Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 39 (22.9.1885)
- Date
- 1885-09-22
- Page
- Seite 628 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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628 Amerika. Rew-Aork, 21. August. Die „N. I. Assoc. Preß" verbreitet unter dem 28. v. M. eine Depesche aus Washington. Die Depesche lautet: „A. M. Keiley sprach heute im Staatsdepartement vor, um mit demselben abzurechnen. Er hat seinen Gesandtenposten noch nicht niedergelegt, wird dies aber thun. Er wünscht überhaupt keine nochmalige Ernennung im diplomatischen Dienst. Es ist thatsächlich sein eigener Entschluß gewesen, nicht nach Wien zu reisen, sobald ihm die Opposition des dortigen Hofes bekannt wurde, und er ist auch aus freien Stücken zurückgekehrt. Zwei Tage nach seiner Ernennung zum Gesandten in Wien gab der hiesige österreichische Gesandte zu verstehen, daß für Herrn und Frau Keiley der Aufenthalt in Wien „unangenehm" sein würde, da Frau Keiley eine Jüdin sei. Secretair Bayard sandte daraufhin ein Schreiben an den österreichischen Gesandten, in welchem nur von der Beschwerde betreffs der Frau Keiley die Rede und das in würdigem Tone abgefaßt war. Später kam eine von dem amerikanischen Geschäftsträger Lee in Wien abgefaßte Kabeldepesche, des Inhalts, daß die österreichische Regierung den Empfang des Herrn Keiley und die Angabe der Gründe verweigert habe. Es ist auch keine Andeutung über die Ursache der Abweisung eingetroffen. Man hegt jedoch die starke Bermuthung, daß der italienische Gesandte in Wien den Entschluß der österreichischen Regierung direkt veranlaßt hat. Die Frage, ab überhaupt ein amerikanischer Gesandter nach Wien geschickt werden soll, ist von dem Präsidenten und dem Staatssecretair noch nicht erwogen worden, seitdem die österreichische Regierung sich geweigert hat, Herrn Keiley zu empfangen." (Die Thatsache, daß Keiley vom österreichischen Hofe nicht angenommen worden, weil seine Frau eine Jüdin, steht also fest'.) Bonn, 13. September. (Notizen.) Der Borstand des Hamburger Tempels hat seinen Präses Herrn Moritz Liebmann, einen sehr geachteten Mann, durch den Tod verloren, der ihn in Ems ereilte. Am 5. September fand im Tempel die Gedächtnißfeier für den verstorbenen unter großer Theilnahme aller Honoratioren der jüdischen Gemeinde statt, vr. Leimdörfer hielt die Trauerrede in tiefergreifender Weise. — Aus Pest wird uns geschrieben: In Reichenau starb den 30. v. M. Herr Moritz Gans von Ludasy, der von dem Grafen Julius Andraffy als ungarischer Minister- Präsident zum Ministerialrathe nnd Leiter der Preßbüreaus ernannt worden und später in Wien verschiedene Journale redigirte. Gans wurde als der Sohn eines Synagogendieners in Komorn geboren. — Der israel. Cultusgemeinde zu Hajdu- Samson spendete Se. Majestät der König 100 Gulden. — An der Pester Universität wird im nächsten Semester ein Eolleg über Moses Mendelssohn's „Phädon" gelesen und zwar von dem Docenten Herrn vr. Z. Bünöczy, dem Mitredakteur der ungarisch-jüdischen Monatsschrift „Magyar Zoidv Zzemle". — Aus Prag wird berichtet: Währenddes! Aufenthaltes der Ex-Kaiserin Eugenie in hiesiger Stadt besuchte dieselbe auch den alten jüdischen Friedhof. — Aus! Lemberg wurde uns vor mehreren Wochen geschrieben:! Unser Rabbiner und Prediger Herr B. Löwen st ein erhielt ‘ in Anerkennung seines verdienstlichen Wirkens das Ritterkreuz j des Franz-Josefordens. London,1.Sept. (Literarische Notizen.)Der hebräische Gelehrte vr. Ginsburg, der über 30 Jahre an der Mafforah I arbeitet, hat jetzt den dritten Baud druckfertig, vr. Ginsbürg ist gleichzeitig mit einem kritischen Text des alten Te-! staments beschäftigt, der zum ersten Male in der Ueberein- I stimmung mit der Mafforah ist. Letztere wird im Verlage l der Trinitarian Bible Society erscheinen und innerhalb der nächsten Jahre vollendet sein. Die englische Regierung unterstützt die Herausgabe des Werkes durch Zuschüße, die i sich bis jetzt auf £ 700 belaufen. Jeui tletou. chen siebenmalige Bitten um Leben enthalten find. So geht Das Leben c§ "^n ^Q9C bcr fort und am Versöhnungstage nicht minder. Aber auch das ganze Jahr hindurch wird um In einer vertraulichen Unterhaltung sprach Freund B. | „Leben" gebetet, und wenn der Jude am Abend sein Haupt zu M.: Es ist mir öfter schon aufgefallen, daß in den jüdischen Gebeten so oft und so eindringlich um „Leben", also Verlängerung des Lebens gebetet wird. In jede Thephillah am Rosch-Haschanah-Feste werden Sätze eingeschaltet, in welauf das Kiffen legt, trägt er in seinem Nachtgebete die Bitte um „Leben und Frieden" vor. Es erhellt daraus, daß die Verfaffer unserer Gebete der Verlängerung des Lebens einen überaus großen Werth beilegten und die natürliche Wirkung