Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 44 (27.10.1885)
- Date
- 1885-10-27
- Page
- Seite 709 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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709 61 Jahre alt, in wenigen Tagen durch eine heftige Krankheit dahingerissen. Sein Tod ist auch ein fühlbarer Verlust für das Judenthum, dem er die treueste Liebe und Anhänglichkeit widmete. Sein Vater Joseph hatte eine Rente von 400 Francs als Gehaltzulage für den Großrabbiner von Nancy vermacht, und der eben verstorbene August fügte eine gleiche Summe zu demselben Zwecke hinzu. Die Arch. isr. bemerken hierzu: „Die Freigebigkeit dieser Art ist leider in Frankreich selten; der Cultus und die Bertheidigung des Cultus werden so selten ermuthigt, daß wir die obige Freigebigkeit als einen Ehrentitel für ihre Urheber betrachten. Außerdem hat der Verstorbene 5000 Frcs. dem Bürgermeister von Lille überwiesen, um für die Armen Gegenstände aus dem Leihhause zu entnehmen; 1000 Frcs. den dortigen jüdischen Armen und 1000 Frcs. an die Berwaltungskaffe der Synagoge; auch für Paris und Nancy bestimmte er Legate. Bonn, 18. Oktober. (Literarische Notizen.) Wir haben heute unseren Lesern ein neues, eben begonnenes Unternehmen nachdrücklich zu empfehlen: „Geschichte der jüdischen Literatur von Gustav Karpeles (Berlin, Oppenheim, 1886). Bekanntlich giebt es noch keine vollständige Geschichte der jüdischen Literatur, da die von David Cassel, durch das „Institut zur Förderung der israelitischen Literatur", nur bis zum Ende der biblischen Literatur, und zwar im zweiten Bande, gelangt ist. Wenn nun uns auch bis jetzt nur die erste Lieferung (64 S.) vorliegt, so können wir doch wohl auf die Beendigung dieses Werkes, das aus ungefähr 60 Bogen berechnet ist, zählen. Es wird die jüdische Literatur in 6 Perioden behandeln: die biblische Literatur bis vor d. gew. Zeitr.; die jüdisch-griechische Literatur von 200 vor bis 100 nach der gew. Zeitr.; die talmudische Literatur von 100—750; die jüdisch-arabisch-spanische von 750—1200; die rabbinische von 1200—1750; die jüdische Literatur der Neuzeit von 1750—1870. Die erste Lieferung enthält die allgemeine Einleitung und die Einleitung in die biblische Literatur, sowie den Anfang der letzteren. Die Grundanstchten, die der Verfasser in seiner allgemeinen Einleitung ausspricht und die besonders dahin gehen, die Continuität der geistigen Entwickelung und den Organismus der jüdischen Literatur nachzuweisen, können wir nur billigen. Eine nähere Besprechung behalten wir uns vor, je nachdem eine oder die andere Periode abgeschlossen uns vorliegt; bemerken aber schon Aeui t Die polnischen Inden. Bon Prof. Möller in Königsberg, Mitglied des Reichstages. (Aus der Wochenschrift „Die Nation" vom 12., 19. und 26. Sept) III. Vorbemerkung der Redaktion. Tie Antisemiten uud auch andere Leute machen den Juden sehr oft den Vorjetzt, daß der Verfasser nebst Sachkenntniß und literarischer Bildung eine edle Begeisterung für seinen Gegenstand erweist, welche auch in einer würdigen Sprache ihren angemessenen Ausdruck findet. -- Leipzig, im October. (Literarische Notiz.) In der neuesten Nummer seiner „Philosophischen Monatshefte" (XXII, 1 u. 2) hat der Herausgeber derselben, C. Schaarschmidt, sich gemüßigt gefunden, meine Schrift, die er vor allen anderen Redacteuren von meinem Verleger sich erbat, selbst zu besprechen, und dabei Gelegenheit genommen, den bitteren Judenhaß oder sogenannten „Antisemitismus", von dem er beseelt ist, zur Schau zu stellen. Was diesen Theil seiner Recension betrifft, so überlaste ich denselben Ihnen, hochgeehrter Herr Redacteur, der Sie bester als ich im Stande sind, ihm dafür heimzuleuchten Den übrigen Theil anlangend, so hat mich desten Bornirtheit nicht überrascht; denn ich lernte Herrn Schaarschmidt vor mehr als einem Menschenalter in Berlin in einer uns beiden befreundeten jüdischen Familie kennen — so erwidern solche Menschen die ihnen geschenkte Gastfreundschaft — wo er, als Gläubiger und Enthusiast, an der damals in Mode gekommenen Tischrückerei sich betheiligte, womit die aufgeklärten Mitglieder der Familie sich nur zum Scherz unterhielten. Wir lachten damals über den jungen Philosophen. In seiner Recension meiner Schrift hat er nun bewiesen, daß er wohl älter, aber nicht um ein Haar weiser geworden und so das Sprichwort vollkommen an ihm sich bewährt: „Es ging ein Gänschen wohl über den Rhein „Und kam als Gänserich wieder heim." Als eine Verleumdung aber muß ich es bezeichnen, wenn er sich erdreistet zu sagen, ich habe, nach Art der jüdischen Literaten — zu diesen, Herr Schaarschmidt, zähle ich überhaupt nicht, ich bin wie Sie, Fachmann, nicht Literat — „verächtliche Seitenblicke auf's Christenthum" geworfen. Ich habe das Gute daran hervorgehoben (S. 80), und was ich für Mängel halte, offen ausgesprochen (S. 81). Nur ein Mann seines Gelichters wird das als „verächtliche Seitenblicke" bezeichnen. Und nun hoffe ich, fertig mit ihm zu sein. Sollte er aber erwidern, dann dürfte er zu seinem Schaden finden, daß ich „trotz meiner, mehr als 60 Jahre", noch meinen Mann zu stellen vermag. vr. David Äsher. leton. wurf, gegen jeden Tadel überaus empfindlich zu sein, und jeden solchen ärgerlich abzuweisen. Durch den Abdruck dieses dritten Artikels liefern wir einen Gegenbeweis. Es kommt nur darauf an, den Zweck und die Tendenz zu sehen, welche in den Vorwürfen und Rügen verfolgt werden! Wo wir j Billigkeit und Wohlwollen gewahren, werden wir auf den