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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-11-03 · Heft 45 (3.11.1885) · p. Seite 718

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 45 (3.11.1885)
Date
1885-11-03
Page
Seite 718 (sequence 6)
Language
German
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718 sind, daß die Geschichte der deutschen Juden doch nur ein Theil der allgemeinen deutschen Geschichte ist, daß sie von diesem Standpunkte aus angesehen und behandelt werden muß und erst von diesem Standpunkt aus richtig begriffen und vollkommen gewürdigt werden kann. In den zwei Jahrzehnten, die seit dem Erscheinen von Stobbc's Buch vergangen sind, hat sich das Quellenmaterial süc die mittelalterliche Geschichte Deutschlands und damit auch für die der deutschen Juden in nicht vorherzusehender Weise gemehrt. Die Publication der >Ie>nnm6utn Oernmnias histovica ist aufs Rüstigste fortgeschritten, die historische Commission der Münchener Akademie hat Städtcchroniken und Reichstagsacten in zuverlässigen Texten zugänglich gemacht; die Zahl der Urkundenbücher, welche die Schätze der Archive erschließen, hat sich mehr als verdoppelt. Ein überaus umfangreiches Material harrt der Bearbeitung, so daß der einzelne Historiker es nicht mehr zu übersehen vermag. Ueberall machen es sich deshalb historische Bereinigungen, unterstützt von staatlichen und städtischen Behörden, zur Aufgabe, durcb Anfertigung von Regesten eine Uebersicht über diesen immer maffenhafter anschwellcndcn Stoff zu ermöglichen und so die erste Vorbedingung historischer Arbeit — die Kenntniß der Quellen zu sichern und zu erleichtern. Regesten zur Geschichte der Juden in Deutschland, welche das gesammte, in historiographischcn und urkundlichen Quellenpublicationen vorliegende, in vielen Hunderten von Bänden zerstreute Material ordnen und zusammenstellen, müffen vorhanden sein, che eine Geschichte der Juden in Deutschland geschrieben werden kann. Zugleich aber ist noch ein Anderes erforderlich. Neben den in lateinischer und deutscher Sprache geschriebenen Quellen giebt cs noch eine nicht geringe Anzahl anderer, welche für die Geschichte überhaupt von Werth sind. Von jenem, erst vor Kurzem entdeckten Bericht über die Judenverfolgung von 10i>*> an bis zuin Ende des Mittelalters giebt es historische Aufzeichnungen, Memorbücher u. s. w., welche unter Umständen von nicht geringer Bedeutung sind. Ihnen schließen sich die noch erhaltenen inschriftlicheu Quellen — die Grabsteine — nach der einen Seite an, während nach der anderen Seite die juristischen Quellen, die Responsensammlungen der Rabbiner, indem sie zur Begründung der getroffenen Entscheidungen über den ihnen unterbreiteten Thatbestand berichten, werthvolles Material, insbesondere für die Culturgeschichte bieten. Alle diese Quellen, die in hebräischer Sprache geschrieben sind, entziehen sich dem Studium des in herkömmlicher Weise gebildeten Historikers. Soll das reiche in ihnen enthaltene Material nutzbar gemacht werden, so ist eine Sammlung dieser Quellen und ihre Edition in kritisch bearbeiteten und commentirten Uebersetzungen geboten. Diese Sammlung würde zugleich von einem einzelnen Punkte aus eine Ergänzung des großen Nationalwerkes der Llonnmenta Historias Germanicae bieten. Jedes der beiden Werke, die im Vorstehenden als nothwendige Voraussetzungen wiffenschaftlicher Bearbeitung der mittelalterlichen Geschichte der Juden in Deutschland bezeichnet sind, übersteigt die Kräfte und Mittel eines Einzelnen. Wie wir ihrer bisher entbehrt haben, werden wir ihrer auch für die Zukunft entbehren müffen, wenn nicht eine Bereinigung geschulter Historiker den Plan beider Unternehmungen festsetzt, seine Ausführung durch besoldete Arbeitskräfte — jüngere Historiker und Philologen — anordnet und überwacht. Wie historische Commissionen die großen Publicationen der Llollurnentrr. Germanins bistorien, der Reichstagsacten, der Städtcchroniken u. s. w. geschaffen haben, wie in der Provinz Sachsen, im Großherzogthum Baden solche Commissionen für die Publication von landesgeschichtlichen Quellen neuerdings begründet sind, wie die Publicationen der preußischen Archiv-Verwaltung aus der gleichen planmäßig geleiteten Bereinigung und Vertheilung der Arbeitskräfte hervorgegangen sind, so bedarf es einer Vereinigung von Fachmännern zu einer historischen Commission, der die erforderlichen Geldmittel zur Verfügung gestellt werden, wenn die obengedachten Arbeiten, denen sich im Laufe der Zeit und insbesondere für die neuere Geschichte andere Aufgaben anschließen werden, unternommen und zu gedeihlichem Ziele geführt werden sollen. IVt/i -vcpva <xc tj lx c (j . Deutschland. Opfer unter unseren Glaubensgenoffen gefallen sind. Davon wußten unsere Väter zu keiner Zeit. Sie hatten das zwar Berlin, 20. Oktober. (Privatmitth.) Ein großes Uebel nicht feine, aber charakteristische Sprichwort: „Bester zehn unserer Zeit, welches auch wir Juden mit Der Cultur herüber- Mal verdorben als einmal gestorben!" womit sie sagen wollten, genommen, ist die sich immer mehr verbreitende Neigung > der Mensch müffe auch die schwersten Folgen, sei es eines zum Selbstmorde, welcher auch hier in jüngster Zeit einige! Mißgeschickes, sei es eines Vergehens, mit Ausdauer und

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