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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-10-13 · Heft 42 (13.10.1885) · p. Seite 674

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 42 (13.10.1885)
Date
1885-10-13
Page
Seite 674 (sequence 10)
Language
German
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674 haben. Die Commission soll demnächst ihre Thätigkeit beginnen. Amerika. Kansas City, (Mo) 7. Sept. (Privatmitth.) Freitag nnd Samstag, den 4. und 5. d. M., beging die hiesige Gemeinde B'nai Jchuda die Einweihung ihres neuerbauten, mit einem Kostenauswande von 156 600 Doll, und im maurischen Style aufgcflihrten Tempels, der der jungen Gemeinde zu Ehre und der Stadt zur Zierde gereicht. Freitag Abend um 7 ' Uhr begann die Einweihungsfeier. Zuerst sprach Rabbi Jsaac Schwab aus St. Joseph (Mo) ein kurzes Gebet, dann übergab der Präsident der Gemeinde Herr Feinmann, der sich um das Zustandekommen des Baues große Verdienste erworben hat, den Schlüffe! des Tempels dem Gemeinde- Rabbiner Herrn Jos. Krauskopf, mit einer Ansprache, welche von dem Rabbiner erwidert wurde. Die Einweihungsrede hielt R. Jsaac M. Wise aus Cincinnati, worauf der Abendgottesdienst folgte. Sodann hielt noch Rabbi Henry Berkowitz aus Mobile (Ala) eine Rede und Rabbi S. H. Sonneschein aus St. Louis das Schlußgebet. Am Samstag predigte mit großem Beifall Rabbi Sonneschein über die drei Tempel, den der Religion, der Freiheit und der Unsterblichkeit. Abends fand im Vereinslokal „Progreß" ein großartiges Banket statt. Zum Schluß sei noch erwähnt, daß in unserm schönen Tempel eine großartige Orgel sich befindet, um deren Anschaffung sich besonders Herr M. Benas verdient gemacht hat. Die Einweihungsfeier wird allen Mitgliedern unserer Gemeinde unvergeßlich bleiben. I. L. H. Bonn, 4. Oktober. (Notizen.) Die „Medizinische Wochenschrift" berichtet: Die ophthalmologische Gesellsellschaft zu Heidelberg hat dem Augenarzt vr. Samelsohn in Köln (Israelit) einstimmig den Wclz'schen Gräfe-Preis für seine Arbeit über retrobulbäre Neuritis zugesprochen. Wir begrüßen diese Anerkennung um so mehr mit Genugthuung, als sich an den Namen des Autors eine Fülle werthvollster Beobachtungen und Detailforschungen knüpft. Der Preis wurde nach Gräfe's Tode vom verstorbenen Profeffor Welz in Würzburg gestiftet, um alle drei Jahre die in diesem Zeiträume im Gräfe'schen Archiv für Ophtalmologie erschienene neue, von den durch die ophthalmologische Gesellschaft gewählten Preisrichtern als beste anerkannte Arbeit zu prämiiren. Der Preis wurde bisher viermal vergeben, und zwar an Professor Leber in Göttingen, dann getheilt an Geh. Rath Weber in Darmstadt und vr. Knies in Zürich, dann an Profeffor v. Gudden in München und jetzt zuletzt an vr. Samelsohn in Köln. — Aus Astrowo wird uns berichtet-. Zum Nachfolger des verstorbenen vr. Freimann wurde Herr vr. Elias Pleßner, gegenwärtig Rabbiner in Rogasen, gewählt. — Aus Jglau (Mähren) wird mitgetheilt, daß der dortige Rabbiner, Herr vr. I. I. Unger, am Laubhüttenfeste sein 25 jähriges Amtsjubiläum feiert. — Aus Proßnitz wird geschrieben: Am Rüsttage des Jom Kippur wurde Herr vr. B. Porges, der verdienstvolle Director der hiesigen israelitischen Schule, zu Grabe getragen. Er arbeitete viele Jahre an einem Werke über die im Talmud vorkommenden Namen von Ländern, Städten, Flüffen, Bergen u. s. w, das durch seinen Sohn, Herr vr. N. Porges, Rabbiner in Carlsbad, hoffentlich dem Drucke wird übergeben werden. Bonn, 27. Sept. (Literarische Notizen.) Jberia. Bilder aus der spanisch-jüdischen Geschichte von vr.M. Levin, (Berlin, Dümmler 1865.) Gewiß ist die jüdische Geschichte aus der Zeit unter der maurischen und spanischen Herrschaft eine reiche Fundgrube für poetische Stoffe, und auch wir entlehnten ihr solche für erzählende Gedichte, Novellen und den Roman »Jakob Tirado." Aber wir halten es für einen Fehlgriff, aus dieser Geschichtsepoche nur die Mord- und Märtyrerszenen zu berücksichtigen, welche die Inquisition Jahrhunderte hindurch veranstaltete. Jene Zeit bietet bis 1492 so viele Momente geistiger Erhebung, intelligenter und gemüthvoller Größe, daß diese zu poetischen Gemälden die ergiebigsten Objekte und Situationen liefern. Den blutigen Henker stets vor sich zu sehen bei seiner Arbeit, und wie die schroffste Verletzung alles Rechtes und aller Menschlichkeit immer wiederholt sich vor uns abgespielt, selbst ohne die geschichtliche Vergeltung in Aussicht zu haben — das ist nur peinlich nnd stößt ab So gern wir deshalb die vorliegenden „Bilder" würdigten, vermögen wir es doch nicht, dem Berfaffer vorzuenthalten, daß er in dieser Sammlung erzählender Gedichte den eben bezeichneten Fehlgriff gethan habe. Es dringt aus ihnen, aus dieser ganzen Reihe von Verbrechen an der Menschheit uns ein Blut- und Modergeruch entgegen, der widerwärtig wird. Hierzu kommt die Einförmigkeit der reimlosen Trochäen, die durchgehends gewählt sind. Wir werden nicht einmal durch einen Reichthum poetischer Bilder und einen gewissen Schwung der Sprache entschädigt. — Die Gesellschaft des Etudes juives hat ihr Versprechen gehalten und das erste Heft des 11. Bandes für Juli bis September bereits im Anfang des Vierteljahres erscheinen lassen. Es beginnt mit einem Vortrage von Gaston Paris über die bekannte Parabel von den drei Ringen, in welchem der Redner die Umwandlung und Entwickelung der Parabel bis einschließlich Lessing recht klar darstellt. Hild setzt „die Juden vor der römischen Meinung" und I. Halevy seine biblischen Untersuchungen über einige biblische Ausdrücke fort, von denen besonders die über Beer Scheba interessant ist. Gaullieur giebt „Noten über die Juden in Bordeaux" und Emile Levy „die Juden von Metz und die Stadt Berdun im Jahre 1748." Die Metzer Juden suchten die Erlaubniß

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