Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 45 (3.11.1885)
- Date
- 1885-11-03
- Page
- Seite 725 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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725 erntet. Bei der Abstimmung über die Verlängerung der Ausnahmegerichte stimmte der galizische Abg. Zucker (jüdischer Religion) für dieselbe. Sofort erhebt sich Schönerer und constatirt bei großer Heiterkeit des Hauses, daß ein Jude für die Ausnahmegerichte gestimmt habe. Daß die meisten anderen jüdischen Abgeordneten gegen diese Verlängerung gestimmt haben, verschweigt natürlich der edle Ritter. D. Frankreich. Paris, 22. Oktober. Die Annahme, daß in der neuen Kammer bei der völlig veränderten Wahlart kein Israelit einen Sitz haben werde, hat sich als irrig herausgestellt. Es sind vielmehr wiederum vier gewählt, zwei von den bisherigen, Javal und Raynal und zwei neue, Camille Drehfuß und Fernand Cremieux. Nicht wieder gewählt wurden Ferdinand Dreyfuß und Bischofsheim, welcher Letztere jedoch sich nicht wieder um ein Mandat bewarb. — — Die Unruhen in Algerien haben in Folge der den Antisemiten entgegengesetzten Wahlen noch nicht aufgehört. In Constantine wurden zwei Israeliten in der Dunkelheit von herumstreifenden Tiralleurs stark verwundet. Rußland. Warschau, 22. Oktober. Man schreibt von hier: Die jüdische Bevölkerung ist höchst aufgebracht über eine Verfügung der Polizei, welche die Schließung fast aller jüdischen Schulen (Cheder) verfügt hat, wie es heißt wegen der hygienischen Mängel der engen dumpfen Schulräume. Die Anordnung soll, wie verlautet, gar nicht von der Unterrichtsbehörde ausgehen, sondern eine ganz selbständige Handlung des Polizeimeisters sein. Bon fast 1000 dieser Religionsj schulen sind nur etwa 40 übrig gelasien. Bonn, 25. Oktober. (Notizen.) Am 16. dss. M. hat die feierliche Einführung des neuen Großrabbiner von Metz, Jsaac Weill, stattgefunden, der vorher Rabbiner von Pfalzburg war. Wien, im Okt. (Literarische Notiz.) Der Aus zug der Juden aus Egypten. Dr. Eduard Mahler, Assi- I stent der k. k. österreichischen Gradmeffung in Wien, überreichte der k. k. Akademie der Wissenschaften eine Abhandlung unter dem Titel: „Astronomische Untersuchungen über in hebräischen! Schriften erwähnte Finsternisse, I. Theil. Die biblischen! Finsternisse" in Begleitung einer Notiz, in welcher darauf hingewiesen wird, daß die vorgelegte Arbeit zwei wichtige! Umstände zu Tage fördere. Erstens findet man eine auf-? fallende Sicherheit in der durch Bibel und Tradition erhaltenen älteren jüdischen Chronologie verbürgt; zweitens ist j das vom Verfasser für den Auszug der Israeliten aus Egypten I aufgestellte Datum (27. März des Jahres 1335 v. Chr.) I nach seiner Ueberzeugung ein unumstößlich sicheres geworden. Keuilleton. Die polnischen Äu-eu. als eine Respektsperson sei, in der Seele des ungebildeten Bvl» Prof. Möller in Königsberg. Mitglied des Reichstages.! Theils unserer Bevölkerung noch sehr tief'. tAus der Wochenschrift „Die Nation" vom 12., 19. und 26. Sept.) j gn baS Militär treten heut zu Tage so viele Söhne (Lchluß.)!aus guten bürgerlichen Familien ein, oft sehr gegen Wunsch Und noch zwei Berufszweige, welche sehr zahlreichen und Willen ihrer Eltern, aber angelockt durch den äußeren jungen Leuten Unterkunft gewähren, sind den Juden that- Glanz und die bevorzugte Stellung dieses Standes, auch sächlich so gut wie verschlossen: die Landwirthschaft und die! wohl durch die frühe Selbständigkeit, die er gewährt — militärische Laufbahn. allerdings bis auf die Zulage aus der Tasche des Vaters. Es giebt wenige jüdische Gutsbesitzer und noch viel Welche Aussichten hätte der Sohn einer jüdischen Familie weniger jüdische Wirthschaftsbeamte. Selbst die reichen in dieser beliebten Carrierc? Bei vielen Regimentern würde Banquiers, welche einen Theil ihres Vermögens in Grunder sicherlich gar nicht einmal angenommen werden; ein Vorbefitz anlegen, lassen ihre Güter lieber durch christliche In-! wand für die Zurückweisung ist leicht gefunden. Aber selbst spektoren verwalten. Soll man daraus schließen, den Juden wenn er irgendwo Annahme fände, wenn er sich als Avangehe die Befähigung zur Landwirthschaft ab? O nein, es^tageur tadellos führte, sein Ofsiziersexamen glänzend befällt ihnen nur ungemein schwer, gegenüber der ungebildeten | stände — dann käme immer noch die Wahl, und der Lsprit ländlichen Arbeiterbevölkerung die unumgänglich nothwendige de corps ist stark genug, um die Kameradschaft mit dem Autorität zu behaupten. Wer aus Erfahrung weiß, wie Juden zurückzuweisen. Die jüdischen Jünglinge haben, soschwierig diese in den meisten Landestheilen überhaupt aufrecht zu erhalten ist, wird dies natürlich finden. Wurzelt ja doch das alte Borurtheil, daß der Jude nichts weniger weit sie körperlich brauchbar sind, ihrer Dienstpflicht wie alle andern zu genügen; sie haben in den letzten Kriegen ebenso gut die Waffen getragen und mancher ist verwundet, ist