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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-10-13 · Heft 42 (13.10.1885) · p. Seite 667

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 42 (13.10.1885)
Date
1885-10-13
Page
Seite 667 (sequence 3)
Language
German
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667 schaffenheit, ihre Pflichten und Rechte zu gut, um sich von ihren Feinden bestimmen und abdrängeln zu lasten. Glücklicher Weise sieht dies die intelligente Welt und das Volk selbst immer mehr ein und die Aussichten, die für uns eine Zeit lang so trübe waren, haben angefangen, sich aufzuhellen. Buddhismus hierin am weitesten gegangen, denn seine gegenwärtige Beschaffenheit ist ein völliger Gegensatz zu den Tendenzen seines Schöpfers. Am meisten Schuld daran hat das Bestreben der späteren Träger des Buddhismus, die Völkerschaften für sich zu gewinnen durch die Annäherung, ja Verschmelzung mit den in diesen bestehenden religiösen Ansichten und Gewohnheiten. So kehrte er in Indien zum Brahmanismus zurück, in China verschmolz er mit der Lehre des Confucius und in Japan mit dem Shintoismus oder Kamidienst. Wir folgen in unsrer Betrachtung vorzugsweise Religionen spricht, nur an das Judenthum und seine beiden'dem überaus gründlichen Werke „Japan nach Reisen und Der heutige ßuddhismus. In Europa pflegt man, wenn man von den positiven Töchterreligionen, das Christenthum und den Islam zu denken. Und doch ist der Buddhismus eine religiöse Gestaltung, welche gegenwärtig über ein Drittel des ganzen Menschengeschlechtes, nämlich 500 Millionen Seelen beherrscht und so als ein vollgültiger Faktor des menschengeschlechtlichen Daseins angesehen werden muß. Als vor ungefähr 30 Jahren eine genauere Kenntniß der buddhistischen Lehre nach Europa kam, fand sie in den gebildeten Kreisen vielen Anklang. Sind doch sehr charakteristische Züge derselben den christlichen Dogmen nahe verwandt, so daß eine Entlehnung, sei sie von der einen oder von der andern Seite erfolgt, häufig diskutirt wurde, andrerseits sagten gewiste Momente des Buddhismus einer gewisten Zeitströmung unsrer Tage zu. Eine Zeit lang wurde es an einigen Orten sogar Mode, sich als Buddhisten zu geriren und merkwürdiger Weise war dies gerade im weiblichen Geschlechte am häufigsten der Fall. Wir sahen uns deshalb 1868 veranlaßt, eine längere Abhandlung über den „Buddhismus und sein Verhältniß zum Judenthume und Christenthume" zu verfasten, die im zweiten Theile unsrer „Weltbewegenden Fragen" (Leipzig, Baumgärtner) S. 119 bis 152 abgedruckt ist. Allein wir beschäftigten uns in derselben mit den Grundlehren des Buddhismus, deren Inkonsequenzen und Gegensätzen zum Judenthume und Analogien Studien" von Prof. F. F. Rein (Bd. I. Leipzig, Engelmann 1881 S. 513 ff.) Ursprünglich war die Lehre Buddha's nicht so atheistisch, wie seine Nachfolger sie ausbildeten. Er sagte: „Höher als der Himmel und weit unter der Hölle, außerhalb der fernsten Sterne und weiter als Brahma wohnt, vor Anfang und Ende, ewig wie der Raum steht eine göttliche Macht, die nur zum Guten treibt, deren Gesetze nickt vergehen." Aber für diesen Gottesbegriff blieb im Buddhismus kein Raum; vielmehr bekennt er blos eine Vergöttlichung von Menschen, indem diejenigen, die den höchsten Grad der Heiligkeit erreichen, nach ihrem Tode Buddhas, d. h. Gottheiten werden. Ihre Zahl ist bereits sehr groß und sie werden in polytheistischer Form verehrt. Die zweite und zwar bedeutendste Lehre ist die von der Seelenwanderung. Bor dem Gerichtshof des Gottes 2)ama, des Herrschers im Hades, erscheint die Seele des Verstorbenen, um abgeurtheilt und in die Welt zurückgesandt zu werden, wo sie, je nach Verdienst oder Schuld, entweder als ein vollkommenerer Mensch oder als Thier wieder erscheint. Alle Menschen sind aus dem Wege nach der Nirwana, dem Endziel des Seins, wo angelangt, die Seele sich auflöst „wie der Thautropfen verschwindet in der leuchtenden See, wenn die Sonne sich erhebt, so lösen sich die Heiligen in Nirwana auf" — um» mit dem Christenthume, worüber wir auf dieselbe verweisen. , wohl einem Erlöschen und Aufhören gleichbedeutend ist. Was ist aber aus dem Buddhismus geworden? Diese Frage ist Hat nun der Mensch schlecht gehandelt, so wird er auf diesem mindestens so wichtig wie die Untersuchung über seinen dog- Wege noch weiter zurückversetzt und muß erst die zwei elenmatischen Aufbau. Wie steht er gegenwärtig dem Judendesten Zustände der Hölle durchlaufen, bevor er in Thierthume, Christenthume und Islam gegenüber? Denn wenn gestalt zur Erde zurückkehrt. „Wer als Sklave sich abmühte, auch die christlichen Missionsgesellschaften ihre Sendboten in kann als Prinz wieder erscheinen; wer als König regierte, das Machtgebiet des Buddhismus schicken, so begegnet er bei der Wiederkehr in Lumpen einherwandern." Buddha doch thatsächlich vielmehr dem Islam, der, wie man berichselbst hatte vor seinen Aufgehen in die Nirwana 550 Wan- .tet, im Südosten Chinas und in Indien allmälig vielfach delungen durchschritten. über den Buddhismus siegt und sich in der Maffe zahlreiche So sind nach Buddhas Lehre Noth und Elend dieses Anhänger gewinnt. Gerade deshalb wird eine kurze Schilj Lebens Folgen früherer Sünden. Alles Glück hingegen liegt derung des Buddhismus in seiner gegenwärtigen Gestalt inj in den Händen des Menschen selbst. Denn dieses Glück beteressiren, und auch vom jüdischen Standpunkte aus nicht steht in der völligen Entsagung alles Irdischen und Weltunwichtig sein. Jede ältere Religion hat im Laufe der lichen und diese ist bedingt von einem tugendhaften Lebens- Zeiten eine Entwickelung genommen, die sie weit ab von der Wandel. Buddhas Lehre ist demnach vorzugsweise ethisch und Quelle geführt, aus der sie entsprungen. Vielleicht ist der benutzt hierzu als kräftigsten Hebel die Lehre von der Seelen-

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