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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-10-06 · Heft 41 (6.10.1885) · p. Seite 660

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 41 (6.10.1885)
Date
1885-10-06
Page
Seite 660 (sequence 12)
Language
German
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660 Amerika. Rew-Pork, 5. Sept. Es ist unsre Pflicht, die Aufmerk, samkeit darauf zu lenken, das die Unionsbeamten immer strenger in der Zurückweisung mittelloser Einwanderer werden. Man schreibt darüber nach der New Aorker „Gard. Ztg.": Schon seit längerer Zeit hatte sich herausgestellt, daß das aus die Einwanderung von sog. „Paupers", d. h. von mittellosen und erwerbsunfähigen Personen, sowie von Verbrechern bezügliche Bundesgesetz in gewisser Hinsicht mangelhaft war. Die Newyorker Einwanderungs-Kommissionäre sowohl wie die Zollbeamten in verschiedenen Hafenplätzen hatten die Regierung auf die Nothwendigkeit ergänzender Bestimmungen zu dem betreffenden Gesetze aufmerksam gemacht und hat der Finanzminister in Folge deffen mehrere neue diesbezügliche Regulationen aufgestellt. Die eine derselben enthält, der „Newy. H.-Z." zufolge, die nachstehenden Bestimmungen: Alle in den Häfen der Bereinigten Staaten eintreffende Einwanderer sollen nicht als wirklich gelandet betrachtet werden, so lange sie nicht von den Einwanderungs-Kommiffären oder deren Vertretern inspizirt worden sind, oder so lange sie sich unter Ueberwachung seitens dieser Beamten befinden. Die Fortschaffung von „Paupers" von Bord des Schiffes nach dem Jnspektionsorte oder dem Platze, woselbst sie von den betreffenden Beamten temporär in Obhut genommen zu werden pflegen, soll nicht als Landung im Sinne des Gesetzes betrachtet werden, so lange die betreffenden Einwanderer nicht von den sie überwachenden Beamten entlassen worden find. Durch eine andere Regel werden die Newyorker Einwanderungs- Kommissäre oder deren Agenten autorisirt und angewiesen, sich an Bord aller aus fremden Häfen im Hafen von Newyork eintreffenden Fahrzeuge zu begeben und alle sich auf demselben befindliche Einwanderer behufs Inspektion nach Castle Garden zu bringen, sowie Arrangements zur Rücksendung derjenigen Personen zu treffen, welche den Bestimmungen des Einwanderungsgesetzes gemäß nicht zum Landen berechtigt find. Die Zollkorektoren find instruirt, den Einwanderungs- Kommiffären bei Durchführung dieser Regulationen alle nothwendige Unterstützung zu gewähren — Bonn, 27. Sept. (Notizen.) Die Regierung von Chile hat den jungen Astromen vr. Adolph Marcuse aus Berlin (Israelit) zum ersten Assistenten am Nationale bserva torium in Santiago berufen. Derselbe war an der deutschen Expedition betheiligt, die zur Beobachtung des Venusdurchganges nach Nordamerika entsandt wurde, und ist gegenwärtig an der Sternwarte zu Pulkowa (Rußland) beschäftigt. Bonn, 23. Sept. (Literarische Notizen.) Herr A. M. Luncz in Jerusalem versandte mit einem Glückwunsch zu m'i eine hebräisch verfaßte Anzeige des baldigen Erscheinens des zweiten Jahrganges seines Jahrbuches s^wr-p. Der erste Jahrg. erschien 1882 und wurde von uns S. 719 besprochen. Die Fülle des Interessanten, den dieser erste Theil darbot, bürgt für das Gute, das auch der zweite Theil bringen werde. Die Aufsätze find theils in hebräischer, theils in deutscher Sprache verfaßt. Die hauptsächlichsten Artikel werden „die Juden im h. Lande seit der Rückkehr aus dem Exil bis zur Gegenwart," „die Grenzen des Landes nach den Bemerkungen unsrer Weisen," „die Städte des h. Landes, die im Talmud Vorkommen", „die Gebete, die vom h. Lande abhängen", „Beer Scheba" ff. in hebräischer Sprache, der „Carmel", „Gilgal", „die Grenzen des Landes Moab" ff. in deutscher Sprache. Wir freuen uns, daß das schöne Unternehmen seine Fortsetzung findet. Die „Morning-Post" schreibt: Das bibliographische Handbuch, welches von Mr. Joseph Jacobs mit großer Fähigkeit und Geduld zusammengestellt worden ist, ist ein Versuch, sämmtliche bekannten Druckschriften über die Judenfrage, die in Europa oder Amerika in der Decade 1874—1884 erschienen sind, zu sammeln. Die weisen und edelmüthigen Maßregeln der Freiheit, die auf die jüdische Bevölkerung in England ausgedehnt worden sind, haben hier jene Gründe der Beschwerde gänzlich beseitigt, welche unglücklicherweise über die grausame und harte Behandlung der Juden noch in anderen Ländern bestehen. Es darf daher bezweifelt werden, ob die Broschüre des Autors einen großen Kreis von Lesern außerhalb seines eigenen Religionsbekenntnisses unter einer Nation finden wird, die für immer die Judenftage ad acta gelegt hat. Sie wird indessen von großem Nutzen für Mitglieder der hebräischen Race sein, die unter Gesetzen und Umständen leben, welche ihnen weniger fteundlich sind. Die umfassende Natur von Mr. Jacob's Werk, welches bei Trübner u. Co., Ludgate Hill, erschienen ist, mag aus der Thatsache ersehen werden, daß seine Zusammenstellung nicht weniger als 1230 Items enthält. — Wir haben vor Kurzem die dritte Serie von vr. A. Jellinek's „der jüdische Stamm in nichtjüdischen Sprichwörtern" besprochen. Soeben ist die zweite Auflage der ersten Serie: „Französische, polnische, deutsche Sprichwörter," vermehrt und verbessert (Wien, Bermann und Altmann, 1886) erschienen. Wir haben die erste Auflage Jahrgang 1881. S. 524 ausführlich besprochen und fteuen uns des guten Erfolges, welchen diese geistreiche kleine Schrift erlangt hat. — Bon unserem Mitarbeiter F. Götz in Petersburg ist eine Broschüre in russischer Sprache erschienen. Hoffentlich wird uns einer unserer russischen Correspondenten über Inhalt und Bedeutung dieser Schrift unterrichten, da wir augenblicklich in unserer Umgebung keinen haben, der

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