Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 45 (3.11.1885)
- Date
- 1885-11-03
- Page
- Seite 716 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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716 So erscheintEzekiel überall auf der Seite der Schwächeren, daß Rohling seine Ehrenbeleidigungsklage zurückgezogen sie gegen jede Vergewaltigung zu schützen, auf Seiten des und das Landesgericht ihm den Ersatz der ausgelaufenen umkehrenden Sünders gegen den frevelnden Gerechten, auf Kosten an Bloch auferlegt habe. Man erinnere sich zugleich, Seiten des gefallenen Juda gegen sein schweres Geschick; daß jener Dr. Justus sich als der Birmanus entpuppt hat. und die es überwältigenden und verhöhnenden Völker, auf Seiten der Heerde gegen die bösen Hirten, auf Seiten der civilisirten Welt gegen die barbarischen Horden. Weit entfernt von den Orten, wo die Wirklichkeit sich abspielte, in der entlegenen Einsamkeit, lebt er nur in der Idee; aber in seinem Geiste dringt diese Idee auf die Darstellung in realer Form, und gerade diese seelische Komplication bringt die Eigcnthümlichkeit hervor, durch welche Ezekiel sich auszeichnet. Der Kankerult des Antisemitismus. VII. welcher gerichtlich wegen betrügerischer Handlungen verurtheilt worden, und daß dieser vor Gericht ausgesagt hat, Rohling habe einige Zeit lang Unterricht im Hebräischen bei ihm genommen und verstehe garnichts davon. Hiermit ist wohl die Tragikomödie Rohling zu Ende und die Hauptsäule der ultramontanen und antisemitischen Anklagen gegen den Talmud gebrochen. Daß Rohling seine Ehrenklage zurücknimmt und lieber die Kosten bezahlt, als die Schlußverhandlung durchführen läßt, in welcher ihn als Kläger doch nur die Abweisung seiner Anklage treffen konnte, ist seinerseits ein volles Zugeständniß der Unwahrheit seiner Behauptungen, für welche er einen Beweis nicht führen könne, während der Gegenbeweis vollständig gelungen. Also auch von dieser höchst wichtigen Seite hat der Antisemitismus seinen Bankerott erlitten. Für diesen Sieg der Wahrheit, welcher durch die Entschiedenheit des Dr. Bloch herbeigeführt worden, wollen wir Dank und Anerkennung dem Prof. Franz Delitzsch widmen. Nebenbei sei bemerkt, daß dieser Ausgang die große Zahl Endlich legt auch Prof. Rohling seine vergifteten Waffen nieder. Jedermann kennt die Art und Weise, wie dieser Jesuitenpatcr, als er noch in Münster war, mit seinem „Talmudjude" auftrat, in welchem er die schmählichsteu Beschuldigungen gegen den Talmud und die demselben noch anhängenden Juden richtete. Alle Widerlegungen von jü-! derer unter unseren Glaubensgenossen, welche stets Stillbischen wie christlichen Gelehrten, alle Nachweisungen, daß schweigen und Passivität predigen, des Jrrthums zeiht, die Rohling garnichts vom Talmud versteht, zahllose Jrrthümer begangen und Eisenmenger nicht einmal richtig ausgeschrieben, halfen zu Nichts: Rohling blieb keck bei seinen Behauptungen, und seine Schmähschrift wurde von katholischen Vereinen und anderen rüstigen Werkzeugen in vielen großen Auflagen unter dem Volke verbreitet. Als ein Gehülfe trat ein Pseudonym, Dr. Justus, mit einem Pamphlet „Judenspiegel" ein. Als Rohling nach Prag versetzt wurde, nachdem er vorher eine Excursiou nach der neuen Welt gemacht, erhob er mit großer Heftigkeit die Beschuldigung, daß die Juden rituell Blut verwendeten, und erbot sich sogar, diese lügenhafte Beschuldigung auf seinen Amtseid zu nehmen oder einen gerichtlichen Eid darauf zu leisten. All dies that der Mensch, obschon ihm, namentlich von dem greisen Franz Delitzsch, die absichtliche Verdrehung von Sätzen aus hebräischen Schriften nachgewiesen worden. Entrüstet warf ihm sein garnicht zu qualisizirendes Vorgehen, namentlich betreffs der angebotenen im Laufe der letzten Jahre so oft unserer guten Sache Schaden gethan, wovon der Redakteur dieses Blattes mehrere Male den Schaden erfahren hat. Wir erhalten noch folgendes Nähere. Rohling hat in einem Gnadengesuche um Erlassung der Prozeßkosten gebeten. Diesem Ansuchen wurde keine Folge gegeben. Professor Rohling dürfte zu diesem Entschluffe durch das Gutachten der Sachverständigen veranlaßt worden sein. Dasselbe ist ein umfangreiches Schriftstück, welches sich mit dem Talmud befaßt und für den antisemitischen Professor und seine Theorien durchaus nicht günstig lautet. Was den Angeklagten Bloch betrifft, so hat bekanntlich das Abgeordnetenhaus in einer der letzten Sitzungen dieser Session dessen Auslieferung beschlossen gehabt, die nun überflüssig geworden. Das Beweisverfahren gestaltete sich vom Anfänge an zu einem vernichtendenBerdikte gegen Rohling.Er hatte nämlich zuerst beantragt, einen polnischen Gelehrten als Sach- Eidesleistung, der Rabbiner Dr. Bloch, Mitglied des öfterverständigen vorzuladen; derselbe lehnte aber die Ausfordereichischen Abgeordnetenhauses, in sehr heftigen Ausdrücken j rung Rohlings ab. Dieser schlug ferner einen katholischen vor. Rohling reichte deshalb eine Beleidigungsanklage gegen I Professor als Sachverständigen vor; dieser bat das Gericht Bloch ein. Dieser erbot sich, den Beweis der Wahrheit andringend, ihn von dieser peinlichen Aufgabe zu dispensiren, zutrcten. Rohling war nach dem Orient gereist und verhieß j weil er doch gegen Rohling aussagen müßte und nicht gern volle Beweise für seine Behauptung von dort mitzubringcn. j Zeugniß gegen einen Kollegen ablegen möchte. Nach längeren Der Gerichtshof bestimmte zwei bekannte christliche Gelehrte j Unterhandlungen erklärten endlich Professor Nöldeke in Straßen Sachverständigen. Auf den 19. November war die Schlußbürg und Dr. Wünsche in Dresden sich zur Abgabe eines Verhandlung anberaumt. Da verkündet der Telegraph,; Gutachtens bereit. — Rohling z'tirt in seinen Schriften