Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 41 (6.10.1885)
- Date
- 1885-10-06
- Page
- Seite 659 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3227555-3227597--42980-3311586- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
659 Herrscher einen Juden von Turin zu haben", erinnert der! stattgefunden, hat ihre Ursache in dem Mißtrauen, welches katholische Journalist mit Bitterkeit an den bekannten Brief, die Masse derselben gegen eine Anzahl reicher und zum Theil welchen der Graf von Cavour im August 1860 an die auch gegen einige intelligente Juden hegt, weil sie glaubt, Opinione schrieb, um festzustellen, daß Herr Artom in jedem daß sie 1878 ihre Pflicht nicht gethan, sondern nur ihre Punkte seines Vertrauens würdig wäre, und fügt hinzu: j persönlichen Interessen wahrgenommen hätten. Selbst gegen „Wenn der Präsident des Ministerrathes, Augustin Depretis^ die hierländischen Vereine, wie den „Zion", hegen sie Mißheute einen ähnlichen Brief schreiben müßte, würde er eben-! trauen. Als nun Herr Armand Levy aus Paris hier anso von Herrn Jacob Malvano sprechen." Das Geständniß I langte, und für die Herstellung eines israelitischen Consistoriums ist werthvoll unter der Feder unseres Gegners, und es ist! als eines Mittelpunktes der jüdischen Interessen Propaganda der Mühe wcrth, davon Act zu nehmen. f machte und in den genannten Kreisen Anklang fand, entstand Leonn Ravenna. }eine heftige Gegenbewegung. In einer Versammlung, an Belaien 1 roe^er am n September über 3000 Juden Theil nahmen o ' und in welcher 10 Redner, unter diesen auch Armand Levy «ntwcrpm. 27. September. tPrivntmitth.) Unter den Dr ^eck sprachen nnd die 6 Ständen währte, wurde niete», meist wenig beachteten iniernationaten Cangressen, Re,»Mw,, ge,aßt: „Die rumänischen Israeliten der die jüngst hier abgehalten wurden. ,a»d auch ein „interi Hauptstadt erllären. daß sie keine der bestehenden Gesellschaften nationaler Frei-enker Cvngreßstatt. Würden die vom Sre^ im 2e„de als ihre Repräsentanten anerkennen; sie weisen denkertlmm angehanchten Zeitungen nicht über dessen «er. j g^rücklichsie jeden Act zurück, der von jenen ausginge Handlungen berichte». >° würde Niemand davon N°t,z aoiunb im bet I,Eliten geschähe; fie mißbilligen die nommeu haben. Denn man kann sagen, daß auch nicht ein einziger philosophisch oder wissenschaftlich bedeutender Mann daran Theil genommen; die Debatten ohne alle Gründlichkeit geführt, brachten nur die gewohnten radikalen Platitüden heran und die Beschlüsse grenzen ans Lächerliche. Der eine lautet dahin: „die religiöse Idee ist immer gesellschaftlich schädlich gewesen und konnte nur so sein; — als ob die religiöse Idee nicht erst dadurch schädlich wurde, da und wenn sich andere menschliche Leidenschaften ihrer bemächtigten, die ohne sie in nicht minderem Grade gewüthet hätten und haben — „die religiöse Idee mit allen ihren Folgen muß daher abgeschafft werden." Mögen es diese Herren versuchen! Was diese Abschaffung bedeuten würde, erweist der folgende Beschluß: „Moralische Verantwortlichkeit besteht nicht, aber die Gesellschaft hat das Recht, sich gegen Verbrecher und Wahnsinnige vorzusehen." Dies ist sehr stark und wird wohl dem internationalen Congresse Freunde eben nur in der Verbrecherwelt verschaffen. Der Congreß leugnet also jede Moral, und Gründung jeder ohne ihre Zustimmung constituirten Autorität." — Wie es scheint, befördert die Regierung durch ihre Agenten diese Aufregung der jüdischen Masse, um so die abweisen zu können, welche an sie das Gesuch um eine Organisation des jüdischen Cultus richten könnten. Die Gründe, welche die Regierung hierzu bestimmen, sind sehr durchsichtig bei der judenfeindlichen Haltung der rumänischen Führer. Außerdem wurde Armand Levy, als er sich am Abend in seine Wohnung begab, attaquirt und erhielt einen schweren Schlag. Der Attentäter wurde ergriffen, verlor sich aber dann im Hofe der Präfektur. Großbritannien. London, 21. September. Es ist natürlich, daß wir uns für einen Mann interessiren, welcher an der Spitze aller Bestrebungen zur Vertheidigung unserer Glaubensgenossen-! schaft steht, weshalb wir folgende Notiz mittheilen. Grcenhält das nur für strafbar, was unter das staatliche Erinüj welches bisher von Baron Henry de Worms und Boord, nalrecht fällt und von dem Strafrichter ereilt wird. Ter konservativ, vertreten war, wird Ersteren verlieren, denn schlechteste Mensch, der sich vor dem Strafrichter hütet, hat ^oron de Worms trat, um den Anfeindungen feines früheren nach diesem Beschlüsse dieselbe Ehrenhaftigkeit, wie der Pflicht- C^llegen Boord zu entgehen, von der Candidatur für Greengetreueste. Wir kennen wohl diesen und jenen Freidenker, er fünf Jahre lang im Parlament vertreten hatte, der durch Schärfe des Geistes, durch Syllogismen und Sophismen sich auszeichnet; aber sobald die Herren Freidenker in größerer oder geringerer Zahl Zusammenkommen, dreschen sie leeres Stroh und verstehen nicht einmal, Heckerling hieraus zu machen. Rumänien. Bukarest, 16. September. Die Aufregung, welche in der jüngsten Zeit unter unseren Glaubensgenossen in Bukarest zurück und ist jetzt conservativer Candidat für Toxteth, dem Westend von Liverpool. Tie Greenwicher Anhänger des Barons haben nun auch Boord aufgefordert, von der Candidatur zurückzutreten, da er unter den Umständen doch nicht gewählt werden würde, sondern leicht eine Spaltung im konservativen Lager Hervorrufen könnte, wovon die Liberalen den Bortheil ziehen würde. Boord hat diesem Wunsche iudeß nicht Folge gegeben. 41*