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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-10-13 · Heft 42 (13.10.1885) · p. Seite 668

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 42 (13.10.1885)
Date
1885-10-13
Page
Seite 668 (sequence 4)
Language
German
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664 Wanderung. Hierbei blieb aber der Buddhismus nicht stehen,' und die Nachfolger wandelten seine Tugendlehre mehr und mehr in groben Götzendienst um. Selbst die Nirwana wurde durch ein Paradies, Amitabha benannt, verdrängt, wo die Getreuen die schönsten Gärten mit Blumen, Waffer, Vögeln rcerwarten. Was ist aber nun aus der Buddhalehre geworden? Bon den eigenen Priestern „Bonzen" fast ganz vergessen, ist sie zu einem Götzenpantheon in größtem Maße entartet, und zu einem geistlosen Convolut von Ceremonien umgestaltet. Das Land ist mit Tempeln überladen — einige der sieben Sekten zählen in Japan allein über 25 000 Tempel — in denen zwar blutige Opfer nicht mehr gebracht werden, sonst aber der niedrigste Aberglaube getrieben wird; zahlreiche Mönchklöster, Prozessionen, Ablaßhandel, Geldspenden für die Götzen und gedankenloses Sprechen von Gebeten bilden die Hauptelemente des buddhistischen Cultus. Bei den Tempeln kann der gläubige Pilger nicht blos geweihtes Wasier, als Schutz vor Oni, d. i. dem Teufel, vor den Blattern, dem bösen Husten und anderen Krankheiten sich erkaufen, sondern auch Glück im Hause, im Geschäft und vielem Andern. Für einen Bu, d. i. ein viertel Dollar, erhält er bedruckte Papierstreifen, die, je nachdem man zahlt, in verschiedenen großen, flachen weißen Kästchen verwahrt und mit dem großen rothen Stempel des Tempels versehen werden. Auf einem solchen Papierstreifen steht z. B..- „wer zwei Nächte und drei Tage betet, erhält an der Seite. Die Wand im Hintergründe dieser Gruppe zeigt uns das Feuer der Hölle, worin Drachen und andere Ungethüme wühlen und wüthen. Jeder Tempel hat mehrere Portale, vor denen je zwei etwa vier Meter hohe nackte hölzerne Wächter stehen, der eine roth, der andere grün angestrichen. — Mit diesen wenigen Zügen begnügen wir uns, da sie schon hinlänglich zeigen, zu welcher tiefen Stufe der Buddhismus herabgesunken ist. War seine Tendenz ursprünglich gegen das erdrückende Kastenwesen und die Herrschaft des Reichthums gerichtet, so ist auch diese erfolglos geworden und seine Lehre von der Entsagung aller Genüffe, von der Herabminderung aller Bcdürfnisie wird am wenigsten von ihren Priestern und Mönchen beobachtet. Mag nun immerhin die ursprüngliche Buddhalehre, so völlig inkonsequent sie in sich ist, in manchen Punkten, namentlich in der Sittenlehre Achtung einflößen, so ist auch sie doch nur das Produkt eines frühzeitigen Alterthums, das, weil entsetzlich verkehrt und entartet, für die Jetztzeit und die Zukunft nur die Aufgabe stellt, es zu überwinden und zu beseitigen. Hierzu wird es aber noch einer langen Zeit bedürfen, und immerhin ist, nach dem Charakter der orientalischer Völker, der Islam am geeignetsten, Bresche in diese Festung des Aberglaubens zu legen. Wie sehr auch aus dieser Beschaffenheit der Hauptreligion des Orients die Nothwendigkeit des Judenthums, die Aufrechterhaltung des reinen Monotheismus durch dasselbe als ein Begewiß auf lange Zeit ein blühendes Geschäft." Doch gilt, dürfniß für das Menschengeschlecht hervorgeht, brauchen wir ein solches Schutzmittel nur für einen Gegenstand, für andere! nur anzudeuten. muß man nochmals zahlen. Die sehr zahlreichen Buddha's _ oder Heilige, vergötterte Menschen, bilden die höchste Stufe der Gottheit; ihnen stehen nach die drei alten brahmanischen! Wohlthätige Werke. Götter Brahma, Siva, Wischnu, und ihnen schließen sich! viele andere Götter an, wie die 7 Glücksgötter, die 6 Noth-' H' Helfer, die Göttin der Gnade, die mit mehreren Gesichtern,' Allmählich gelangen unsere Glaubensgenoffen zu der 40 Armen und 1000 Händen dargestellt wird u. s. w. Alle Einsicht, daß, um größere gemeinnützige Werke zu schaffen diese Götter werden in hölzernen oder bronzenen Idolen darz und eingewurzelte Uebelstände zu beseitigen, es der Vereinigestellt, welche von den Gläubigen in mannigfaltiger Weise gung der Kräfte und Mittel seitens der in so zahllose angebetet werden. So z. B. streicht man das Idol nach der: Gruppen zersplitterten Bekenner des Judenthums bedarf. Mit Gebetformel über die Nase und den Rücken, so daß diese dem ehemals allein herrschenden Sinn und Interesse für das Theile von dem Idol oft schon ganz verschwunden sind. < Weichbild einer großen oder kleinen Gemeinde kommt man Will man einen Gott anbeten, so muß man zuvor auf eine nicht vorwärts. Eine wohlthuende Beobachtung ist es da- Trommel schlagen, einen Glockenzug ziehen oder drei Mal in > her, wenn wir auch in den Vereinigten Staaten Norddie Hände klatschen, worauf der Gott aus dem Innern des ' amerikas, wo unsere Glaubensgenossen dem Hange folgen. Tempels zur Audienz kommt. Diese Götterbilder sind außer denen der Buddhas, welche einen schönen milden, weiblichen Ausdruck im Gesichte haben, von fratzenhafter Art in Gesicht Gemeinden für jede Schattirung der religiösen Richtung zu bilden, jenen Vereinigungstrieb erwachen und sich bethätigen sehen. Wir erinnern an die Union jüdischer Gemeinden und Gestalt. So steht der „König der Hölle", der über den! Nordamerikas, welche u. A. das Rabbinerseminar zu Cin- Verstorbenen Gericht hält und seine nächste Gestalt in der cinnati gegründet hat und erhält. Jetzt hat sich eine Bereini- Seelenwaudcruug bestimmt, in der Reihe der „zehn Schurken gung der jüdischen Unterstützungsvereine in der Union gederHölle." zinnoberrotst angestrichen, mit aufgeriffenem Munde, bildet, nachdem zu diesem Zwecke am 13. und 14. Juli d.I. verdrehten Augen, einem großen Schnurrbart und einem Säbel zu St. Louis auf die Einladung der jüdischen Unterstützungs-

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