Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 43 (20.10.1885)
- Date
- 1885-10-20
- Page
- Seite 687 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3227555-3227599--43010-3311618- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
687 wer ist berechtigter Factor, um zu erklären, was jüdische! 96 — mittheilt, ist uns nunmehr zugänglich geworden und Religion ist; und wer als Lehrer zur Erlheilung des Unterrichtes qualificirt ist? Kann man auf die Dauer, wie bisher, die Gemeindevorstände als Aufsichts-Behörden betrachten, die aus Männern zusammengesetzt sind, die im besten Falle nach ihrer socialen Stellung und persönlichen Würdigkeit, keineszwar in seiner authentischen Gestalt. Daß der bekannt gewesene, seit 1522 nicht weniger als 22mal gedruckte') Tanchuma mit dem von Raschi, Jalkut und vielen Anderen angeführten Tanchuma ebenso wenig wie mit dem von dem Vers, des Aruch citirten Tanchuma-Jelamdenu identisch ist, Wegs aber nach ihren sachlichen Kenntnissen gewählt sind? .hat Zunz bereits im 12. Kap. seiner „gottesdienstlichen Bor- Die jüdische Gemeinde ist eine staatlich anerkannte Corpo-1 träge" — das ganze Kapitel wurde von Herrn Buber am ration. Sie hat das Recht, zu ihrer Erhaltung von ihren Schluffe der Einleitung (S. 202—212) ins Hebräische über- Mitgliedern Beiträge einzuheben. Trotzdem hat der Ver-! setzt und mit kritischen Bemerkungen versehen — mit vielem waltungs-Gerichtshof erkannt, daß sie nicht berechtigt ist sie Scharfsinn herausgefunden. Der TanchumaJelamdenu ist verloren gegangen; der längst gedruckte Tanchuma lehnt sich seinem Inhalte und seiner Eintheilung nach an den Tanchuma, der um die Mitte de^ 4. Jahrhunderts von R. Tanchuma bar Abba, wahrscheinlich in Antiochia, verfaßt und nach 1500 Jahren jetzt von Herrn Buber zum ersten Male der Oeffentlichkeit übergeben wurde. Der Midrasch umfaßt Homilien über sämmtliche Sidras des Pentateuch, von denen sehr viele mit der Formel: „So eröffnete R. Tanchuma b. Abba seinen Vortrag", oder mit der Formel ir:*. eine Frage über Ritualien aufwirst und beantwortet. Sonderbar ist, daß die Homilien gegen Ende des 4. B. Mos. und zum 5. Mos. im Vergleich zu denen der übrigen Bücher weniger umfangreich und fast defect sind; von den meisten Homilien des 5. B. Mos. läßt sich mit ziemlicher Gewißheit annehmen, daß sie nicht vollständig uns erhalten blieben. Die neue Tanchuma - Ausgabe, welche Herr Buber auf Grund einer Handschrift der Bodleiana und mit Benutzung acht anderer Handschriften, die er, keine Mühe und Opfer scheuend, theils kommen, theils copiren ließ, ist mit vieler Sachkenntniß und mit dem hingebenden Fleiße bearbeitet, den wir schon stüher bei der Herausgabe der „Pefikta d' Rab Kahana" und des „Lekach Tob" zu bewundern Gelegenheit Midrasch Tanchuma. Ein agadischer Commentar zum j hatten. Wie tief Herr Buber in das innerste Wesen des Pentateuch von R. Tanchuma ben R. Abba. Zum ersten Midraschgeistes eingedrungen und wie heimisch er in der ge- Male nach Handschriften aus den Bibliotheken zu Oxford, fammten Midraschliteratur überhaupt ist, beweist am deutlich- Rom, Parma und München herausgegeben. Kritisch bearsten der Commentar, der dem Texte hinzugefügt ist und der beitet, commentirt und mit einer ausführlichen Einleitung uns über die Stellen belehrt, in welchen die verschiedenen versehen von Salomon Buber in Lemberg. 3 Bände. Handschriften von einander abweichen, der gedruckte Tanchuma zu erzwingen. Sollten also nicht die obersten Staatslenker gerade in ihrem eigensten Jntereffe es wünschen, eine klare Norm für ihr Vorgehen zu besitzen? Wir haben 12 Vertreter des Judenthums im Reichsrathe; davon ist einer Rechtslehrer, einer Rabbiner. Auch im Herrenhaus sitzt ein durch persönliche Ehrenhaftigkeit und Anhänglichkeit an das Judenthum ausgezeichneter Mann. Wir könnten also erwarten, daß die Frage in Fluß kommt. Ob aber nicht diesmal wie immer die Juden das Streben haben, sich von ihren eigenen Angelegenheiten zurückzuziehen, um zu bezeugen, daß sie nicht als Vertreter des Judenthums in den Reichsrath gewählt sind, ob nicht ihr Stolz, trotz des Judenthums an so hervorragender Stelle zu stehen, dazu beitragen wird, das Jntereffe ihrer Glaubensgenoffenschaft, der bureaukratischen Sucht, alles über einen Kamm zu scheeren, zum Opfer zu bringen, das müssen wir aus guten Gründen der Zukunst überlassen. G. D. Pest, den 22. September. Literarischer Wochenbericht. mm 'B'D'n rx-cr. xm-i zv-,pnc. m z trv Wilna, Wittwe und Gebrüder Romm. 1885. 8. Dieses wichtige Werk, dessen Erscheinen bereits vor zwei Jahren von uns angekündigt und längst erwartet wurde. mit dem neuen oder vielmehr ursprünglichen übereinstimmt, und wo die einzelnen Aussprüche in anderen Midraschwerken sich finden. Auch die im Texte angeführten Bibelstellen werliegt nun im Umfange von über 900 Seiten vollständig vor. den mit großer Genauigkeit verzeichnet und sämmtliche darin Der älteste Midrasch, der, wie der Herausgeber nachweist, vorkommenden Fremdwörter, die, über 900, in der Einleitung älter als der babylonische Talmud ist und allen späteren S. 62—72 alphabetisch geordnet sind, erklärt. Schriften auf diesem Gebiete als Quelle gedient hat, der M. Tanchuma, welchen Raschi so oft anführt und aus dem besonders der Berf. des Jalkut ca. 708 Auszüge — s. das betreffende Berzeichniß in Kap. 12 der Einleitung, S. 91— Ausgabe besorgte. Die bereits mehrfach erwähnte, 212 Seiten umfassende 1) Die Ausgabe Prag 1612—1613 ist von demselben Jakob Bak b. Gerschom aufgelegt, der auch die Verona 1595 gedruckte Tanchuma-