOCl di wC folgende ~Wochenntrmmer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Expedition von Rudolf Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin etc. zu adressiren. Bekanntmachung. In unserer Gemeinde ist die Stelle des Rabbiners,Predigers und Religionslehrers vakant, welche schleunigst wieder besetzt werden! soll. Das anfängliche Jahrgehair beträgt 2400 Mark excl. Nebenemolumente. Bewerber, welche die erforderlichen Universitätsstadien gemacht und ihre Befähigung als Rabbiner und Religionslehrer ausreichend nachzuweisen vermögen, wollen ihre Bewerbungs-Gesuche unter Beifügung ihrer wissenschaftlichen Zeugnisse und eines curriculum vitae baldigst bei uns einreichen. [La3567 Erfurt, im October 1885. Der Borstaud der Synagoge» - Gemeinde. Dr. W a h l. Zur Stütze d. Hausftau e. geb. j. Mädchen gef., dies, muß mit allen Häusl. Ärb. vertr., musikal. u. im Nähen bewandert sein. Solche w. bish. eine derart. Stelle bekl. erh. den Borzug. Offert, m. Angabe d. GehaltSanspr. sud E. 239» an Rudolf Moffe, Leipzig. Ein gebildetes Fräulein wünscht Stelle zur Leitung eines kleinen Hauswesens oder als Stütze u. Gesellschafterin der Hausfrau. Off. sud 0. 346 an Rudolf Moffe, Düsseldorf. Derlag von Kaumgäriner's Zuchhandlung in Leipzig. Zu beziehen durch jede Buchhandlung: L. A. Albcrt's Englischer Dolmetscher. Anweisung, die englische Sprache binnen kurzer Zeit leicht und ohne Lehrer zu erlernen. Nebst einem Wörterbuche der deutschen und englischen Sprache, worin die Aussprache und richtige Betonung der englischen Worte angegeben ist rc. Soeben ansgegeben in 11. Auflage. Preis eleg. gebdn. 2 M. 40 Pf. Der Albert'sche Dolmetscher ist bereits in vielen Tausenden von Exemplaren verbreitet und unter den Lehrmitteln für den Selbstunterricht im Englischen auch heutigen Tages noch in allererster Linie zu empfehlen. Selbst der einfache Mann findet sich bei der praktischen Einrichtang dieses kleinen Handbuchs und bei der überall auf das Genaueste angegebenen Aussprache jedes englischen Wortes sofort in das Buch hinein und erwirbt sich durch Benutzung desselben in überraschend kurzer Zeit die Kenntniß der im täglichen Gebrauch am häufigsten vorkommenden und daher auch zunächst wiffenswerthen Wörter. Rücksichtlich der äußeren Ausstattung ist das Buch handlich und dabei sehr elegant.