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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-10-06 · Heft 41 (6.10.1885) · p. Seite 658

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 41 (6.10.1885)
Date
1885-10-06
Page
Seite 658 (sequence 10)
Language
German
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658 Tribüne, stellte sich neben den Redner und wandte sich an die Zuhörer mit der Frage: „wer ist am meisten Jude von uns beiden?" Die ganze Versammlung klatschte dem Witzworte Beifall zu und der Judenfeind sah sich genöthigt, die Tribüne zu verlassen. (Wir gestehen, diesem Witze kein großes Gefallen abgewinnen zu können. Er ist nur verständlich, wenn man „Jude" als Schmähwort ansieht. Red.) — Bei dieser Gelegenheit wollen wir einen Jrrthum, welchen wir, dem Areh. isr. folgend, unter unseren „Notizen" begangen, verbessern. Herr Abrahamson ist nicht der erste Israelit, der in Spanien als Consul fungirt; vielmehr gab es schon eine ganze Reihe von Consulen in Spanien, welche Israeliten waren, so für Oesterreich, Dänemark, die Niederlande, England, Schweden, die hanseatischen Städte u. s. w. der Rechten auf die Linke übergegangen; von Herrn Visconti Benosta bis Herrn Depretis haben wir vielfachen Wechsel in der Stellung des verantwortlichen Leiters der italienischen Politik erlebt, aber Herr Malvano ist stets an der Spitze geblieben. Seine überlegene Intelligenz, seine unermüdliche Thätigkeit, sein reiner Charakter, seine vollendete Bescheidenheit haben ihm eine stets wachsende Sympathie erworben, und H. Mancini ist lange ohne Generalsekretär geblieben, sehr erfreut, daß er die Functionen desselben dem übertragen konnte, der durch ihn zum Generaldirector der äußeren Angelegenheiten ernannt worden war. Als Herr Depretis vor einigen Monaten zu dem Ministerpräsidium und dem Portefeuille des Innern die interimistische Leitung der auswärtigen Angelegenheiten hinzufügte, that er noch mehr; er veranlaßte - . einen königlichen Erlaß, durch den an Herrn Malvano die grauen. Functionen des Generalsekretärs übertragen wurden, die nach Ferrara, 3l. August. (Nach den AreK isr.) Wenige! dem constitutionellen Herkommen stets einem Mitglied des Tage nach dem Tode des Sir Moses Montefiore erlitt Jta-! Parlaments auvertraut werden. Jetzt ist Herr Depretis von lien einen herben Verlust durch den Tod eines fast hundert-! der Haupstadt abwesend und alles hängt von seinem Sekretär jährigen israelitischen Philanthropen. Am 7. August verstarb! ab; cs ist auch wahrscheinlich, daß. wenn er dorthin zurückzu Venedig der Baron Jakob Trevcs im Alter von 97? kehren wird, die Obliegenheiten seines Mitarbeiters nicht an Jahren. Er machte von seinem Reichthume den ausgedehn-! Wichtigkeit verlieren werden. Ich kann der Versuchung nicht testen Gebrauch zum Nutzen ebenso seiner Glaubensgenossen - widerstehen, in Bezug hierauf mehrere Stellen eines Artikels wie anderer Confessioncn. Er sprach sich oft über die Ver-> der Unitä Cattolica vom 29. August wiederzugeben, betitelt: antwortlichkeit aus, welche der Besitz von Reichthümern gegen- J „Tie Hauptstadt der katholischen Welt regiert von einem über den Hilfsbedürftigen auferlege. Im Jahre 1848 wurde! Turiner Juden." Durch den schlecht verhehlten Haß des er neben Manin und Rowmaseo in die Versammlung von ■ Verfassers bringt er Wahrheiten vor, die unserer Eigenliebe Venedig gewählt. Während des unsterblichen Kampfes, wel-! als Israeliten schmeicheln dürfen. „Sei es durch die chen Venedig gegen die Fremdherrschaft führte, spendete er Abwesenheit der Minister", so beginnt er, „sei es durch große Summen für die Bedürfnisse des Vaterlandes in dessen ihre Schwäche, cs ist eine Thatsache, daß jetzt die oberste großer Gefahr. An seinem Leichenbegängniß nahm ganz; Regierung der Hauptstadt der katholischen Welt sich in den Venedig Theil. Neben dem Sarge wurde die glorreiche! Händen des Herrn Jacob (sie) Malvano befindet, eines Stadtfahne getragen, die der König mit der goldenen Tapfer-i Juden aus Turin, der nach der Bresche der Porta Pia auch keitsmcdaille geziert hat. Vor dem Dogenpalaste hielt der! an die Ufer der Tiber gekommen ist. Er ist cs, an den Zug still, und der Bürgermeister von Venedig richtete Worte die Diplomaten für die auswärtigen Beziehung sich wenden des Abschiedes im Namen der Stadt an den Verewigten, i müssen; er ist cs. dem die marokkanischen Botschafter sich Dann sprach unser Glaubensgenosse, der Deputirte Mauroj öcrftcücn und ihre Huldigung darbringen als dem Vertreter Gonato. eine ergreifende Rede. Die gcsammte Presse feierte des Königs: er ist es, von dem beständig die Telegramme den Dahingeschiedenen einmüthig. > aus Rom sprechen; er ist cs, durch den König Humbcrt die Ferrara, 8. September. (Arch. isr) Ter Generalsekretär Berichte über die Ereignisse der Hauptstadt zukommen; er ist des Ministeriums des Aeußeren in Italien. In dem Augen-1 es allein, der dem Papst und der katholischen Kirche die Frciblicke, wo c'.n Conflict zwischen Spanien und Deutschland den beit und Unabhängigkeit garantirt.Beeilen wir uns europäischen Frieden zu bedrohen scheint, ist cs interessant zu constatiren, daß das Ministerium des Aeußeren in Italien in der That unter der Leitung eines Israeliten gestellt ist. zu sagen, daß persönlich dieser Herr ein Mann von großen Verdiensten ist, und diejenigen, die ihn seit lange kennen, loben nicht allein seine vortreffliche und fruchtbringende In- Herr Jacques Malvano. Dieser noch junge Mann, der zum! tclligcnz. sondern hauptsächlich sein ausgezeichnetes Herz. Und Gipfel gelangt ist, indem er stufenweise die lange Hierarchie weiter, nachdem er das Schicksal der Römer beklagt hat, die der Aemter erstieg, hat sich stets der höchsten Achtung, der; „einst regiert wurden von Prälaten ihrer Provinzen und oft vollkommensten Werthschätzung der Minister, welche sich in j zum Papst-König einen Mann ihrer Staaten hatten . . . ., Italien seit 20 Jahren ablöstcn, erfreut. Die Macht ist von j während sic sich heute in der Lage befinden, als leitenden

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