Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 42 (13.10.1885)
- Date
- 1885-10-13
- Page
- Seite 671 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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671 Partei gegenüber über ihren Candidaten verständigen werden, wobei selbstverständlich derjenige Candidat obsiegen wird, der die meisten Wahlmännerstimmen für sich hätte. Von dieser Seite her werden die bevorstehenden Wahlen zu mancherlei Beobachtungen Gelegenheit geben. Berlin, 4. Okt. (Privatmitth.) Innerhalb der großen conservativen Partei gehen sonderbare Dinge vor, die unsrer Beachtung nicht entgehen dürfen. Wir brauchen in dieser Zeit, nicht erst hervorzuheben — woran schon so oft erinnert worden — daß die „Krcuzzeitung" die eigentliche Urheberin des antijüdischen Geistes und seiner Verlautbarung in Deutschland war und ist, da sie schon 1649 anfing, die heftigsten Jnvectiven gegen die Juden Tag für Tag zu bringen, und dies durch alle Jahrzehnte ihres Bestandes bis zum heutigen Tage fortgesetzt hat. Wird es einmal ruhiger um die Juden, so kann man darauf rechnen, daß die „Kreuzzeitung" um so heftiger gegen sie losbricht. Die „Kreuzztg." geht dabei von der Ansicht aus, daß sie gerade für ihren und 9946 von jüdischen Eltern geboren; 54 770 gingen aus evangelisch-katholischen und 439 aus christlich-jüdischen Mischehen hervor. — Unter den Berliner Conservativen geht es heiter zu: zwei „C. C. C.", der eine unter Jrmer, der andere unter Cremer. Stöcker möchte es mit Beiden halten, aber der Crcmer'sche srägt ihn, mit wem er es halten wolle? und darauf verspricht Stöcker, mit Jrmer es zu brechen. Beide rufen die Anhänger um Geld an, und warnen davor, dein anderen Verein Geld zukommen zu lasten. Alles dies sprach in derselben Weise Cremer offen in einer Versammlung eines neugebildeten Wahlvorstandes der Conservativen im zweiten Berliner Wahlkreise aus. Nun, die Wahlen werden zeigen, was aus allem dem herauskommt! — — Die „Boss. Ztg." bringt die Notiz, daß gerade vor 200 Jahren Berlin 17400 Einwohner gehabt, unter denen 51.00 Franzosen, nämlich Refugws gewesen, also zwischen einem Drittel und Viertel der ganzen Einwohnerschaft. Da- Judenhaß in ihrem eigenen und dann in weiteren conserva-i mals muß man doch keine Furcht gehegt haben, daß dadurch tiven Kreisen und schließlich in einem großen Theile des j Berlin französirt und das Deutschthum verdrängt werden ganzen deutschen Volkes Anklang finde, und dieses Schwefel-! würde. Und in der That, diese Furcht wäre thöricht gewesen: feuer nicht ohne Nahrung gelaffen werden dürfe, weil es sonst! Berlin ist nicht französirt, sondern allmählig sind diese Franerlöschen könne. Zu beachten ist nun der Kampf, der jetzt! zosen gute Deutsche geworden. Das war aber vor zwei zwischen der „Kreuzztg." und der Preste der „Freiconservaj Jahrhunderten — jetzt ist man anderer Meinung. Sollte das tiven", namentlich der „Schles. Ztg." ausgebrochen ist, und > Deutschthum empfänglicher geworden sein für fremde Eindrücke? für die Wahlen ein vollständiges Zusammengehen dieser beiden Wir glauben dies, gerade hinsichtlich unserer Zeit, nicht! conservativen Fraktionen nicht voraussetzen läßt. Der „Kreuzz.", j Mainz, 29. Sept. In der Nacht vom 26. dss. wurden die so thut, als ob sie felsenfest in ihren Grundsätzen sei, wird i auf dem alten israelitischen Friedhose ca. 16 Grabsteine umihre Wandelbarkeit vorgeworfen. Wie hat sie früher gegen ' gestürzt und größtentheils zerschlagen. Bis jetzt hat man den Reichskanzler gewüthet und Declarationen gegen ihn j eine Spur der Thäter noch nicht. (In der letzten Zeit veröffentlicht, wie ist sie vom radikalen Freihandel zum radij sind solche Frevelthaten an mehreren Orten geschehen, und kalen Schutzzoll, vom Monometallismus zum Bimetallismus , geben Zeugniß von der unter dem hierländischen Volke um gesprungen, und jetzt dringt sie, die hyperorthodox protestan-1 sich greifenden Rohheit. Einerseits gehört dazu die Vertische, auf enge Verbindung mit den Ultramontanen, und! einiqung mehrerer Uebelthäter, und hat die tobt gegen eine Annäherung an die Nationalliberalen. Der letztere Umstand ist es, der die Frciconservativen von der Kreuzzeitungspartei bei den Wahlen trennen wird, und dies würde an manchen Plätzen die Wahlen ungewiß gestalten. i einigung mehrerer Uebelthäter, und hat die dazu nöthige Arbeit gar keinen Nutzen für die Verbrecher; anderseits ist solches Gebühren die Frucht einer Pietätlosigkeit, die nickt einmal die Ruhestätten der Todten zu verletzen scheut. Eigenthümlich ist es, daß bis jetzt an keinem der bezüglichen Orte Man wird fragen, was gehen denn die Wahlen zum preußi-; die Thäter ermittelt worden, trotzdem die Vorsteher der schen Landtage die Allg. Ztg. d. Judenthums so viel an, jüdischen Gemeinden bedeutende Summen auf die Entdeckung daß sie sich mit ihnen so oft beschäftigt? . . Sehr viel inder Bösewichter ausgeschrieben.) teressiren sie uns. Würde die Mehrheit des Landtages Kreuz-! Aus Baden, 5. Oktober. (Privatmitth.) Anläßlich der zeitungsparteilich ausfallen, so können wir sehr nachdrücklichen j Vermählung unseres Erbgroßhcrzogs mit der Prinzcstin Hilda antisemischen Kundgebungen entgegensehen. Außerdem geben von Nassau wurden von Großherzog Friedrich viele Beförsie Zeugniß von dem im preußischen Volke gegenwärtig vorderungen vollzogen und eine Reihe von Ordensauszeichnungen herrschenden Geiste. und Medaillen verliehen. Von unserem Landesfürsten erwartet Berlin, 5. Oktober. Nach den Veröffentlichungen des Niemand anders, als daß dabei nach höchster Gerechtigkeit königl. statistischen Bureaus über die Geburten in Preußen! und echter Humanität verfahren wurde. Als besonders beim Jahre 1884 wurden dem Religionsbekenntniste nach j merkenswertst erscheint uns aber, in der amtlichen Liste folgen - 596719 Kinder von evangelischen, 338874 von katholischen den Namen zu begegnen: Befördert wurde zum Regierungs-