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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-10-13 · Heft 42 (13.10.1885) · p. Seite 677

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 42 (13.10.1885)
Date
1885-10-13
Page
Seite 677 (sequence 13)
Language
German
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677 den nach Gerechtigkeit und Humanität strebenden Regenten! ab für die Wichtigkeit der Familie. Ja, selbst das Grund. der neuesten Aera folgt ein Ukas über die Juden dem andern! eigenthum war eigentlich Familienbesitz, der einzelne Ursprünge und jeder greift gewaltsam in das Lebensschicksal von Taufenlich nur Nutznießer, denn Verkäufe von liegenden Gütern den ein. Bald wird ihnen das Recht verschränkt, ländlichen galten nur bis höchstens 50 Jahre; bei dem jedesmaligen Grundbesitz zu kaufen, bald sollen sie keine Schänken halten, allgemeinen Jubeljahre kehrten sie alsdann in den Besitz der bald nicht auf Dörfern wohnen, bald in den Grenzprovinzen; Familie zurück, welcher sie ursprünglich angehört hatten. so und so viel Werft von der Grenze ins Innere über- Darf man als dritten hervorstechenden Charakterzug den siedeln u. s. w. Es fehlt ja nicht an plausibeln Gründen Handelsgeist hinzufügen? Ich glaube nicht, wenigstens nicht für alle solche Machtgebote: da haben Juden die überschuldeten Güter verschwenderischer Edelleute zur Subhastation gebracht, da haben sie die Bauern im Schnapstrinken bestärkt und im Handel übervortheilt, da haben sie den Schmuggel begünstigt oder selber betrieben. Alles wahr, alles freilich nicht mehr, als was auch viele rechtgläubige Russen zu thun kein Bedenken tragen. Fragen wir nun: wie mußte sich unter solchen Berbältnisien der Charakter der Juden gestalten? So ergibt sich zunächst die Vorfrage: welche Anlagen, welche Charakterzüge brachten sie von ihrer Väter Zeiten nach jenen Ländern mit? Hier sind es vor allem zwei hervorstechende Züge, die mit demselben Rechte, wie die beiden vorigen. Sieht man ab von den Berichten über Salomos Verbindungen mit dem fernen Osten und Süden, so finden sich meines Wiffens in den Büchern des alten Testaments keine Angaben über weitreichende und umfangreiche Handelsunternehmungen des jüdischen Volkes. Auch sehen wir einen frühzeitig und entschieden entwickelten .Handelstrieb doch fast nur bei Völkern, welche ein langgestrecktes Küsten- oder Jnselland bewohnen. So sind die Phönizier, dann die Griechen, und in der Neuzeit die Holländer und Engländer .Handelsvölker geworden. Das Land der Juden aber war vom Meere abgeschnitten, es hatte nicht einmal große Ströme und war uns die Geschichte des Judenthums seit alten Zeiten über-! umgeben von feindlichen Nationen. Tie Juden waren von liefert: eine tiefgewurzelte Anhänglichkeit an ihre Religion > Hause aus Ackerbauer, sie wurden erst Handelsleute, als sie und ein starker Stammes- und Familiensinn, beide mit allen zerstreut unter Fremden wohnten, wo ihnen rechtlich und thatihren Consequenzen. Die mosaische Religion war Volksreligion, sie war die einzige monotheistische des ganzen Allerthums, sie hielt sich frei von allem Bilderdienste, ihr Jehova (Jahveh) war der reine Repräsentant des Sittengetzes, gegenüber den vielgestaltigen Verkörperungen der Naturkräfte, wie sie sich bei den sächlich die Möglichkeit fehlte, Landban zu treiben. Immerhin waren sie es im Mittelaller zur Zeit ihrer Austreibung aus Deutschland nach dem Osten bereits geworden. Wie mußte nun auf ein so geartetes Bolksthum der Jahrhunderte lange Aufenthalt unter den noch so wenig cultivirten Polen, Rusien, Magyaren und Rumänen wirken? andern Religionen als Gottheiten finden. Diese Religion j Offenbar in der Weise, daß alle jene Charakterzüge sich noch schied also nicht nur die Israeliten von allen übrigen Völkern, schärfer ausprägten! sondern sie gab ihnen auch durch die größere Reinheit ihres! Die römische, wie die griechische Kirche, von denen die Inhalts eine gewisse Berechtigung, sich als „das Volk Gottes"! Juden sich umgeben sahen, mit ihrem äußerlichen Gepränge, über die Heiden (Gojim) erhaben zu dünken, so wie die ihrem Bilderdienste, ihrer Madonnen- und Heiligenvcrehrung Hellenen auf Grund ihrer überlegenen Geistesbildung alle widerstanden den Juden. übrigen Völker als Barbaren tief unter sich stellten. Hierzu! Auch die reine Lehre des Evangeliums von der Bruderkam noch die theokratische Verfassung des Staats und das liebe! Aber was spürten denn die verachteten, geknechteten, Prophetenthum, welche nicht wenig dazu beitrugen, dem religelegentlich vergewaltigten Juden von dieser Lehre? An den giösen Moment eine entscheidende Bedeutung zu geben, wie Früchten konnten sie da den Baum der Liebe wahrlich nicht wir sie kaum bei einem andern alten Culturvolke sehen. erkennen! In zweiter Reihe finden wird das Band der Familie So finden wir denn bei den Juden der osteuropäischen von ungewöhnlicher Stärke bei den Juden. Ein Erbe aus Länder zunächst die Religiosität auf die Spitze getrieben und den alten patriarchalischen Zeiten, wurde es geheiligt durch ausgeartet zur Bigotterie, ja bisweilen zum Fanatismus. Die das religiöse Gebot der Ehrfurcht vor Vater und Mutter! Sabbathfeier wird mit einer Strenge beobachtet, welche die und gefestigt durch die Einthcilung des Volkes in Stämme; Puritaner weit in den Schatten stellt. Kein Geld darf anwaren doch diese nichts anderes, als erweiterte Familien, da gerührt, kein Fuhrwerk bestiegen werden. Wer die Sache von sie ihren Ursprung auf einen gemeinschaftlichen Ahnherrn der humoristischen Seite dargestellt sehen will, lese Bernstein» zurückführten. Auch das Priesterthum der Leviten, das in der Erzählung „Vögele der Maggid". Alle Gebete mit dem dazu Familie Davids erbliche Königthum und der Glaube an den gehörigen Ceremoniell, die Fasten und Speisegcsctze werden aus diesem Geschlechte zu erwartenden Messias legen Zeugniß mit buchstäblicher Genauigkeit geübt, selbst auf Kosten der

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