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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-10-13 · Heft 42 (13.10.1885) · p. Seite 670

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 42 (13.10.1885)
Date
1885-10-13
Page
Seite 670 (sequence 6)
Language
German
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370 zahl in jeder Sitzung des Verwaltungsrathes abgeändert werden." — Wir können uns nicht enthalten, diese Bestimmungen als zu bureaukratisch und die den Vereinen zu Gebote stehenden 'Arbeitskräfte allzu viel in Anspruch nehmend anzusehen. Jndeß wird die Praxis bei unseren praktischen amerikanischen Glaubensgenoffen bald das Ueberflüssige Hinwegräumen. Wir hoffen, daß die gedachte Bereinigung einen nachhaltigeren Erfolg haben werde, als bis jetzt ähnliche Versuche in Deutschland. — Mögen unsre Leser uns abermals gern über den Ocean zurück nach unserem Vaterlande folgen. In Köln besteht, wie wir bereits mehrfach mitgetheilt, ein „Israelitisches Asyl für Kranke und Altersschwache", welches sich jedoch nicht bloß auf hilfsbedürftige Juden beschränkt. Dasselbe, von der Familie Eltzbacher gegründet, hat auch von anderen Wohlthätern Unterstützung gefunden, so daß seine Bilanz am 31. December 1864 sich auf M. 374,443 belief. Im Jahre 1884 wurden 69 Personen in demselben verpflegt, nämlich 1.8 Altersschwache und 51 Kranke. In dem Berichte des Kuratoriums heißt es: „ Seit unserm letzten Bericht vom Jahre 1882 hat unser „Asyl für Kranke und Altersschwache" eine segensreiche Wirksamkeit entfaltet, sowohl in der Aufnahme und Heilung von Kranken, als in der Pflege und Sorge für Greise und Altersschwache. Die damals ins Auge gefaßte Vergrößerung der Anstalt ist durch einen schönen und praktischen Anbau vollzogen, der uns in den Stand setzt, den vermehrten Anfragen um vorübergehende und bleibende Aufnahme zu genügen und der leidenden und pflegebedürftigen Menschheit den Dienst der Nächstenliebe zu erweisen. Die durch diese Vergrößerung verursachten Mehrkosten, sowohl für das Personal der Bedienung als auch für die gewachsenen Haushaltsbcdürfniffe sind jedoch so erheblich, daß wir unfern Appell an die Wohlthätigkeit unserer Gönner erneuern müffen, um so mehr, als gerade in der Zahl der regelmäßig jedes Jahr Beitragenden eine große Lücke entstanden ist." . Mögen die Wünsche des Curatoriums recht bald Erfüllung sinden! %CAK\AA\<^A^X3iC^A^Kc\\. Deutschland. Berlin, 30. September. (Prioatmitth.) Jetzt erklärt sich der Berliner Antisemitismus selbst für bankerutt. Man schreibt von hier: „Herr Liebermann von Sonnenberg macht jetzt wahr, was schon längst von ihm gesagt wurde; er wird dem undankbaren Vaterlande den Rücken kehren. Er gedenkt in den nächsten Tagen Berlin und Anfang nächsten Jahres Europa zu verlaffen. Gestern Abend hat er sich im Verein Johannistisch im Otto'schen Saale in der Mittenwalder Straße von seinen Gesinnungsgenossen verabschiedet. Augenblicklich, sagte Herr Liebermann von Sonnenberg, ist die Situation die, daß der Antisemitismus und der zu ihm stehende Theil der Conservativen nicht recht kampffähig sind, weil sie keine fest in sich organisirte Partei bilden. Der rechte Augenblick zu einer solchen Parteibildung ist im Anfang der Bewegung verfehlt worden. Nun ist Erschlaffung eingetreten. Aber der Ebbe folgt immer die Fluth und hier wird eine Hochfluth kommen. Ob Herr Liebermann von Sonnenberg dann heimkehren wird, sagte er nicht, nur bat er seine Freunde, ihn zu vertheidigen, wenn er nach seiner Abreise noch angegriffen werden sollte. Herr Liebermann v. Sonnenberg hat diese Erfahrung auf seiner Rundreise durch Rheinland und Westfalen gemacht, wo er an einigen Orten so schnöde behandelt wurde. Aehnliches hat Herr vr. Bernhard Förster auf seiner gleichen Reise wohl auch erfahren. Die Aeußerung des Liebermann von Sonnenberg, daß der Antisemitismus „erschlafft" ist, gereicht dem deutschen Volke zur Ehrenerklärung. Es gelingt Wühlern wohl, in einem Theile des Volkes zeitweise niedrige Leidenschaften zu wecken und die Klassen gegeneinander aufzuhetzen, namentlich, wo jene sich auf alte Borurtheile stützen können und auf deren Wiedererwecken rechnen. Aber auf die Dauer hält dies in einer großen edlen Nation nicht Stich, die Besonnenheit und das richtige Urthei! kehren zurück, und jene Hetzer verfallen schnell in Verachtung und dann in Bergeffenheit. — Trotz der öffentlichen Leugnung von Seiten Stöckers, daß die conservative Partei in Berlin nicht gespalten sei, sondern sich insgesammt um seine Fahne schaare, ist dieser Zwiespalt doch constatirt. Das „ Conservative Central Comit«", das gewöhnlich mit „C- C. C" bezeichnet wird, veröffentlicht seinen Wahlaufruf, während sich ihm gegenüber im ersten und zweiten Berliner Wahlkreise ein specifisch Stöcker'sches Comitv gebildet hat. Jndeß läßt sich voraussehen, daß, wenn erst die Wahlmänner gewählt sind, beide Gruppen sich der Fortschritts-

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