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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-11-03 · Heft 45 (3.11.1885) · p. Seite 717

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 45 (3.11.1885)
Date
1885-11-03
Page
Seite 717 (sequence 5)
Language
German
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717 ein Werk, das nach seiner Angabe zwanzig Auflagen erlebt und der Geschichte des Judenthums) in Ausführung zu haben soll; es stellt sich nun heraus, daß der zitirte Berfaffer dieses Werk gar nicht geschrieben, ja daß ein solches Werk gar nicht existirt. — Rohling producirte Briefe von bringen. Nach vielen Erwägungen und vorbereitenden Arbeiten ist der Ausschuß zu der Erkenntniß gelangt, daß diese wichtige Sache am besten durch einen Verein von einer jüdischen Gemeinde in Lyon; es stellt sich aber heraus, Fachmännern, welche nach dem Vorbilde bereits bestehender daß in Lyon eine solche Gemeinde gar nicht existirt und daß ähnlicher Institutionen sich zu einer historischen Commission diese Briefe aus Prag stammen. — Rohling behauptet, daß! constituiren. sollen, behandelt werden müsse. Beifolgendes bei dem Berliner Kammergerichte ein Gutachten eines Gelehrten aus dem Jahre 1794 erliegt, welches Blutbeschuldigung gegen die Juden erhebt; es hat sich ergeben, daß eine solche Schrift nicht erliegt, daß der betreffende Gelehrte vielmehr eine Schrift zur Abwehr dieser gegen die Juden erhobenen Anschuldigung veröffentlicht habe. Die Sachverständigen haben ferner nachgewiesen, daß Rohling in seinen Schriften die hebräischen Texte fälscht, indem er Worte weg. läßt, oder neue hinzufögt. Im Talmud heißt cs z. B. „Du kannst den Besten der Heiden im Kriege tödten"; Rohling zitirt diese Stelle, indem er die Worte „im Kriege" wegläßt. — Bloch erklärte in seinen Artikeln, daß Rohling in Betreff der Blutbeschuldigung der Juden eine falsche eidliche Aussage gemacht habe. Rohling hat nämlich als Sachverständiger in einem Prozesse in Dresden die Blutbeschuldigung aufrechterhalten. Die Sachverständigen erklären, daß diese Beschuldigung völlig unwahr sei und Rohling als Professor dies, (wiewohl er der hebräischen Sprache nicht kundig sei) aus den Werken lateinischer und anderer Gelehrten wissen Promemoria erörtert die Vcdürfnißfrage und entwirft auch einen Arbeitsplan für eine solche Commission. Es ist dem Ausschuß gelungen, folgende Fachmänner für das Unternehmen zu gewinnen: die Mitglieder der königl. Akademie der Wissenschaften die Herren Professoren vr. Wilhelm Wattenbach und vr. Julius Weizäcker in Berlin, den Professor der Rechte Herrn Geheimen Hofrath vr. Otto Stobbe in Leipzig, die Professoren der Geschichte Herren vr. Harry Breßlau und vr. Ludwig Geiger in Berlin und den Realschuldircctor vr. Herrmann Bärwald in Frankfurt a. M. Zu diesen Fachmännern sind noch zur Vermittelung des Gcschäftsverkehrs die Herren Geheimrath vr. Kristeller und Professoren vr. Lazarus und vr. Stcinthal vom Ausschüsse des D. I. G. B. dcputirt worden. Genannte 9 Herren haben sich nunmehr in einer Plenarsitzung, in welcher sämmtliche Mitglieder anwesend waren, unter Vereinbarung eines Geschäftsreglements als „Historische Commission des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" constituirt und haben Herrn Professor Breßlau zum ersten und Herrn konnte und mußte. Die Sachverständigen konstatiren, daß Professor Stobbe zum zweiten Vorsitzenden erwählt. Die Rohling im Prozesse Ritter (Krakau) und im Prozesse Tißa-! Publicationen der Commission werden durch ein eigenes Eßlar zwei einander völlig widersprechende Eide angeboten > Archiv erfolgen, welches auch eine Sammelstelle für geeignete habe. Im ersteren Falle erböte sich zu beschwören, es stehe! Beiträge zur Geschichte der Juden in Deutschland werden im Talmud: daß Juden Christen morden dürfen; im zweiten soll. Die Mittel für das Unternehmen werden theils aus Falle behauptete er, beschwören zu können, daß dies zwar! den Fonds des D. I. G. B., theils aus Subventionen von nicht im Talmud stehe, jedoch in der Tradition der Juden; Gemeinden und außerordentlichen Mitgliedern aufgebracht, begründet sei. — Die Sachverständigen konstatiren, daß Rohling falsche Kirchenväter zitirt und überhaupt Zitate erdichtet. Berlin, 20. Oetober 18d5. Der verein für Geschichte -er Juden in Deutschland. Hierbei beehre ich mich. Ihnen folgende Mittheilung mit der ergebensten Bitte zu überreichen, dieses neue Unternehmen des D. I. G. B. durch den Einfluß Ihres geschätzten Blattes freundlichst unterstützen zu wollen. Kristeller. Seit dem Bestehen des D. I. G. B. ist der Ausschuß sowohl in Leipzig, als neuerdings in Berlin zu wiederholten Promemoria. Seit im Jahre 1d66 O. Stobbe sein ungemein verdienstliches Buch „Die Juden in Deutschland während des Mittelalters" veröffentlicht hat, ist unsere Literatur an Schriften über die Geschichte der Deutschen Juden um Hervorragendes nicht vermehrt worden. Zwar ist in einer nicht geringen Zahl von Arbeiten die Geschichte einzelner jüdischer Gemeinden oder territorialer Gruppen von Gemeinden dargestellt worden, aber indem die Verfasser dieser Schriften Laien auf dem Gebiete historischer Forschung waren, fehlte es ihnen an der ausreichenden Beherrschung des Quellenmaterials und an der kritischen Schulung, ohne welche die Arbeit der Geschichtsforschung und Darstellung keine reifen Früchte zu zeitigen vermag. Hierzu kommt noch, daß sowohl diese Arbeiten, als Malen damit beschäftigt gewesen, den Punkt § 1, 3 des jauch die größeren Werke über die Geschichte der Juden im Statuts (Verbreitung richtiger Kenntnisse von dem Wesen Allgemeinen nicht genügend von dem Gedanken durchzogen

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