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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-10-20 · Heft 43 (20.10.1885) · p. Seite 689

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 43 (20.10.1885)
Date
1885-10-20
Page
Seite 689 (sequence 9)
Language
German
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689 ber c. wird die Abonnentenliste geschloffen; daher bis dahin noch etwaige Beitrittserklärungen mit dem Jahresbeitrag von 10 M. an den Unterzeichneten gerichtet werden mögen. Die Zahl der Mitglieder hat die Höhe von 400 überschritten. Zum festen Fond find außer den bereits früher verzeichneten Beiträgen noch eingegangen: von Herrn I. Zeitlin aus Dresden 400 Francs und durcb Dr. Harkavy in Petersburg gesammelt mehr als 1300 Rubel. Bon der Anstellung besonderer Agenten oder Commissionäre für den Verein ist deshalb Abstand genommen worden, weil bei sonst unbekannten Personen nicht immer genügende Garantie für die Sicherheit geboten ist. Außerdem würden hierdurch der Vereinskaffe nicht unbedeutende Abzüge entstanden sein, wie in einem einzigen Falle, wo das Jnkaffo durch eine Buchhandlung in Paris besorgt werden mußte, dafür 25 pCt. zu entrichten waren. Der Verein wird durch seine Leistungen allein immer mehr an Ausbreitung zu gewinnen streben, Dr. Berliner. Berlin, 8. Oktober. (Privatmitth.) In - der Haupt- und Residenzstadt des deutschen Reiches ist der Kampf zwischen den Nativnalliberalen und Deutschfreisinnigen aufs Heftigste getreten. Ueber alles dies hat gestern in einer Versammlung der liberalen Wähler der Stadtbezirke 31—34 und 50—53 Herr Parisius eine ausführliche Rede gehalten, in welcher er natürlich den Standpunkt der Freisinnnigen festgehalten. Frankfurt a. M., 9. October. (Privatmitth.) Die Einrichtung, daß in denjenigen öffentlichen Schulen, welche von einer größeren Zahl jüdischer Schüler oder Schülerinnen besucht werden, ein jüdischer Religionsunterricht und zwar auf Kosten der Stadtschulkaffe hergestellt wird, verbreitet sich in den preußischen Städten immer mehr. So hat der hiesige Magistrat die Bewilligung der für diesen Zweck erforderlichen Mittel für die Humboldtschule, die von 53 israelitischen Schülerinnen besucht wird, einer Zahl, die sich voraussichtlich noch steigern wird, genehmigt. Allerdings wird auf diesem Wege der Religionsunterricht der jüdischen Jugend sehr zersplittert, da natürlich z. B. diese 53 Schülerinnen nicht auf de: selben Schulstufe sich befinden und daher nicht zusammen unterrichtet werden können. In anderen Städten hat man deshalb versucht, die jüdischen Zöglinge mehrerer Schulen zu combiniren, was stets bei dem verschiedenen Stundenplan entbrannt und merkwürdiger Weise bildet der Antisemitismus j jeder Schule viele Schwierigkeiten macht. Beiläufig ist zu und deffen Bekämpfung oder Beförderung einen Hauptstreitj bemerken, daß durch diese Einrichtung eine größere Zahl Punkt zwischen den beiden feindlichen Brüdern. Die Nativ-- jüdischer Religionslehrer erforderlich wird, was selbstverständlich nalliberalen werfen den Freisinnigen vor, daß sie künstlich für den Lehrerstand sehr zuträglich wird, weshalb man aber den Antisemitismus nährten, um die jüdischen Wähler abzu-, auch bedacht sein muß, die Zahl der Präparanden zum jüdihalten, ihrer Neigung zu folgen und sich der Mittclpartei! scheu Religionsunterricht möglichst zu vermehren, anzuschließen. Die Freisinnigen hingegen beschuldigen die Oberingelheim, 29. September. (Privatmitth.) Die Nationalliberalen, dem Antisemitismus Vorschub zu leisten, Generalversammlung der Achawa, die gestern im da sie sich bei den Wahlen den Conservativen anschlöffen Realschulgebäude der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt und in Siegen Stöcker ins Parlament gebracht hätten. Es am M. stattfand, war gut besucht. Aus dem Berichte des wäre nur Schein, wenn sie jetzt die Wiederwahl Stöckers zu hintertreiben vorgäben. Diese Streitfrage gegenwärtig zu entscheiden, ist wohl unmöglich! Erst die Wahlen selbst werden Antwort geben. Man darf auch nicht vergessen, daß die Nationalliberalen, eben weil sie eine Mittelpartei bilden, nicht an allen Orten gleichmäßig sich verhalten. In Breslau z. B. haben sie sich abermals mit der streng conservativen Partei für die dortigen Wahlen vereinigt. Wie sie sich nach den örtlichen Verhältnissen richten, so möchte dies auch in Berlin der Fall sein. Nichts ist beklagenswerther, als daß die liberale Partei in zwei so feindlich gesinnte Lager zerfallen ist, was den Niedergang des Liberalismus und die Obmacht der klerikalen conservativen Partei in Deutschland ebenso Hervorbringen wird, wie es in Belgien schon geschehen und wie es in Frankreich nahe zu sein scheint. Uebrigens hat der Umstand, daß Stöcker innerhalb der conservativen Partei über seine Gegner gesiegt hat, die „Nordd. Allg. Ztg." bewogen, sich wieder dieser zu nähern und den Nationalliberalen wieder den Rücken zu kehren. Hiermit ist auch ihre Gegnerschaft gegen den Antisemitismus wieder in den Hintergrund Vorsitzenden entnehmen wir, daß die Zahl der activen Mitglieder auf 250 angewachsen ist. Die Zahl der Ehrenmitglieder ist nahezu 600, wovon jedoch wohl über 500 in Frankfurt selbst wohnen. 0 Außer den aus dem Nachlaß des verstorbenen Lehrers Heßlein in Bamberg bereits ausgegezahltcn 5000 Mark (nach Abzug der Erbschaftssteuer 4555 Mark) sind uns von demselben noch 2000 Mark im Testamente zugesichert, die wir später bekommen werden. Aus Antrag des Präsidenten beschloß die Versammlung, die Namen der Männer, welche in der jüngsten Zeit uns so bedeutende Summen zugedacht, — des Dr. Odrcll ans Frankfurt a. M. und Lehrer Heßlein aus Bamberg zum ehrenden Andenken als ewige Mitglieder alljährig im Berichte aufzusühren. Die Debatte drehte sich abermals um die oft ventilirte Frage: Ob Pensions- oder Untcrstützuiigskasse? Insbesondere die Herren Amram aus Zwesten und Triefen 1) Außer Fianksuit -e'chnet sich insbtsendcre Tüss ldorf di::ch viele (3t) Ehrenmitglieder aus, was wir der anerkennenswerthen energiscten Thäugken des Rabtiners Herrn Dr. Wcdtll verdanken. 43

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