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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-09-29 · Heft 40 (29.9.1885) · p. Seite 645

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 40 (29.9.1885)
Date
1885-09-29
Page
Seite 645 (sequence 13)
Language
German
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&5 ich wurde auch bereits am 15. August diesem Herrn vorgefuhrt. Es war eine Frau im Zimmer, die ich nicht kannte, Frau Masche, die sofort erklärte: „Nein, das ist er nicht". Nun gingen die Akten, wie mir Herr Rath Pochhammer erklärte, wieder an die Staatsanwaltschaft zurück und, wie ich durch meine fortwährenden Bitten um Auskunft erfuhr, wiederholt zwischen Staatsanwaltschaft und Untersuchungsrichter herüber und hinüber. Es mochte am 21. August sein. Da wurde ich wieder vorgeführt und nun genau über alle Vorgänge, die den Verdacht gegen mich hatten entstehen lasten, inquirirt. Ich gab verschiedene Zeugen an, die bekundeten, daß ich mich für den Prozeß gar nicht interessirt habe, daß ich erst von anderen über die Verhandlungen unterrichtet wurde, auch daß die Bekannten, die mich geftagt hatten, ob ich der bewußte Jacobsohn sei, meine Schwester und ein Schuhwaarenhändler" in der Oranienftraße seien, welch' Letzterer denn auch vernommen wurde und zu meinen Gunsten aussagte. Am 1. September ungefähr wurde mir endlich eröffnet, daß meine Angelegenheit nunmehr vor die Strafkammer kommen werde. Gleichwohl hörte ich bis gestern, Donnerstag, Nichts und ließ mich wieder melden. Da wurde mir denn eröffnet, der Staatsanwalt habe nochmals eine ganze Reihe von Zeugen vernommen misten wollen, aber der Untersuchungsrichter habe nunmehr, um meine Freilaffung zu ermöglichen, die Entscheidung der Strafkammer herbei geführt. Dieselbe muß gestern oder heute erfolgt sein, denn heute wurde mir plötzlich eröffnet, daß ich aus der Haft entlaffen sei. — Ich habe also neun und eine halbe Woche schuldlos in Untersuchungshaft gesesten. Ich bin ein junger Anfänger, hatte vor meiner Verhaftung ein mich gut nährendes und aufblühendes Makulatur- und Speditionsgeschäft, das selbstverständlich zu Grunde gegangen ist, wie mir auch durch das unselige Mißverständniß die Möglichkeit geraubt ist, dasselbe von Neuem zu beginnen, da mir jetzt der Credit völlig abgeschnitten ist."-— Herr Hugo Jacobsohn ist, wie der Augenschein lehrt, bartlos und auffallend blond, ein Mann von 17 Jahren. Der von dem Zeugen Masche geschilderte Mann, welcher der Verleitung zum Meineide von ihm bezichtigt wurde, trug nach Mafche's Angabe einen schwarzen Vollbart. — Wenn wir in diesem Blatte gern die Verdienste von Glaubensgenossen, die ein thätiges und gemeinnütziges Wirken zurückgelegt haben, würdigen, so wird gewiß auch folgende Notiz am Platze sein aus Berlin vom 16. d.: Heute begeht der in vollster Rüstigkeit in Berlin weilende Gründer, Besitzer und Redacteur der „New-Iorker Handels-Zeitung", Moritz Meyer, seinen 70. Geburtstag. Seit 30 Jahren hat Moritz Meyer beigetragen, die Handelsbeziehungen seines alten Vaterlandes mit seinem Adoptivvaterlande zu fördern, und er hat Einfluß auf die Entwickelung des deutschen Exports nach Amerika geübt. Während des Krieges gegen Frankreich, bei den Rhein Ueberschwemmungen, hat er in Amerika erfolgreichen Anstoß zur Hilfeleistung für Deutschland gegeben. Moritz Meyer hat sich jetzt in Berlin dauernd niedergelassen und leitet sein Blatt von hier aus. — Man schreibt uns: Dem Herrn vr. Jakob Tauber, Bez.-Rabbiner zu Brüx, wurde aus Anlaß der zur Geburtstagsfeier des Kaisers gehaltenen Festrede der allerhöchste Dank laut Erlaß des h. kk. Statthalterei-Prästdiums vom 7. d. ausgesprochen. — In Saluzto verstarb der Großrabbiner E. D. Bachi im Alter von 71 Jahren. Er war es, der zuerst in Italien die Bedeutung der Alliance isr. univ. erkannte und seit 1860 eifrig für sie wirkte. — Es ist immerhin bemerkenswerth, daß M. Abrahamsohn zum Consul für Schweden und Norwegen in Madrid ernannt worden. Der erste Israelit im diplomatischen Corps in Spanien. Feuilleton Die Schule der Alliance m Jerusalem. Jedermann weiß, welchen Zeit- und Müheaufwand die Gründung einer tüchtigen Schule in Jerusalem kostete, wie viele Versuche mit geringem oder gar keinem Erfolge gemacht wurden. Endlich gelang es der Alliance, eine solche ins Leben zu rufen. Die Alliance .ging dabei sehr praktisch zuwege, indem sie mit dem eigentlichen Unterricht eine Handwerkerschule verband, wodurch der Nutzen der Anstalt den Eltern für ihre Kinder in die Augen sprang. Selbst die Orthodoxie mußte sich in den Bestand der Schule ergeben. Das eben ausgegebene August-Bulletin der Alliance enthält einen Bericht über das erste Semester 1885, der allgemein interessiren wird. „Wirthschaft. — In der diesen Bericht beigefügten Tabelle finden Sie das Detail unserer Wirthschaftsausgaben für die ersten sechs Monate des Jahres 1885. Der Tisch der Lehrer besteht aus 12 Personen, derjenige der Schüler zum Frühstück aus 49, zum Mittagesten 88 und zum Abendessen 39 Personen. Brod. — Für dasselbe wurde während des Semesters die Summe von 1636,60 Fr., ungefähr ein Viertel der Wirthfchaftskosten, ausgegeben. Wir verbrauchen ungefähr 30 Kilogramm Mehl den Tag, zu 0,30 Fr. das Kilogramm. Das Brod wird den Schülern nach Belieben geliefert; es wird von einem besonderen Bäcker gebacken, welcher zwei oder drei Lieferungen die Woche macht; wir richten uns stets so ein, daß die Schüler kein frisches Brod erhalten, was nicht gesund ist.

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