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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-11-03 · Heft 45 (3.11.1885) · p. Seite 723

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 45 (3.11.1885)
Date
1885-11-03
Page
Seite 723 (sequence 11)
Language
German
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723 theilnehmer zu einem Festmahle im Seminargebäude, und Abends fand eine Theatervorstellung nebst Ball im zoologischen Garten statt. Es sei mir gestattet, einige Worte über das Seminargebäude zu sagen. Dasselbe ist in der That ein Prachtbau, im Aeußern wie im Innern den kühnsten Anforderungen genügend. Die Schulräume, die Utensilien, gewiesenen haben schon Viele den Ort verlassen, sind entweder nach Rußland oder nach England und Amerika gegangen. Einzelne, welche Verwandte in Süddentschland besitzen, haben sich dorthin begeben. Das Gros befindet sich jedoch noch am Orte; denn da die Fristen bis zum 15. resp. 20. November reichen, so suchen sie noch jeden Augenblick auszunutzen die Schlafsäle, die Studierzimmer, alles läßt sowohl in hygi-! und ihre wenigen Habseligkeiten zu veräußern. Eine kleine enischer Beziehung als in Rücksicht auf Bequemlichkeit nichts , Anzahl von Ausgewiesenen wird auch wahrscheinlich die Erzu wünschen übrig. laubniß erhalten, noch einige Monate länger zu bleiben oder Dank sei Allen, welche sich mit ihren Beiträgen an dem | der Ausweisungsbefehl wird vielleicht auch ganz zurückge- Zustandekommen dieses gelungenen Werkes betheiligten, und j nommen werden. Es war wahrlich keine kleine Arbeit, die besondern Dank dem Präses des Curatoriums für dessen! Geldsummen zu den Unterstützungen herbeizuschaffen, dieselben aufopfernde Thatigkeit. Möge der Allgütige dieser Anstalt zu quotiren und zu vcrtheilen, überhaupt mit aller Kraft für ferner Seinen gnädigen Schutz angedeihen lassen! I. Feinstein. Memel. 20. Oct. (Privatmitth.) Die hier erscheinende Zeitung „Memeler Dampfboot" veröffentlicht heute die Ausweisungen betreffend den nachfolgenden kurzen Bericht: „Das ständige Hilfscomits für die Nothstände Russischer die Unglücklichen einzustehen und in bester Weise sie zu berathen und für sie zu sorgen. Möge es der allgütige Gott verhüten, daß ein solches unglückliches Ereigniß sich jemals wiederhole. — — Dem vorstehenden Berichte über die.Ausweisung wollen wir noch hinzusügen, daß sich am hiesigen Orte aus Anregung Israeliten", welches hierorts nun seit 15 Jahren besteht,! des Hauptcomitäs ein zweites Comi16 gebildet hat, dessen hatte die Unterstützungen der des Landes verwiesenen Jsra- Thatigkeit darin besteht, das umfangreiche Unterstützungswerk eliten der hiesigen Stadt, sowie der Kreise Memel und Heydekrug übernommen. Um nun einen Ueberschlag über die Höhe der erforderlichen Mittel zu gewinnen, hatte das Comite bekannt gemacht, daß mit dem heutigen Tage die Listen geschloffen werden sollten, hat aber die Ueberzeugung gewonnen, daß noch lange nicht alle ausgenommen sind, welche der Unterstützung bedürfen. Sehr viele hoffen noch, daß die Ausweisungen zurückgenommen oder daß sie wenigstens den Winter über verbleiben können und haben sich noch gar nicht eintragen lassen. Bis jetzt sind 518 Personen in den Listen verzeichnet, für welche allein an festen, nach einem gewissen Principe normirten Quoten Mk. 17 210 ausgeworfen wurden. Sehr viele, welche völlig mittellos sind und nicht einmal ein ordentliches Kleidungsstück für sich und ihre Kinder besitzen, zudem auch nach überseeischen Ländern befördert werden müssen, weil sie auch nach Rußland nicht zurückkommen dürfen, können mit ihrer Quote absolut nicht ausko inmen. Das Comitö hat darum neben dem Hauptsonds einen Reservefonds gebildet, aus welchem die nöthigen Unterstützungszuschüsse des Hauptcomitös derart zu ergänzen, daß es die Verhältnisse und Bedürfnisse der von der Ausweisung betroffenen und vom Hauptcomitv den festgestellten Quoten gemäß bereits unterstützten Personen näher zu prüfen, denselben, wo es nothwendig und geboten scheint, Extra-Unterstützungen zu gewähren und so die vom Hauptcomitemit rechtem Eifer betriebene Unterstützungsarbeit hie und da zu vervollständigen hat. — Die hierzu nöthigen Mittel wurden, wie oben bereits angedeutet ist, vom Hauptcomit4 gewährt, andcrntheils jedoch wurden sie durch Sammlungen bei den jüdischen Einwohnern der Stadt, sowie bei den unseren Ort alljährlich besuchenden russisch-jüdischen Kaufleuten herbeigcschafft. — Es bleibt nun noch zu wünschen übrig, daß die armen Ausgewiesenen allerorts, wohin sie gelangen, die gleiche Unterstützung und Förderung finden möchten. Könitz, 15. Oktober. Wegen Bctheiligung an den Judenkrawallen in Hammmcrstcin war der kaum 2 l jährige Earl Heinrich aus Hammerstein zu 11-, Jahre Gcsängniß verurteilt worden. Kaum hatte er diese Strafe verbüßt, so begewährt werden. Dieser Reservefonds, ursprünglich nur aus§ gab er sich nach seiner Heimath, schloß mit drei gleichgesinnten 3000 Mk. bestehend, ist durch Sammlungen am hiesigen Orte einigermaßen ausgebessert worden und sollte er nicht ausreichen, so wird er noch weitere Zuschüsse aus dem Haupt fonds erhalten müssen. Unter den Unterstützten befinden sich auch viele Christen aus dem Unterstützungsbereiche des hiesigen „Armen-Unterstützungs-Vereins". Auch die Ausgewiesenen Christen aus den ländlichen Bezirken hätte das Comitv gern berücksichtigt; allein das ging bei dem besten Willen nicht. Dazu hätten seine Mittel nicht ausgereicht. Von den Ausjungen Leuten ein Complott, zertrümmerte mit ihnen in Nacht zum 3. März d. I. 0 Fensterscheiben der dortigen Synagoge, sowie je ein Fenster in zwei Privathäusern. Heinrich und einer seiner Spießgesellen, der Arbeiter August Schönrock, wurden zunächst vom Schöffengerichte zu Hammerstcin und auf ihre Berufung auch von der hiesigen Strafkammer der Sachbeschädigung für schuldig befunden und zu je 2 Monaten und eine Woche Gesängniß verurtheilt. Siegen, 25. Oktober. (Privatmitth.) Die hiesigen

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