Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 42 (13.10.1885)
- Date
- 1885-10-13
- Page
- Seite 672 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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672 rath der Regierungsassessor vr. David Meyer beim Berwaltungshof. (Derselbe ist auch Mitglied des Großh. Oberraths der Israeliten.) Ausgezeichnet wurden: Oberrath Benjamin Millstätter in Karlsruhe mit dem Eichenlaub zum innehabenden Ritterkreuz erster Klaffe des Zähringer Löwenordens; der Vorsitzende des Synagogenrathes in Mannheim, David Feist Aberle, mit dem Ritterkreuz zweiter Klasse des Zähringer Löwenordens; der israelitische Religionslehrer David Keller in Jttlingen mit der kleinen goldenen Verdienstmedaille. Erwägt man, daß vor wenigen Monaten auch dem israelitischen Hauptlehrer Samuel Heimberger in Königbach die kleine goldene Verdienstmedaille, im vorigen Jahre dem Bezirksrabbiner vr. Sondheimer in Heidelberg das Ritterkreuz erster Klasse des Zähringer Löwenordens, und dem israel. Hauptlehrer Mayer Friedmann in Hofferheim gleichfalls die kleine goldene Verdienstmedaille verliehen wurde, so sehen wir neben anderen auf weltlichem Gebiete wirkenden Glaubensgenossen in kurzer Zeit eine stattliche Zahl von Männern decorirt, welche durchaus oder in hervorragender Weise auf jüdischreligiösem Gebiete zu wirken berufen sind. Diese Wahrnehmung wird innerhalb unseres Landes ermuthigend und fördernd wirken auf alle, welche in erster Reihe für die Pflege der religiösen Interessen der Gesammtheit einzutreten haben, ohne Zweifel aber wird sie auch in weiteren Kreisen als erfreuliche und erhebende Thatsache begrüßt werden. Bon dem erbgroßherzoglichen Paare sind unter vielen Deputationen auch Vertreter der badischen israelitischen Religionsgenoffenschaft,nämlichdieHerren Oberrath Willstätter,vr.Mayer, Stadtrabbiner vr. Schwarz und Stadtrath Bielefeld in Karlsruhe, zur Beglückwünschung huldvollst empfangen worden. Witten, 3. October. Unsere Stadt hat nunmehr den zweifelhaften Vorzug, der Brennpunkt der antisemitischen Bewegung der ganzen Provinz Westfalen und des Niederrheins zu sein, denn der hiesige Antisemitenhäuptling, Herr vr. König. hat es verstanden, alle Genossen im Hetzen gegen die Israeliten zu übertreffen. Hierbei hat ihm sein Freund, der paraguay'sche Bauerngutsbesitzer Herr vr. Förster, wacker unterstützt. Die antisemitische „Reform", welche bis jetzt in Dortmund im Verlage des ultramontanen Druckers Gockel! erschien und von diesem auch (angeblich) redigirt wurde, wird! nunmehr in Witten gedruckt. Als Herausgeber und Redacj teur steht der Strumpfwirker Kayser aus Dortmund auf dem! Blatte verzeichnet, der eigentliche Redacteur ist jedoch Herr vr. König hier. Damit dem Volke mehr als einmal antisemitische Kost vorgesetzt werden könne (die „Reform" erscheint nur wöchentlich), hat Herr vr. König noch ein Organ, die „Wittencr Volkszeitung", ins Leben gerufen, die vorläufig dreimal, später aber, wenn „Abonnenten in genügender Anzahl vorhanden", täglich erscheinen soll. Das Blatt soll im conservativ-antisemitischen Sinne wirken. > Oesterreich-Ungarn. I Wien, 28. September. (Privatmitth.) In Nr. 39 veröffentlichen Sie nach einem amerikanischen Blatte die Mittheilung, daß Mr. Keilley deshalb hier als Gesandter abgelehnt wurde, weil seine Frau Jüdin sei. Ich gestehe aufrichtig, daß man hier bisher von diesem Grunde nichts gehört hat. j Die Ursache war, wie glaubhaft versichert wird, folgende: Mr. Keilley, ein Ultramontaner vom reinsten Wassers, nannte; vor einiger Zeit den König von Italien einen Kirchenräuber. Da nun Oesterreich mit Italien in Frieden lebt, so hält man es nicht für angemessen, diesen Herrn hier als Gesandten j zu acceptiren. Unser Kaiser hat es übrigens wiederholt aus-! gesprochen, erst jüngst bei Gelegenheit des Empfanges der j bosnischen Deputation, unter welcher sich der Rabbiner Finzi! zu Serajevo befand, daß ihm das Wohl aller Confeffionen! am Herzen liege. In Kremsier richtete sogar die Kaiserin j freundliche Worte an die jüdischen Deputationen, j Die gestrige Kaiser!. Wiener Zeitung brachte die Er-! nennung des vr. Wilh. Jerusalem zum Professor am akade- ) mischen Gymnasium zu Wien und des Herrn Alois Kornitzer i zum Professor am Gymnasium Nicolsburg. Beide Herren! sind Juden und hat deren Ernennung in der jetzigen Zeit gewissermaßen besondere Bedeutung. i Der Präses der israelitischen Cultusgemeinde, Herr Moritz! Ritter von Borkenau, hat im Frühling eine schwere Krankheit! überstanden und mußte deshalb im Sommer verschiedene; Curplätze besuchen. Er ist jetzt vollkommen hergestellt wieder j zurückgekehrt. Verschiedene Fragen, die in der Schwebe sind, I werden nun wohl zur Lösung gebracht werden, j Pest, 26. September. Bekanntlich hat sich die Antise- I mitenfraktion gctheilt. Die gemäßigt oppositionelle Antii'emitenj Partei hielt nach der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses < ihre erste Conferenz, in welcher das von uns in Nr. 36 verl öffentlichte Programm en bloc angenommen wurde. Die! Constituirung wird in der nächsten Conferenz erfolgen. Pest, 1. Oktober. Jstoczy interpellirte im Unterhause unter heftigen Ausfällen gegen die jüdischen Schankrcgalicn- Pächter die Regierung betreffs Ermöglichung der gesetzlichen Expropriation des Regalrechtes durch die Gemeinden. Krakau, 29. September. Im Prozeß Moses Ritter wurden in Krakau sämmtliche drei Angeklagte einstimmig der Ermordung der Christenmagd schuldig gesprochen und zum Tode verurtheilt, somit zum dritten Male. Bei der Urtheilsverkündigung erfolgte heftiges Zischen im Auditorium. Der j Bertheidiger meldete sofort die Nichtigkeitsbeschwerde an. Wer i dem Verlaufe der Verhandlungen folgte, kann kaum zweifel- I Haft sein, daß das Urtheil abermals vom obersten Gerichte 1) Auch aus amerikanischen Berichten erfahren wir, das; Keilley der Präsident des ultramontansteu Vereins in N. A. ist. Mit dem Judenthumc seiner Frau wird es wohl nicht weit her sein.