Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 43 (20.10.1885)
- Date
- 1885-10-20
- Page
- Seite 692 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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692 In Bosnien und der Herzegowina wurden im Jahre 1879 bei der ersten Volkszählung 1158440 Einwohner gezählt, bei der vor einigen Wochen abgeschlossenen Volkszählung 1336091 Einwohner. Nach den Confessionen vertheilt, welche ja in Bosnien und der Herzegowina wie im ganzen Orient die Grundlage für die Gruppirung der Bevölkerung und der Gesellschaften bilden, stellen sich die Hauptziffern der beiden Volkszählungen folgendermaßen: Bewohner 1879 1885 Mohamedaner 448 613 492 710 Orthodoxe (meist Serben) 496 761 571 250 Katholiken (meist Croaten) 209 391 265 788 Juden 3426 5 805 Andere 248 538 Wien, 10. Oct. Die Antisemiten Schoenerer, Fliegel und Tuerk bildeten einen besonderen parlamentarischen Klub unter dem Namen: „Verband der Deutsch-Nationalen", mit dem Programm: Sicherung nationaler Eigenart und der deutschen Sonderstellung in Galizien; Befestigung des Bündnisses mit Deutschland durch einen Staatsvertrag; wirthschastliche Reformpolitik nach dem Vorbilde Bismarck's; Börsensteuer; Beseitigung des jüdischen Einflusses auf allen! Gebieten des öffentlichen Lebens.! (Das lateinische Sprichwort sagt: „Drei machen ein j Collegium" — warum sollen also drei Abgeordnete nichts ein Fractiönchen bilden, nur daß dieses fich nicht einbilden! darf, irgend einen Einfluß üben zu wollen. Aber es gittj diesen Leuten vor Allem, sich bemerklich zu machen.) > Pest, 10. October. Im Abgeordnetenhause interpellirte der Antisemit Komloffy wegen der gesetzlichen Fixirung des Stefanstages als eines allgemeinen christlichen Nationalfestes gegenüber den bereits im Parlament dominirenden Juden! und Freimaurern. (Diese letzte Frage erinnnert uns an den > alten Spruch: „Ein Narr kann mehr fragen, als zehn Weise beantworten können.") Rußland. Moskau, 7. October. Der „Moskauer Zeitung" zufolge nimmt die Pahlen'sche Judencommission ihre Sitzungen zu Anfang October a. St. wieder auf. An denselben werden nunmehr die Senatoren Mordwinort und Polowtzew sich betheiligen. Odessa, im September. (Privatmitth.) Am nächsten Chanukafeste werden es fünfundzwanzig Jahre, daß unser Prediger und Stadtrabbiner vr. Schwabacher hierher berufen wurde. Wir erinnern uns noch ganz genau, wie vr. Schwa-! bacher hierher kam, wie er seine Antrittspredigt hielt und mit > Welchem Jubel er hier empfangen wurde. Die Stellung eines solchen Mannes am hiesigen Orte ist eine so eigenthümi liche und bedarf so mannigfacher Eigenschaften, daß wir wohl j hier bei dieser Gelegenheit etwas darüber sprechen können, | wenn auch mit aller Reserve. Wir bezwecken damit zugleich, unsere Gemeinde darauf aufmerksam zu machen, daß es recht und billig, sein 25 jähriges Jubiläum würdig zu begehen j und ihm ein sichtliches Zeugniß der Erkenntlichkeit an seinem Festtage zu geben.! Die hiesige intelligente und gebildete Gemeinde, die wir > mit Recht als eine Mustergemeinde in Rußland bezeichnen; können, wird, wir sind es überzeugt, blos dieser Andeutung! bedürfen, um ein Festcomit6 zu constituiren. j vr. Schwabacher gehört unstreitig zu den hervorragendsten! Rabbinern Rußlands. Sein reiches Wissen, seine glänzende! Beredtsamkeit, sein großes oratorisches Talent fesseln alle Zuhörer. Schreiber dieses, der während seines mehrjährigen Aufenthaltes in Deutschland vielfache Gelegenheit hatte, große Redner zu hören, gesteht offenherzig, daß unser Prediger zu den besten zu zählen ist. Im Laufe seiner 25 jährigen Amtsthätigkeit hat vr. Schwabacher sich immer bemüht, das Rabbinat würdig zu vertreten. Außer seinen vielen Predigten war er auch schriftlich thätig; wir erinnern hier an seine „Drei Gespenster", das „Memoire über die Lage der Juden in Rußland", „Großvater, Vater und Enkel", „Der Kaiserpark", „Von Heliopolis nach Berlin" und andere seiner Schriften. Sein glänzender Stil, der scharfe Witz, die treffenden Bemerkungen, die schwungreiche Sprache spannen stets das Interesse des Lesers. Werfen wir noch einen Blick auf seine Thätigkeit als geistliches Oberhaupt einer der größten jüdischen Gemeinden in Rußland, so nehmen wir wahr, daß er auch in dieser Hinsicht viel geleistet hat. Ja, die Männer, die damals an der Spitze der Gemeinde standen, und von Denen die Meisten schon längst der kühle Rasen deckt, waren sich wohl bewußt, als sie den 40jährigen Schwabacher von Lemberg hierher beriefen. Seine erste Amtsthätigkeit, bevor er noch als Stadti rabbiner von der hohen Behörde bestätigt wurde, war die I Einweihung der Hauptsynagoge. Unter seiner Aegide entstand der Handwerkerverein „Trud", dem er viele Jahre als Präsident Vorstand und dem er heute noch als Ehrenmitglied; angehört. Er war es auch, der den gewesenen Minister der Volksaufklärung Grafen Tolstoy, jetzigen Minister des Innern, > im Tempel mit einer trefflichen Ansprache begrüßte. — In würdiger und feierlicher Weise vollzog er den religiösen Akt der Weihe des neuen israelitischen Hospitals, des Waisenhauses, wozu er den ersten Impuls gab, des Asyles für Greise, (gestiftet zum 25 jährigen Regierungsjubiläum des verewigten , Kaisers Alexander II., des Wohlthäters unserer Glaubens-