Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 40 (29.9.1885)
- Date
- 1885-09-29
- Page
- Seite 639 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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639 berichte ist uns dies erleichtert worden. Wir haben aber vor, um die Ueberficht zu erleichtern, fortan nicht mehr in einzelnen Zeitungsnachrichten darüber zu referiren, sondern immer eine Anzahl von Rechenschaftsberichten zu sammeln und in besonderen Artikeln ihren Inhalt zu besprechen. — So liegen uns heute folgende Berichte vor: Der 30. Jahresbericht der „Association for tbe Relief of Jewish Widows and Orphans“ in New-Orleans. Wir bemerken dabei, daß in Amerika die Gewohnheit vorherrscht, jedes Jahr eine öffentliche Generalversammlung abzuhalten, in welcher wirksame Ansprachen an die Anwesenden gerichtet und die Rapports ganz detaillirt vorgetragen werden. Wir ersehen aus dem Bericht, daß derVerwaltungsrath beschloffen hat, die für Wittwen und Waisen bestimmte Anstalt bedeutend zu vergrößern, wozu bereits neue Grundstücke erworben find. Es find hierzu ungefähr 20,000 Dollars nöthig. Wurden doch im verfloffenen Jahre 42 Waisen mehr ausgenommen. Auch ist ein besonderer Kindergarten hergestellt worden, in welchem 59 Kinder vom 3. bis zu 7 */2 Jahren beschäftigt werden. Diese Einrichtung hat den günstigsten Erfolg. Die Einnahmen beliefen fich auf 38,990 Dollars, die Ausgaben auf 32,688 Dollars. Jnsgesammt find gegenwärtig 146 Waisenkinder von 3 bis 18 Jahren in der Anstalt. — Der 11. Jahresbericht der Tonro Infirmary in New-Orleans berichtet von dem „Wachsthum" dieser Krankenanstalt. Denn die Mitgliederrolle zeigt jetzt die Zahl 554 gegen 373 des Borjahres, so daß die Summe ihrer Beiträge auf 7000 Dollars jährlich gestiegen ist. Dann ist aber auch die Zahl der zahlenden Kranken so gewachsen, daß sie eine Einnahme von 6500 Dollars gewährt, was natürlich von dem gesteigerten Ansehen und Vertrauen zeugt, das diese Anstalt genießt. Im verfloffenen Jahre wurden ihr baar nur 900 Dollars, dagegen zwei Grundstücke von ca. 3000 Dollars geschenkt. 432 Kranke wurden im verflossenen Jahre ausgenommen. Die Einnahmen beliefen fich auf 32,646 Doll., die Ausgaben auf 33.720 Dollars, welchem Deficit jedoch die Abzahlung auf die Schuld gegenübersteht. Es wurden auf Kosten des Bereins 335 Kranke außerhalb des Hauses behandelt. Diesen großen und vortrefflich organifirten Anstalten lassen wir einen kleinen Verein folgen, dessen Zweck höchst anerkennenswerth ist: Der Unterstützungsverein für unbemittelte israelitische Zöglinge an der Lehrerbildungsanstalt Kaiserslautern. Es ist der 4. Jahresbericht und zwar für 1884, der vorliegt. Mit Recht sagt der Bericht, daß es für die pfälzischen Gemeinden keinen wohlthätigeren Zweck geben kann, als sich „gut vorbereitete und für ihren Beruf begeisterte Lehrer" zu verschaffen. Allein das wollen diese doch nicht einsehen, und nur 9 Gemeinden zahlen Beiträge. Der Verein, der unbemittelte Zöglinge durch monatliche Unterstützungen fördert, nahm 1884 außer dem Kaffenbestand von M. 656 nur M. 219 ein, gab aber nur M. 120 für zwei Zöglinge aus. Hierin liegt ein Mangel, nach unsrer Ansicht. Der Verein muß nicht an die Zukunft denken, sondern durch größere Wirksamkeit sich die Theilnahme erzwingen. — Aus Posen liegen uns mehrfache Berichte vor, welche Zeugniß geben von dem Wohlthätigkeitssinn dieser Gemeinde. Zunächst die Waisen-Knaben-Anstalt, welche 22 Zöglinge umfaßt und 6 Lehrlinge unterhält. Bemerkenswerth find die verhältnißmäßig vielen Spenden und Legate, zum Theil aus Amerika, die der Anstalt zukommen. So betrugen die Einnahmen 1884: M. 19,936, die Ausgaben M. 11,921. Es besteht aber auch eine Mädchen-Waisenstalt mit 11 Zöglingen und Einnahmen M. 8316 und Ausgaben M. 7012. — Der israelitische Armenverein in Posen hatte eine Jahreseinnahme von M. 13,803. Er spendete an laufenden monatlichen Unterstützungen M. 8469, an außerordentlichen Unterstützungen M. 1760, an Durchreisende M. 1269 —(Der* hältnißmägig nicht viel). Es blieb nur ein Kassenbestand von M. 842 übrig. — Dann besteht auch — wie überall — eine Chebra kadischa „für Krankenpflege und Beerdigung" mit M. 13,894 Einnahme. Auffallend war uns der hohe Posten! von M. 2015 für Sekretär und Boten. — Mögen alle diese [ Anstalten gesegnet sein! Deutschland. | Bon«, im September. (Privatmitth.) In der letzten Zeit find dem Redacteur dieses Blattes von verschiedenen Gemeinden wieder Gesuche um gutachtliche Aeußerung über die Frage zugekommen, ob die Einführung und Verwendung der Orgel in der Synagoge zuläsfig sei und ihr kein religionsgesetzliches Hinderniß im Wege stehe? Wir verweisen deshalb auf das ausführliche Gutachten, welches wir hierüber im Jahre 1861 auf Ansuchen des Vorstandes der Gemeinde zu Berlin abgaben, und das in dieser Zeitung Jahrg. 1861, S. 685 abgedruckt ist. Wir erörterten in demselben die Frage nach allen ihren Seiten. Nicht minder verweisen wir auf den Ausschußbericht der zweiten Rabbinerversammlung